Sound Devices MixPre-3 II


Der Sound Devices MixPre-3 II ist klein, robust und hat Vorverstärker, die in dieser Klasse als Referenz gelten. Ich nutze ihn vor allem als Audio-Interface an meinem Rechner und habe ihn in einem großen Vergleich gegen den Zoom F6 und ein Focusrite Scarlett Solo antreten lassen. Hier liest du, was er technisch drauf hat, wie knapp der Hörvergleich ausfiel und wo er mich im Alltag nervt.

Ausstattung im Überblick

Der MixPre-3 II ist Rekorder, Mischer und USB-Audio-Interface in einem. Er hat drei XLR-Eingänge mit den sogenannten Kashmir-Vorverstärkern von Sound Devices, dazu einen 3,5-mm-Aux-Eingang. Der Mic-Gain reicht von +6 bis +76 dB, das äquivalente Eingangsrauschen liegt bei −130 dBV (A-bewertet), und der Dynamikumfang wird mit 142 dB angegeben. Diese 142 dB finde ich wirklich unschlagbar, da kommt in dieser Klasse kaum etwas heran. Aufgenommen wird mit 16 oder 24 Bit oder in 32-Bit-Float bei 44,1 bis 192 kHz.

Standardmäßig zeichnet der MixPre-3 II fünf Spuren auf: drei Einzelspuren und einen Stereo-Mix. Mit dem kostenpflichtigen Plugin MixPre-3 II +2 lässt sich das auf fünf Kanäle und sieben Spuren erweitern. Weitere Plugins wie NoiseAssist, MixAssist oder Musician bringen Rauschunterdrückung, automatisches Mischen und Musikerfunktionen. Ein Timecode-Generator mit 0,2 ppm Genauigkeit ist eingebaut, Timecode kann über den Aux-Eingang oder den Stereo-Ausgang ein- und ausgegeben werden, und über HDMI lassen sich Aufnahmen per Kamera starten.

Wer mehr Eingänge braucht, greift zu den größeren Geschwistern: Der MixPre-6 II hat vier, der MixPre-10 II acht XLR/Klinke-Combo-Buchsen. Beim MixPre-3 II gibt es dagegen nur reine XLR-Eingänge.

Gehäuse und Verarbeitung

Mit 3,6 × 14,4 × 11 cm und rund 480 g ist der MixPre-3 II angenehm kompakt. Die Oberseite ist gummiert, und die drei Potis lassen sich ganz wunderbar bedienen. Sie fühlen sich deutlich hochwertiger an als die Regler meines Zoom F6. Im 32-Bit-Float-Modus arbeiten sie übrigens nur als Fader, weil eingepegelt werden muss nicht mehr. Unten sitzen ein Gewinde und ein kleiner Anti-Rotations-Stift, den du mit dem beiliegenden Inbusschlüssel festschraubst, damit sich das Gerät auf dem Stativ nicht verdreht. Der Inbusschlüssel selbst ist ziemlich wackelig.

Weniger begeistert bin ich von ein paar Details. Der SD-Kartenschacht liegt unter dem Batteriefach, was im Alltag unpraktisch ist. Der Batterieansatz für vier AA-Zellen lässt sich sehr schlecht lösen und noch schlechter einklemmen. Für ein Gerät dieser relativ hohen Preisklasse finde ich das vollkommen unwürdig. Und der Ein- und Ausschalter geht mir wirklich auf den Keks. Am USB-A-Port kannst du einen USB-Stick, eine Tastatur oder einen Controller anschließen. Ich nutze dort einen Stick für Backups.

Bedienung und Touch-Display

Bedient wird der MixPre-3 II über einen 1,6 Zoll großen Touchscreen mit 320 × 256 Pixeln, der auch bei Sonnenlicht ablesbar sein soll. Er funktioniert, ist aber klein, und man verklickt sich einfach mal. Über das Menü mit den drei Strichen kommst du an Samplerate, Bittiefe, Pre-Roll und viele weitere Einstellungen. Pre-Roll habe ich auf etwa fünf Sekunden gestellt, möglich sind bis zu zehn. Drückst du auf Aufnahme, sind die letzten Sekunden schon gespeichert.

Sehr praktisch finde ich die Backup-Funktion auf den USB-Stick. Dabei wird allerdings nicht parallel aufgenommen: Erst wenn du auf Stopp drückst, kopiert das Gerät die Datei von der SD-Karte auf den Stick, und der REC-Button blinkt währenddessen. Ein kleiner Nachteil: Wenn du die Bittiefe wechselst, startet das Gerät neu. Positiv ist, dass Sound Devices regelmäßig Updates liefert. Zum Zeitpunkt meines Tests lief Version 8.0. Beim Einschalten war der MixPre in meinem Test etwa eine halbe Sekunde schneller bereit als der F6. Per Bluetooth und der Wingman-App lässt er sich außerdem vom Smartphone aus steuern.

Als Audio-Interface im Studio

Ich nutze den MixPre-3 II hauptsächlich als Audio-Interface und nehme sogar meist in 24 Bit mit eingeschaltetem Hardware-Limiter auf. Am USB-C-Port meldet er sich als Interface mit bis zu sechs Eingängen und zwei Ausgängen, bis 96 kHz und auf Wunsch in 32-Bit-Float.

Der Grund für den 24-Bit-Betrieb sind die analogen Limiter. Die finde ich hervorragend, weil sie Spitzen abfangen, ohne das Rauschen hochzuziehen. Mein Shure SM7B betreibe ich mit 63 dB Gain und dem analogen Limiter und kann damit sehr entspannt aufnehmen. Analoge und digitale Limiter stehen in den 16- und 24-Bit-Modi zur Verfügung. Die Kopfhörerverstärker sind übrigens hervorragend und deutlich besser als beim Zoom F6. Sie liefern bis zu 300 mW pro Kanal, damit treibst du auch hochohmige Studiokopfhörer problemlos.

Klang im Vergleich mit Zoom F6 und Scarlett Solo

Im Vergleichstest lief das SM7B nacheinander am MixPre-3 II, am Zoom F6 und am Focusrite Scarlett Solo der dritten Generation. MixPre und F6 zeichneten dabei mit 96 kHz in 32-Bit-Float auf, das Scarlett lief mit 48 kHz und 24 Bit in Final Cut Pro, und zum Schluss gab es noch einen Rauschtest. Auf dem Papier ist die Sache klar: In meiner Gegenüberstellung hat der MixPre-3 II den größten Dynamikumfang (142 dB gegenüber 131 dB beim F6 und 111 dB beim Scarlett) und das niedrigste Eigenrauschen.

Im Hörvergleich war ich dann aber selbst überrascht. Der Unterschied ist vielleicht nicht ganz so groß, wie man erwarten würde. Sogar das Scarlett Solo ließ sich mit dem SM7B ohne vorgeschalteten Inline-Preamp praktisch benutzen, obwohl man oft hört, dass sein Gain dafür nicht reicht. Hör am besten selbst in die Tonspuren im Video rein. Mein Urteil zum MixPre lautet trotzdem: extrem guter Rekorder und extrem gutes Interface mit Referenz-Preamps. Beim SM7B hast du genug sauberen Gain und mit dem analogen Limiter noch eine Sicherheitsreserve. Der F6 bietet dafür mehr Eingänge und kostet deutlich weniger.

Akku und Stromversorgung

Die Akkulaufzeit ist die größte Schwäche. Mit vier Eneloops im mitgelieferten AA-Batterieansatz kam ich nur auf etwa eine halbe bis eine Stunde, das ist nicht so grandios. Meine klare Empfehlung lautet deshalb: Versorge das Gerät wirklich extern mit Strom. Über USB-C funktioniert auch eine Powerbank, im Lieferumfang ist außerdem ein Netzteil enthalten. Für den mobilen Einsatz bietet Sound Devices zusätzlich einen optionalen Sled für L-Mount-Akkus an.

Im Lieferumfang findest du neben dem Gerät den AA-Batterieschlitten MX-4AA, das Netzteil MX-PSU, ein USB-C-Kabel, den Anti-Rotations-Stift samt Inbusschlüssel und einen Schutzring für den Kopfhörerstecker. Gespeichert wird auf SD-Karten bis 512 GB. Als Ständer auf dem Schreibtisch nutze ich übrigens einen günstigen, faltbaren Neigekopf statt des teuren Originalzubehörs, und das reicht völlig.

Verarbeitung

Robustes, gummiertes Gehäuse und sehr hochwertige Potis. Abzüge gibt es für den fummeligen Batterieansatz, den SD-Schacht darunter und den wackeligen Inbusschlüssel.

Bedienung

Viele Optionen, regelmäßige Updates und ein schneller Start. Das kleine Touch-Display lädt aber zum Verklicken ein, der Ein-/Ausschalter nervt, und beim Wechsel der Bittiefe startet das Gerät neu.

Klang

Referenz-Preamps mit −130 dBV EIN, 142 dB Dynamik und hervorragenden analogen Limitern. Im direkten Hörvergleich war der Abstand zu F6 und Scarlett allerdings kleiner als erwartet.

Ausstattung

32-Bit-Float bis 192 kHz, 6-in/2-out-Interface, Timecode-Generator, USB-Stick-Backup und starke Kopfhörerverstärker. Es gibt aber nur drei XLR-Eingänge ohne Combo-Buchsen.

Akku

Mit vier AA-Akkus hielt er bei mir nur etwa 0,5 bis 1 Stunde durch. Netzteil, Powerbank oder ein optionaler L-Mount-Sled sind Pflicht.

Preis-Leistung

Er ist deutlich teurer als Einsteigergeräte, liefert aber Referenzklang und Profi-Funktionen. Für alle, die beste Qualität bei wenigen Kanälen suchen, ist er sein Geld absolut wert.

Der Sound Devices MixPre-3 II ist für mich ein extrem guter Rekorder und ein extrem gutes Interface mit Referenz-Preamps. Er bietet sehr rauscharme Kashmir-Preamps, 142 dB Dynamik, hervorragende analoge Limiter und Kopfhörerverstärker, die den Zoom F6 deutlich übertreffen. Im Alltag stören mich das kleine Touch-Display, der Ein-/Ausschalter und vor allem der Batteriebetrieb, denn ohne externe Stromversorgung ist er kaum sinnvoll mobil zu nutzen. Wenn du vor allem im Studio oder am Schreibtisch arbeitest und drei Eingänge reichen, bekommst du hier echte Profiqualität in kompaktem Format.

du kompromisslose Preamp-Qualität für bis zu drei XLR-Mikrofone suchst

du einen Rekorder suchst, der auch als hochwertiges USB-Interface am Rechner dient

du analoge Limiter und 24-Bit-Aufnahmen ebenso schätzt wie 32-Bit-Float

du das Gerät überwiegend mit Netzteil oder Powerbank betreibst

du mehr als drei Eingänge brauchst und ein deutlich günstigeres Gerät mit Farbdisplay und langer Akkulaufzeit suchst

du dieselbe Klasse mit vier XLR/Klinke-Combo-Eingängen willst

dir zwei Eingänge reichen und du einen winzigen, batteriesparenden Rekorder für unterwegs suchst

Sechs XLR-Eingänge, 32-Bit-Float, Farbdisplay und NP-F-Akkus zu einem deutlich niedrigeren Preis. Die Preamps sind gut, bei Dynamik, Limitern und Kopfhörerverstärker liegt der MixPre für mich aber vorne.

Der größere Bruder mit vier XLR/Klinke-Combo-Buchsen und mehr Spuren. Einen eigenen Test habe ich davon bisher nicht gemacht.

Winziger 2-Kanal-Rekorder in 32-Bit-Float mit denselben Preamps wie der F6. Er ist mobil und sparsam, hat aber kein Touch-Display, keine Limiter-Wahl und weniger Ausstattung.

Wenn du nur ein Interface für ein Mikrofon am Schreibtisch brauchst, ist das Scarlett Solo die sehr viel günstigere Lösung. Getestet habe ich im Vergleich allerdings die dritte Generation.

Reicht der Gain des MixPre-3 II für ein Shure SM7B?

Ja. Ich betreibe mein SM7B mit 63 dB Gain und analogem Limiter ohne zusätzlichen Vorverstärker, und es bleibt noch Reserve.

Wie lange halten die Batterien?

Mit vier Eneloops im AA-Schlitten kam ich nur auf etwa eine halbe bis eine Stunde. Für längere Aufnahmen solltest du ihn per Netzteil, Powerbank über USB-C oder einen optionalen L-Mount-Akku betreiben.

Kann der MixPre-3 II gleichzeitig auf SD und USB-Stick aufnehmen?

Nicht parallel. Er nimmt auf die SD-Karte auf und kopiert die Datei nach dem Stopp automatisch auf einen angeschlossenen USB-Stick.

Brauche ich 32-Bit-Float oder 24 Bit?

Beides geht. In 32-Bit-Float musst du nicht einpegeln, die Regler arbeiten dann nur als Fader. Ich nutze am Rechner oft 24 Bit mit dem analogen Limiter, der Spitzen sauber abfängt.

Wie viele Spuren nimmt der MixPre-3 II auf?

Standardmäßig fünf: drei Einzelspuren und einen Stereo-Mix. Mit dem kostenpflichtigen Plugin MixPre-3 II +2 werden es fünf Kanäle und sieben Spuren.

Was ist der Unterschied zum MixPre-6 II?

Der MixPre-6 II hat vier XLR/Klinke-Combo-Buchsen statt drei reiner XLR-Eingänge und nimmt mehr Spuren auf. Der MixPre-10 II bietet acht Combo-Eingänge.