
Kompaktes dynamisches USB-Mikrofon mit starkem DSP und solider Metallverarbeitung. Für Gaming und Streaming eine gute Wahl, ein Mikrofonarm ist aber fast Pflicht.
- TypDynamisch
- RichtcharakteristikNiere
- AnschlussUSB-C
- Max. SPL128 dB
- Frequenz50 Hz – 15 kHz
Auf einen Blick
Vorteile
- Massives Metallgehäuse inkl. Metallkorb, hochwertige Haptik
- Sehr guter integrierter DSP (Denoiser, Auto Level) entlastet den Rechner
- Blendet Hintergrund- und Raumgeräusche gut aus
- Lautlose Mute-Taste mit Tastensperre
Nachteile
- Mitgeliefertes Tischstativ ist zu niedrig
- Kapsel kaum entkoppelt – empfindlich für Tisch- und Handhabungsgeräusche
- Nur USB-C, kein XLR-Ausgang
Technische Daten
| Hersteller | Shure |
|---|---|
| Preisklasse | niedrig |
| Typ | Dynamisch |
| Richtcharakteristik | Niere |
| Anschluss | USB-C |
| Frequenzbereich | 50 Hz – 15 kHz |
| Empfindlichkeit | – |
| Eigenrauschen | – |
| Max. Schalldruckpegel | 128 dB SPL |
| 32-Bit-Float | ✗ |
| Gewicht | – |
| Abmessungen | 51 × 51 × 169 mm |
Das Video zum Test
Das Shure MV6 (Werbelink) ist ein kompaktes dynamisches USB-C-Mikrofon, das sich vor allem an Gamer und Streamer richtet. Mich hat interessiert, ob es wirklich so etwas wie ein kleiner Bruder des SM7B ist. Ich habe es am iPhone und am Mac mit der MOTIV-Mix-App getestet, die DSP-Funktionen ausprobiert und es mit dem SM7B und dem SM58 (Werbelink) verglichen. Hier erfährst du, was das MV6 gut macht, wo es schwächelt und warum du beim Zubehör nicht sparen solltest.
Anschlüsse und Bedienung
Das MV6 ist ein dynamisches USB-C-Mikrofon. Preislich liegt es im Mittelfeld der USB-Mikrofone, nicht besonders günstig, aber auch nicht extrem teuer. Im Test hing der USB-C-Ausgang über einen Adapter direkt an meinem iPhone, und die App hat dort auch aufgenommen. Sonst nutze ich ja meist XLR-Mikrofone mit einem separaten Rekorder.
Neben USB-C gibt es einen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Mit den Beyerdynamic DT 770 Pro (Werbelink) in der 80-Ohm-Variante konnte ich mich sehr laut hören, ich musste sogar leiser drehen. Die 250-Ohm-Variante wird langsam etwas leise. Die meisten anderen Kopfhörer sollten aber sehr gut funktionieren.
Oben sitzt eine Tap-to-Mute-Taste als Touchfeld. Sie ist lautlos, wenn du vorsichtig drückst, aber beim Verstellen des Mikrofons kommst du sehr leicht aus Versehen darauf. Drückst du etwas fester, hört man das Berühren auch auf der Spur. Dafür gibt es eine Tastensperre, bei der die Anzeige orange blinkt, wenn du die Taste trotzdem berührst. Die werden wahrscheinlich viele nutzen, die nicht ständig muten müssen.
Technische Daten und DSP
Das MV6 nimmt mit bis zu 24 Bit und 48 kHz auf, und das ist im Großen und Ganzen alles, was man benötigt. Die Richtcharakteristik ist eine Niere: Es nimmt hauptsächlich von vorn auf, schräg von vorn noch einigermaßen stark, seitlich und von hinten wird es deutlich leiser. Der Frequenzgang wird mit 50 bis 15.000 Hz angegeben. Im Diagramm sieht man aber, dass Frequenzen unter 50 Hz und über 15.000 Hz nur leiser aufgezeichnet werden und leicht noch vorhanden sind. Ab etwa einem Kilohertz bis zu einem Peak um 6.000 bis 7.000 Hz sind die Höhen angehoben, was der Klarheit zuträglich ist. Ansonsten ist er einigermaßen neutral.
Die Gain-Range beträgt 0 bis +36 dB und ist regelbar. Dazu gibt es einen Onboard-DSP: einen Auto-Level-Modus, der die Lautstärke automatisch einstellt, einen digitalen Popper Stopper gegen Plosivlaute, einen Echtzeit-Denoiser gegen Hintergrundrauschen und einen Klangregler zwischen dunkel und hell. Da die Signale im Mikrofon selbst verarbeitet werden, belastet das deinen Computer oder dein Smartphone während der Aufnahme nicht, etwa beim Spielen.
Als Software gibt es für den Desktop die MOTIV-Mix-App und für Mobilgeräte die Apps ShurePlus MOTIV Audio und MOTIV Video. Mitgeliefert werden ein kleines Tischstativ mit 1,3 kg und ein 1 m langes USB-C-auf-USB-C-Kabel.
Die MOTIV-Mix-App am Mac
Am Mac habe ich MOTIV Mix in einer frühen Beta-Version getestet. Du kannst direkt in der App aufnehmen, kannst während der Aufnahme dann aber keine Einstellungen mehr verändern. Den Gain kannst du manuell regeln oder auf Auto-Pegel stellen. Mit Auto-Pegel gehe ich auf 2 cm heran und dann auf 15 cm zurück, und die Lautstärke passt sich an. Komme ich näher, wird es erst lauter, dann regelt die Automatik wieder herunter. Das klappt eigentlich ganz gut.
Beim Klang wird es mit dunkler Einstellung bassiger, mit heller Einstellung werden vor allem die Höhen angehoben. Das wird klarer, kann aber schnell harsch werden. Bei meiner Stimme und etwas größerem Abstand von 15 bis 20 cm würde ich leicht ins Dunkle gehen.
Den Denoiser habe ich mit meinem Luftfilter auf Stufe 4 getestet. Er funktioniert wirklich hervorragend, das Rauschen ist weg. Meine Stimme klingt dann aber zum Teil mit Artefakten belegt, also leicht künstlich. Sind kaum Hintergrundgeräusche da, verschwinden auch die Artefakte. Den Denoiser würde ich deshalb nur bei Bedarf einschalten. Der Popper Stopper hört sich dagegen gut an. Ohne ihn hört man Plosivlaute leicht, mit ihm kaum noch, nur noch richtiges Hineinpusten. Den kannst du dauerhaft aktiviert lassen. Dazu kommt ein Hochpassfilter bei 75 oder 150 Hz, wobei 150 Hz schon etwas Bass aus der Stimme nimmt. Die Funktionen sind in der App gut erklärt. Im Mixer kannst du mehrere Audioquellen pegeln, deinen Kopfhörermix festlegen und alle Quellen einzeln als WAV mit bis zu 48 kHz aufnehmen.
Windschutz, Sprechabstand und Plosivlaute
Für die Audiotests habe ich das MV6 aus 10 bis 15 cm von vorn besprochen und im Kreis gedreht. Ohne den aufgesetzten Windschutz, aber mit aktiviertem Popper Stopper, sind die ganz tiefen Anteile der Plosivlaute wirklich weg, den Wind hörst du aber. Setze ich den Windschutz wieder auf den massiven Metallkorb, nehmen die Windgeräusche deutlich ab. Selbst ganz nah dran ist von den Plosivlauten quasi alles weg, nur noch ein bisschen Wind kommt an.
Der Sprechabstand sollte optimalerweise zwischen 5 und 20 cm liegen, 30 cm gehen auch noch. Als Sweet Spot würde ich 15 bis 20 cm bezeichnen, vielleicht sogar etwas näher. Ich habe außerdem 50 cm und einen Meter ausprobiert, wobei die Auto-Gain-Funktion die Lautstärke jeweils nachregelt.
Direkte Windstöße solltest du grundsätzlich vermeiden. Am besten positionierst du das Mikrofon seitlich, etwa im 45-Grad-Winkel zu deinem Mund, und sprichst leicht daran vorbei statt direkt von vorn hinein. Dann kommt überhaupt kein Wind mehr an. Wichtig ist außerdem, dass du dich mit Kopfhörern selbst abhörst. Gerade wenn du sonst keine Mikrofone benutzt, hörst du so, ob es Störgeräusche gibt oder das Mikrofon falsch steht.
Körperschall und richtige Aufstellung
Ein ganz wichtiges Thema beim MV6 ist die Entkopplung. Die Kapsel ist kaum entkoppelt. Klopfe ich darauf oder mache irgendetwas auf dem Schreibtisch oder dem Bücherstapel, auf dem das Mikrofon steht, wird das sehr laut übertragen. Für Handling-Geräusche und überhaupt Geräusche auf dem Schreibtisch ist das Mikrofon verhältnismäßig empfindlich. Du solltest es also möglichst entkoppelt nutzen.
Lärmquellen wie eine Tastatur oder einen lauten Lüfter solltest du möglichst hinter dem Mikrofon positionieren, denn dort sind sie am leisesten. Liegt die Tastatur direkt davor, hörst du das deutlich. Du kannst das Mikrofon auch etwas höher stellen, sodass die Tastatur aus dem vorderen Aufnahmewinkel herauskommt.
Ansonsten blendet das MV6 Hintergrundgeräusche sehr gut aus, nicht nur durch die Software, sondern auch durch die Bauweise. Was auf der Rückseite passiert, wird kaum noch aufgenommen. Auch Raumhall taucht je nach Sprechabstand nicht so laut auf der Spur auf. Je näher du dran bist, desto weniger Raum ist zu hören. Rauschen von Klimaanlagen, Luftfiltern oder Computerlüftern filtert der DSP sehr gut heraus.
Zubehör, Vergleich und Verarbeitung
Das mitgelieferte Tischstativ ist gut verarbeitet und unten leicht gummiert. Es ist besser, als gar nichts mitzuliefern, aber für die meisten viel zu kurz. Ich musste ein paar Bücher unterlegen. Deshalb ist Zubehör gerade bei diesem Mikrofon relativ wichtig. Ein höhenverstellbares Tischstativ wie das K&M 23325 mit 2,5 kg und einer Höhe von knapp 22 bis knapp 35 cm passt meiner Meinung nach sehr gut. Noch lieber nutze ich Mikrofonarme wie den Røde PSA1 (Werbelink) oder den neueren PSA1+, der etwas besser entkoppelt, was gerade beim MV6 wichtig sein kann. Ein günstiges Mikrofon an einem guten Arm ist im Alltag oft praktischer als ein teures Mikrofon an einem billigen Tischstativ.
Für den Vergleich habe ich alle Filter deaktiviert und das MV6 seitlich aus etwa 10 cm komplett unverändert gegen die anderen Mikrofone gestellt, damit du den Rohklang hörst. Das SM7B ist technisch ähnlich, aber ein XLR-Mikrofon, wesentlich teurer, sehr leise, und die Kapsel ist besser, also schwingender gelagert. Das SM58 ist ein günstiges dynamisches Handmikrofon mit XLR-Anschluss und ein weltberühmtes Bühnenmikrofon. Für beide brauchst du ein Audio-Interface, für das MV6 nicht.
Preis und Leistung passen. Das MV6 fühlt sich hochwertig an, das ganze Gehäuse und auch der Korb sind aus massivem Metall. Die Aufhängung ist gut und lockert sich nicht, selbst wenn du sie immer wieder bewegst. Die äußere Bauweise ist sehr simpel, und die grünen Akzente in Shure-Farbe gefallen mir gar nicht schlecht.
Fazit: Shure MV6
Sehr gutDas Shure MV6 ist ein kompaktes dynamisches USB-C-Mikrofon mit sehr guter, praktischer DSP-Verarbeitung und solider Metallverarbeitung. Hintergrundgeräusche blendet es durch Bauweise und Software sehr gut aus, und der Popper Stopper kann dauerhaft an bleiben. Den Denoiser würde ich nur bei Bedarf nutzen, weil er die Stimme teils künstlich klingen lässt. Die größten Schwächen sind die kaum entkoppelte Kapsel und das viel zu kurze Tischstativ. Plane deshalb ein höhenverstellbares Stativ oder besser einen Mikrofonarm ein. Für Gaming und Streaming direkt am Computer oder Smartphone ist das MV6 eine gute Wahl.
Kaufen, wenn …
- du ein USB-C-Mikrofon ohne Interface für Gaming oder Streaming suchst
- du DSP-Funktionen wie Auto-Level und Popper Stopper direkt im Mikrofon willst
- du einen Mikrofonarm oder ein höhenverstellbares Stativ nutzt
- du dich direkt am Mikrofon über Kopfhörer hören möchtest
Lieber eine Alternative, wenn …
- du mehr XLR-Flexibilität und den Klang eines Studio-Klassikers willst und ein Interface hast Shure SM7B
- du ebenfalls USB-C willst, aber eine Spinne und einen Poppfilter direkt im Lieferumfang haben möchtest Røde X XDM-100
Preise prüfen
Alternativen zum Shure MV6
Røde X XDM-100
Note 7,8 von 10
Dynamisches USB-C-Mikrofon mit Kopfhörerausgang, internem DSP, Spinne und Poppfilter im Lieferumfang. Die Unify-Software war zum Testzeitpunkt nur für Windows verfügbar, und die LED blendet.
Shure SM7B
Note 8,9 von 10
Der große Studio-Klassiker mit XLR, schwingend gelagerter Kapsel und warmem Klang. Er ist wesentlich teurer, sehr leise und braucht ein Interface mit viel Gain.
Shure SM58
Note 8,7 von 10
Günstiges, unverwüstliches dynamisches XLR-Mikrofon, auch als Handmikrofon nutzbar. Es braucht ein Audio-Interface und hat keinen DSP.
Häufige Fragen zum Shure MV6
Brauche ich ein Audio-Interface?
Nein, das MV6 läuft per USB-C direkt am Computer oder Smartphone. Einen XLR-Ausgang gibt es nicht.
Kann ich mich selbst hören?
Ja, über den 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Kopfhörer mit 80 Ohm konnte ich sehr laut betreiben, bei 250 Ohm wird es langsam leise.
Lohnt sich der Denoiser?
Er filtert Rauschen hervorragend, kann die Stimme aber leicht künstlich klingen lassen. Ich würde ihn nur bei Bedarf einschalten.
Welcher Sprechabstand ist ideal?
5 bis 20 cm, 30 cm gehen noch. Am besten seitlich im 45-Grad-Winkel aufstellen und leicht vorbeisprechen.
Reicht das mitgelieferte Stativ?
Für die meisten ist es zu kurz. Besser ist ein höhenverstellbares Tischstativ oder ein Mikrofonarm wie der Røde PSA1 oder PSA1+.
Ist das MV6 ein kleines SM7B?
Technisch ist es ähnlich dynamisch, aber per USB-C, deutlich günstiger und mit kaum entkoppelter Kapsel. Das SM7B ist besser gelagert und braucht ein Interface.
Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.


