Sennheiser MKH 8050


Das Sennheiser MKH 8050 ist mein Lieblings-Boom-Mikrofon für Innenräume. Ich habe es mir selbst gekauft, ganz normal über einen Händler, ohne irgendeinen Vorteil durch meinen YouTube-Kanal. Im Test habe ich es mit dem Oktava MK-012 und dem Røde NTG5 verglichen und dabei auch seine Schwächen deutlich zu hören bekommen. Hier erfährst du, warum ich trotzdem überzeugt bin, dass es dein letztes YouTube-Mikrofon sein könnte, und worauf du beim Einsatz achten musst.

Ein Profi-Mikrofon im Kleinformat

Das MKH 8050 ist ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon mit Supernieren-Charakteristik. Hinten sitzt ein XLR-Anschluss, und es braucht 48 Volt Phantomspeisung. Der Frequenzbereich reicht von 30 bis 50.000 Hz, eine ziemlich krasse Bandbreite. Die Töne nimmt es dabei sehr linear und neutral auf, extrem deutlich und klar. Die kleine Membran kann alles ziemlich naturgetreu wiedergeben.

Der Ersatzgeräuschpegel liegt bei 13 dB(A), der Grenzschalldruckpegel bei 142 dB SPL. Mit 19 mm Durchmesser ist das Mikrofon im Vergleich zu anderen Modellen relativ schlank, mit 74 mm Länge extrem kurz, und mit 55 g ist es extrem leicht. Sennheiser bietet es seit 2007 an.

Die matte Nextel-Oberfläche in einem gräulichen Silber schützt vor Lichtreflexionen. Strahlt Licht darauf, reflektiert nichts. Deshalb eignet es sich hervorragend für Kameraanwendungen, bei denen das Mikrofon auch mal ins Bild ragt. Es wird auch in Fernsehstudios eingesetzt und ist wirklich ein hochprofessionelles Mikrofon. Die Geschichte der MKH-Mikrofone reicht weit zurück. Sennheiser hat dazu eine lesenswerte Story als PDF veröffentlicht.

Modulares Set und Lieferumfang

Das Set besteht aus mehreren Teilen der 8000er-Serie: dem Mikrofonmodul MKHC 8050, das der teuerste Bestandteil ist, dem XLR-Modul MZX 8000, der Mikrofonklammer MZQ 8000 und dem doppellagigen Windschutz MZW 8000. Bei meinem Set lag außerdem ein Transportkoffer bei. Der ist, gemessen an der Größe dieses Mikrofons, ehrlich gesagt unangemessen groß.

Das Design ist sehr modular, und es gibt zum MKH 8050 Zubehör für so ziemlich alles, was du dir vorstellen kannst. Die Kapsel lässt sich wechseln, und zwischen Kapsel und XLR-Modul lassen sich weitere Module setzen, etwa mit Filterfunktionen. Schalter gibt es am 8050 selbst überhaupt keine. Das stört mich nicht, denn durch die digitale Tonbearbeitung muss man heute nicht mehr alles am Mikrofon erledigen. Ich mache das später in der Software, bei mir in Final Cut.

Zum indirekten Vorgänger MKH 50, der 1988 vorgestellt wurde und bei vielen Filmern sehr beliebt ist: Er hat ein −10-dB-Pad und einen Low-Cut-Schalter, ist größer und noch etwas teurer. Mir persönlich ist das MKH 50 ein bisschen zu hell, die hohen Töne werden etwas zu deutlich übertragen. Beim 8050 ist das nicht ganz so extrem.

Klang und Richtwirkung

Aufgenommen habe ich die ganze Zeit mit dem Zoom F6, den ich für solche Tests eigentlich immer hier stehen habe. Als XLR-Kabel nutze ich Kabel von Cordial mit Neutrik-Steckern. Die finde ich für solche Zwecke vollkommen ausreichend, verhältnismäßig günstig und zuverlässig, auch wenn es noch hochwertigere gibt. Am Ende des Videos stand das MKH 8050 etwa 10 cm vor meinem Mund, also etwas näher als zu Beginn mit 10 bis 15 cm. An der Tonspur habe ich keinen Hoch- oder Tiefpassfilter verwendet, sondern nur die Lautstärke angepasst und einen Limiter darübergelegt.

Die Off-Axis-Wiedergabe ist sehr gut. Spreche ich etwas am Mikrofon vorbei, klingt meine Stimme nicht großartig anders, und das funktioniert super. Beim Drehtest hört man die Superniere deutlich: zur Seite wird es leiser, in den toten Winkeln hinten seitlich ist es am leisesten, und direkt von hinten ist es wieder etwas lauter. Den Raum hört man je nach Qualität des Raums durch die Superniere nicht mehr so stark.

Geht man ganz nah heran, setzt der Nahbesprechungseffekt ein. Die Stimme wird deutlich tiefer und wirkt privater, das kann man mit dem Mikrofon hervorragend machen. Gerade aus der Nähe ist die Stimmwiedergabe sehr gut, sehr tief und mit sehr breiten Frequenzen. Ich habe außerdem Abstände von 20, 30, 50 cm und einem Meter getestet. Für mich ist es ein extrem gutes, sehr ausgewogenes und detailreiches Mikrofon, und ich finde es unfassbar angenehm anzuhören.

Die Schwächen: Wind, Popp und Körperschall

So gut der Klang ist, das MKH 8050 hat Schwächen, die du kennen musst. Auf meinem Tischstativ ist es fest gelagert, nicht entkoppelt. Klopfe ich auf das Mikrofon, tippe ans Kabel oder gegen den Stativfuß, hört man deutlich Geräusche bis zu einem richtig tiefen Brummen. Selbst wenn ich während der Aufnahme auf den Tisch haue, ist das sofort zu hören.

Noch empfindlicher ist es gegenüber Popp- und Windgeräuschen. Ich hatte es etwa im 45-Grad-Winkel schräg vor mir stehen, und sobald ich auch nur annähernd direkt hineinspreche, rumpelt es sofort, selbst aus 20 cm. Hineinpusten habe ich mich gar nicht getraut. Mit dem mitgelieferten Windschutz wird es schon deutlich besser, Plosivlaute bei direktem Besprechen von vorn dringen aber immer noch durch.

Auch in der Hand gehalten hört man Handling-Geräusche und natürlich Wind. Für Außenaufnahmen oder als Handmikrofon ist das MKH 8050 daher nicht gemacht. Du solltest es entkoppelt aufhängen, leicht seitlich besprechen und bei Bedarf den Windschutz nutzen.

So nutze ich es als Boom-Mikrofon

Meine Lieblingsanwendung ist das Boom-Mikrofon in Innenräumen, und dafür ist das MKH 8050 prädestiniert. Normalerweise hängt es bei mir über dem Kopf außerhalb des Bildes, gute 30 cm entfernt, sodass es wirklich nicht mehr sichtbar ist. Im Video habe ich es auf etwa 20 cm herangeholt. Näher am Mund wäre die Audioqualität noch etwas besser, aber dann wäre es im Bild.

Der etwas größere Abstand hat noch einen Vorteil: Bewege ich mich ein wenig hin und her, klingt die Aufnahme nicht gleich völlig anders. Dass bei dieser Distanz etwas Raum mit auf der Spur landet, gehört dazu. Das Mikrofon nimmt kaum Platz weg, ist stationär angebracht und funktioniert unglaublich zuverlässig.

Vielseitig einsetzbar ist es außerdem. Neben Stimmen eignet es sich auch für Instrumente. Aber für Sprache bei YouTube-Videos und als Indoor-Boom ist es für mich die Nummer eins.

Im Vergleich mit Oktava MK-012 und Røde NTG5

Das Oktava MK-012 aus dem Movie Set ist ebenfalls ein XLR-Kleinmembran-Kondensatormikrofon. Im Test hatte es die Hyperniere, also noch gerichteter, nach hinten nimmt es aber auch mehr auf. Es ist größer als das Sennheiser, obwohl es selbst relativ kompakt ist. Wind- und Störgeräusche sind beim Oktava noch einmal krasser, beim Klopfen klang es wirklich schlimm. Dafür ist es deutlich günstiger und für seinen Preis gar nicht mal so schlecht. Preis-leistungsmäßig ist es meiner Meinung nach immer noch ungeschlagen.

Das Røde NTG5 ist ein sehr rauscharmes Richtrohrmikrofon und steht preis-leistungsmäßig unglaublich gut da. Aus der Nähe klingt es sehr schön. Schon auf dem Kopfhörer hörte ich aber deutlich mehr Raum als beim Sennheiser oder Oktava. Die seitlich einfallenden, reflektierten Schallwellen kann der Tubus in Innenräumen nicht so gut verarbeiten. Draußen ist das NTG5 sehr gut, als Boom-Mikrofon in Innenräumen aber nicht das beste.

Unterm Strich: Wenn du es dir leisten kannst und wirklich das letzte Indoor-YouTube-Mikrofon kaufen möchtest, greif zum MKH 8050. Als ich es zum ersten Mal gehört und mit den beiden anderen verglichen habe, war mir ziemlich schnell klar, dass das Geld gut investiert ist. Dazu kommt, dass solche Mikrofone ihren Wert sehr gut halten. Verkaufe ich es nach fünf oder zehn Jahren, bekomme ich vermutlich noch einen großen Teil des Kaufpreises zurück, ganz anders als etwa bei einem Notebook.

Verarbeitung

Hochprofessionell, leicht, kompakt und mit matter, reflexionsfreier Oberfläche. Der Transportkoffer ist unnötig groß.

Bedienung

Keine Schalter, dafür modular. Es ist sehr empfindlich gegenüber Körperschall, Popp- und Windgeräuschen, eine entkoppelte Aufhängung ist Pflicht.

Klang

Extrem ausgewogen, detailreich und angenehm, mit sehr guter Off-Axis-Wiedergabe und wenig Raum durch die Superniere.

Ausstattung

Klammer, doppellagiger Windschutz und XLR-Modul sind dabei, dazu riesiges optionales Zubehör. Eine Spinne fehlt.

Vielseitigkeit

Perfekt als Indoor-Boom und für Stimme, auch für Instrumente. Für draußen und als Handmikrofon ist es ungeeignet.

Preis-Leistung

Hohe Preisklasse, aber ein Mikrofon fürs Leben mit sehr gutem Wiederverkaufswert.

Das Sennheiser MKH 8050 ist für mich eines der besten Mikrofone für Sprache und Boom-Anwendungen in Innenräumen. Es klingt extrem ausgewogen und detailreich, ist klein, leicht, unauffällig vor der Kamera und funktioniert unglaublich zuverlässig. Der Preis ist hoch, aber das Mikrofon behält seinen Wert, und ich bin ziemlich sicher, dass es dein letztes YouTube-Mikrofon sein kann. Du musst es allerdings entkoppelt aufhängen und vor Wind und Plosivlauten schützen, denn da ist es sehr empfindlich. Für draußen gibt es bessere Wahlen.

du ein Boom-Mikrofon für Innenräume suchst, das außerhalb des Bildes hängt

du ein extrem ausgewogenes, detailreiches Mikrofon für Sprache willst

du einmal investieren und das Mikrofon viele Jahre nutzen möchtest

du einen Rekorder oder ein Interface mit XLR und Phantomspeisung hast

du ein günstigeres, neutrales Großmembranmikrofon für den Schreibtisch suchst, das auch per USB-C läuft

du direkt vor dem Mikrofon sprichst und Körperschall und Raum möglichst wenig aufnehmen willst

Großmembran-Kondensatormikrofon mit extrem niedrigem Eigenrauschen, Spinne und Popschutz im Lieferumfang, deutlich günstiger und auch per USB-C nutzbar. Es ist aber kein Boom-Mikrofon und nimmt mehr Raum auf.

Kondensator-Gesangsmikrofon mit Superniere für die Hand und die Bühne. Es ist deutlich unempfindlicher gegenüber Popp- und Handling-Geräuschen, aber nicht für den Einsatz außerhalb des Bildes gedacht.

Dynamisches Broadcast-Mikrofon mit warmem Klang und hervorragender Körperschall-Dämpfung, für direktes Besprechen aus wenigen Zentimetern. Es braucht viel Gain.

Braucht das MKH 8050 Phantomspeisung?

Ja, 48 Volt über XLR. Einen USB-Anschluss gibt es nicht.

Brauche ich eine Spinne?

Ja, das würde ich empfehlen. Fest gelagert überträgt es Klopf-, Kabel- und Tischgeräusche relativ stark.

Wie empfindlich ist es gegen Popplaute?

Sehr empfindlich. Sprich es leicht seitlich an und nutze den mitgelieferten Windschutz. Auch damit dringen Plosivlaute bei direktem Besprechen noch durch.

Ist es für Außenaufnahmen geeignet?

Dafür würde ich es nicht nehmen, weil es sehr windempfindlich ist. Es ist ein Mikrofon für Innenräume.

In welchem Abstand nutzt du es als Boom?

Meist gute 30 cm über dem Kopf, außerhalb des Bildes. Näher klingt es noch besser, wäre dann aber sichtbar.

Was ist der Unterschied zum MKH 50?

Das MKH 50 ist größer, noch etwas teurer und hat Pad- und Low-Cut-Schalter. Mir klingt es etwas zu hell.