Samsung NX300 im Test

_MG_1557Die Samsung NX300 gehört der Kategorie der DSLM-Kameras an. Jenen Modellen, die einen großen Bildsensor und Wechselobjektive nutzen, aber keinen Spiegel besitzen. Immer häufiger werden diese Modelle mit EVIL (Electronic Viewfinder Interchangeable Lens) oder auch anderen Abkürzungen beschimpft. Und hier gibt es viel mehr zu erwarten, als man vermuten könnte. Selten nehme ich einem Bericht die Spannung mit einem vorschnellen Fazit, aber die NX300 ist einer der durchdachtesten Kameras, die ich je in der Hand hatte. Zwar kostet sie etwas mehr als eine bessere Kompaktkamera und ist etwas größer, aber sie leistet meiner Meinung nach auch unglaublich viel mehr. Ich möchte jedem dazu raten, der eine kompakte Kamera sucht, zumindest die NX300 einmal auszuprobieren und in der Hand zu halten. Pures DSLR feeling, nur halt ohne Sucher. Genau deswegen schätze ich auch die Canon EOS 100D als nächst größeren Konkurrenten ein. Aber zunächst nun einige Fakten zur NX300:

  • 20,3 Megapixel APS-C CMOS-Bildsensor
  • ISO 100 bis 25.600
  • 1080p Video mit 60 Bildern in der Sekunde
  • Dual Band Wifi
  • 3,3 Zoll AMOLED-Kippdisplay mit Touchfunktion
  • Hybrid Autofokus
  • Adobe Lightroom im Lieferumfang
  • modernes Retro-Design

Zunächst einige Jpeg-Bilder direkt aus der Kamera:

 

Inhalt

Aussehen und Haptik

Die Samsung NX300 sieht irgendwie neu-alt aus. Sie hat einen angedeuteten, aber keinen vollständigen Retro-Look, wie die Fujifilm X20. Zeitlos schön beschreibt das Aussehen treffend, wie ich finde. Von der Verarbeitung her gibt es ebenso nichts zu bemängeln. Nichts kratzt und alles fühlt sich absolut wertig an. Der Auslöser ist leichtgängig, aber mit spürbaren Positionen für Fokussierung und Auslösung. Der Ein-/ Ausschalter der den Auslöser umgibt, ist auch blind zu bedienen. Das Moduswahlrad und das Rändelrad auf der Oberseite sind leichtgängig, passend wie ich finde. Die Bedienknöpfe der Rückseite sind zwar klein, aber deutlich spürbar und besitzen einen guten Druckpunkt. Auch mit großen Fingern kann man alle Bedienelemente vorbildlich erreichen. Auch das kippbare Display macht einen guten Eindruck. Auf der rechten Seite befindet sich ein Micro-USB und ein kleiner HDMI-Anschluss unter einer kleinen Klappe. Selbst die kleine Klappe besteht nicht aus wabbelndem Gummi – wie bei vielen anderen Herstellern – sondern aus hartem Kunststoff und macht einen sehr guten Eindruck. Oft sind es kleine Dinge, die ein gutes Produkt zu eben diesem machen.

 

Die NX300 lässt sich mit einer kleinen Trageschlaufe ganz wunderbar in einer Hand transportieren. Obwohl es die Form des fordern Griffes nicht vermuten lässt, bietet er ein unglaublich guten Tragekomfort. Meiner Meinung nach fühlt er sich besser an, als bei mancher Einsteiger-DSLR. Auch beim Fotografieren bietet er guten halt. Dadurch lässt sich die NX300 stabiler in der Hand halten, als z.B. eine Fujifilm X20. Ich habe nichts zu bemängeln und würde die Kamera nicht umgestalten wollen. Hier hat Samsung meiner Meinung nach viel richtig gemacht.

Der Eindruck lässt sich auch größtenteils auf das 18-55mm III OIS Kit Objektiv übertragen. Es fühlt sich grundsätzlich sehr wertig an und wird mit einer Streulichtblende ausgeliefert. Einzig die iFn-Taste und der AF-MF-Schalter wackeln etwas. Zoom und Fokus lassen sich exakt und gut bedienen.

Software und Bedienung

Grundsätzlich ist auch die Bedienung der Samsung NX300 gelungen. Insbesondere die Grundfunktionen der Kamera – wie Blende, Belichtungszeit und ISO – sind gut erreichbar und einfach einzustellen. Das Menü ist okay, befindet sich aber nicht ganz auf dem Niveau von Canon-DSLR’s. Das Touchdisplay funktioniert gut, könnte aber mehr Gesten und größere Knöpfe vertragen. Die Konkurrenz bietet hier etwas mehr. Jedoch bediene ich eine Kamera hauptsächlich über Knöpfe und dem Rändelrad, weshalb für mich ein Touchdisplay auch verzichtbar wäre.

Das Klappdisplay ist nach oben und unten schwenkbar. Das ermöglicht Aufnahmen aus tiefen und hohen Positionen. Jedoch kann das Display nicht so geschwenkt werden, dass sich auch das Motiv live in dem Display sehen kann, wie es andere Kameras mit Schwenkdisplays können. Durch Veränderung des Blickwinkels schwanken die Farben des Displays stark und wirken oft bläulich oder grünlich. Da ich selbst den Weißabgleich meist durch die Kamera machen lasse und in RAW fotografiere, was eine spätere Veränderung des Weißabgleichs ohne Qualitätsverluste ermöglicht, ist zwar die Verfärbung des Displays schade, aber nicht wesentlich wichtig, um das Foto zu überprüfen.

Autofokus und Auslösegeschwindigkeit

Einer der wichtigsten Punkte einer DSLM meistert die Samsung NX300 mit Bravour. Sie fokussiert exakt, schnell und leise. Landschaften ebenso wie Makros. Selbst im Videomodus fokussiert die NX300 genau und ausreichend schnell ohne zu pumpen. Ein Traum!

Die Samsung hat 105 AF-Phasensensoren, die im Bildsensor integriert wurden. Diese werden von einem sehr guten kontrastbasiertem AF mit 247 Sensoren unterstützt. Das hat einen für eine DSLM unglaublich schnellen und genauen Fokus zur Folge. Im Makromodus dauert die Fokussierung zwar etwas länger, ist dafür aber auch genauer als manche Profi-DSLR für viele tausend Euros. Das liegt an der Funktionsweise des hybriden AF-Systems. Zunächst wird verhältnismäßig grob mit dem Phasen-AF die Entfernung zum Motiv gemessen und von dieser ausgehend, stellt der Kontrast-AF exakt scharf. Das funktioniert in der Praxis ganz hervorragend und ist schneller als man denken mag. Die Auslöseverzögerung ist sehr gering. Ein sehr gutes Tracking-AF und die Touch- und Auslösefunktion des Displays runden das Paket nach oben hin ab.

Bildqualität und Bildrauschen

Die Bildqualität der Samsung NX300 ist durchgehend gut bis sehr gut. Die Bilder sind scharf und die Belichtung ausgewogen mit einer kleinen Tendenz zur Unterbelichtung. Wobei eine Unterbelichtung zur Folge hat, dass nur selten Teile des Himmels ausgebrannt sind. So kann insbesondere bei RAW-Bildern am Rechner wieder viel aufgehellt werden. Im Ergebnis hat man nach nur einer geringen Bildbearbeitung sehr gute ausgewogen belichtete Fotos. Der Dynamikumfang der Bilder ist in Ordnung, kann aber nicht ganz mit den großen DSLR-Herstellern mithalten.

Zum testen habe ich hier drei NX300 RAW-Bilder hochgeladen:
Samsung NX300 RAW’s

Der Bildsensor erlaubt es Bilder mit ISO 100 bis 25.600 aufzunehmen. Bis ISO 1600 sind die Bilder durchaus brauchbar, danach wird das Rauschen störend. Die kamerainterne Entrauschfunktion, die bei Jpeg’s zur Anwendung kommt leistet hervorragende Arbeit. Wenn man Bilder in Web-Auflösung verwendet, kann man auch mal bis ISO 6400 hochgehen. Weiterhin befindet sich ja im Lieferumfang Adobe Photoshop Lightroom, mit welchem auch das Bildrauschen minimiert werden kann. Hier hat Samsung nicht nur einen sehr guten Bildsensor verbaut, sondern auch softwareseitig mitgedacht.

ISO Testreihe: 100, 200, 400, 800, 1.600, 3.200, 6.400, 12.800, 25.600

 

Auch die Makrofunktionalität der NX300 kann sich sehen lassen. Durch den guten Autofokus und einer geringen Naheinstellungsgrenze des 18-55mm Kit Objektivs gelingen schon ganz gute Aufnahmen. Eine DSLR mit speziellem Makroobjektiv bieten hier natürlich wieder mehr, aber damit sollte man auch kein DSLM mit Kit-Zoom Objektiv vergleichen.

 

 

Das Samsung 18-55mm III 1:3.5-5.6 OIS i-Function bietet eine gute und scharfe Abbildungsleistung. Wobei natürlich chromatische Aberrationen und einige Objektivverzerrungen auftreten, die aber bei Jpegs von der Kamera behoben werden. Bei RAW-Bildern korrigiert das mitgeliefert Lightroom die Objektivfehler ganz hervorragend.

Im Folgenden zunächst das Originalbild, gefolgt von einem Bildausschnitt:

 

Was bei einer aktuellen Kamera natürlich nicht fehlen darf, ist eine Panoramafunktion. Auch hier leistet sich Samsung keinen Patzer und liefert ein gutes Ergebnis und auch die Bedienung der Panoramafunktion ist einfach und verständlich.

 

Videos

Eigentlich habe ich bereits das Wichtigste zur Videofunktion gesagt. 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde und ein sehr guter ausgewogener Autofokus, der weder pumpt, noch zu langsam, zu schnell oder zu laut scharf stellt. Dazu bietet die NX300 noch einen dedizierten Knopf mit dem man jederzeit per Knopfdruck einen Film mit Stereoton erstellen kann. Die Videos sind gut und machen glücklich.

Fazit

Samsung hat mit der NX300 ein ganz hervorragendes Paket geschnürt. Man bekommt sehr viel Kamera für relativ wenig Geld. Die NX300 beherrscht nahezu alle Disziplinen und bietet kaum Schwächen. Dazu legt Samsung noch Lightroom 4 als Bildbearbeitungssoftware, welche auch Vollprofis überwiegend benutzen. Ein besseres Gesamtpaket habe ich selten erlebt. Das Angebot ist für den Einsteiger durch den Lieferumfang interessant, ebenso aber auch für den Profi, der etwas mobiles mit einer guten Bildqualität sucht. Durch die integrierte WLAN-Funktionalität lässt sich die NX300 auch per Smartphone bedienen. Einzig die optische Displayqualität hinterließ einen gemischten Eindruck. Doch überwiegen die anderen Vorteile dieses kleine Manko.

Wer nach einem optischen Sucher verlangt, den Retro-Look haben will und es etwas kompakter mag, der sollte sich die Fujifilm X20 anschauen. Wenn die Gehäusegröße nicht absolut entscheidend ist, sollte man sich auch die sehr kleine Canon EOS 100D einmal näher anschauen.

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12 Gedanken zu „Samsung NX300 im Test

  1. Pingback: Fujifilm X20 Test - Fotografie Blog - web-done.de

  2. Hallo und vielen Dank erstamals für so eine ausführliche Beschreibung der Kamera.
    Das war auch letzendlich ausschlaggebend das ich mir diese Kamera zugelegt habe.
    Mein Problem ist nur ich kann kein RAW Formal einstellen. Ich finde schlicht weg nicht die Option dazu.
    Meine NX300 hatte vom Werk aus die Firmware 1.2 drauf, die habe ich jetzt auch ein Update auf 1.3 durchgeführt.
    In dem Video ist die Option jedoch erkennbar. Gibt es sonst noch irgendein Kniff oder übersehe ich schlicht weg die Einstellung? Ich kann bei mir im Menü nur die Bildgröße ändern.
    Sorry ich weiß das ist kein Support hier aber für ein Tipp wäre ich dankbar.

  3. Pingback: Sony DSC-RX100 II im Test » Fotografie Blog web-done.de

  4. Hallo,
    danke für den tollen Bericht. Auch ich habe mitlerweile zur nx300 gefunden nachdem ich den link aus dem dforum gefunden hatte.

    Eines ist mir allerdings noch negativ aufgefallen, vielleicht kennst Du ja eine Lösung dafür: die Anzeige der Bilddaten (also letztlich EXIF) wird dermassen klein dargestellt bei der Ansicht der Fotos (vor allem der ISO Wert), das man es kaum lesen kann. Gibt es eine Möglichkeit die Darstellung zu vergrössern?

    Danke und Gruß Björn

  5. Danke für Deinen Bericht. Ich habe mir die Kamera bisher noch nicht zugelegt. Ich würde mich noch über folgende Einschätzung freuen:
    Wir wollen gern unseren Sohn bei Tanzwettkämpfen (wo es naturgemäß schnell zur Sache geht und meist auch etwas „dunkel“ ist) fotografieren. Mit meiner Lumix FZ38 habe ich dabei immer ziemliche Probleme, was sich äußert, indem die Bilder stark rauschen und schnelle Bewegungen einfach unscharf sind, oft haben wir auch rote Augen. Meine, die Bilder werden einfach zu dunkel und nicht scharf. Wäre die NX 300 hier eine Alternative, soweit Dir eine Einschätzung möglich ist?

    Danke für eine unverbindliche Empfehlung.

    • Die NX300 schlägt sich in solchen Situationen schon sehr gut. Für dich wäre eine hohe ISO mit wenig Rauschen sehr sinnvoll und das kann die NX300 schon recht gut.

      Ebenso wichtig ist aber auch das Objektiv. Wichtig ist darauf zu achten, dass bei der nötigen Brennweite, z.B. 150mm, die Lichtstärke noch möglichst groß ist. Bei der NX hat man da derzeit nicht so viel Auswahl bei den Objektiven. Ich würde dir dazu raten, einfach mal die NX300 zu testen.

      Alternativ würde ich dir auch zu einer kleinen DSLR raten, alleine wegen dem Sucher und der Objektivauswahl.

      • Vielen Dank. Ich habe mir die NX300 inzwischen besorgt und wir sind begeistert.
        Man merkt sofort Unterschiede zur FZ 38.
        Die Entwicklung ist eben schon wieder weitergegangen.
        Viele Grüße
        Uli

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