Universal Audio Volt 1


Das Universal Audio Volt 1 ist das günstigste Interface von UA und verspricht für kleines Budget einen Hauch Studio-Legende: einen Vintage-Modus, MIDI-Anschlüsse und eine Haptik, die man in dieser Klasse selten findet. Ich habe es im direkten Vergleich mit dem Audient iD4 MKII, dem SSL 2 und dem Zoom UAC-232 getestet, und zwar mit dem Shure SM7B als Worst-Case-Mikrofon. Hier erfährst du, was das Volt 1 richtig gut macht und welche Funktionen ihm fehlen.

Einordnung und Testaufbau

Das Volt 1 ist ein Einkanal-Interface mit einem Eingang und zwei Ausgängen. Es spielt preislich in der Einsteigerklasse, ganz unten im Programm von Universal Audio. Für meinen Vergleich habe ich vier Interfaces ausgewählt, die meiner Meinung nach zu den preis-leistungsstärksten gehören, und alle unter denselben Bedingungen getestet.

Alle Aufnahmen liefen mit 24 Bit und 48 kHz, die Tonspuren sind komplett unbearbeitet. Ich habe nur die Lautstärke angepasst und am Ende einen Limiter darübergelegt, damit sehr laute Signale nicht übersteuern. Als Mikrofon diente das Shure SM7B, ein sehr leises dynamisches Mikrofon, das die Preamps richtig fordert. Als Kopfhörer kam der Beyerdynamic DT 770 Pro in der 250-Ohm-Variante zum Einsatz. So sehe ich direkt, ob die Preamps stark genug sind und ob ich mich im Kopfhörer noch laut genug hören kann.

Wichtig zu wissen: Das ist ein Praxisvergleich und keine Labormessung. Was am Ende an Qualität herauskommt, beschreibe ich so, wie ich es gehört habe. Gerade beim Rauschen und bei der Lautstärke im Kopfhörer gibt es zwischen den Geräten durchaus subjektive Unterschiede.

Anschlüsse und Stromversorgung

Auf der Rückseite gibt es für diesen günstigen Preis tatsächlich einen Ein-/Ausschalter, das finde ich sehr genial. Daneben sitzt der USB-C-Anschluss, über den das Volt 1 Daten überträgt und auch Strom bekommt. Liefert dieser Port nicht genug Strom oder nutzt du zum Beispiel ein iPad oder iPhone, gibt es zusätzlich eine Hohlstecker-Buchse. Das passende Kabel mit USB-Stecker auf der anderen Seite liegt bei. So kannst du das Interface über ein USB-Netzteil mit Strom und über USB-C mit Daten versorgen. Die Buchse erwartet 5 V Gleichspannung.

Außerdem findest du hinten MIDI In und MIDI Out als klassische fünfpolige DIN-Buchsen sowie die beiden Monitorausgänge für deine Lautsprecher. Auf der Vorderseite liegt der Combo-Eingang für XLR oder Klinke, an dem du Mikrofone, Line-Signale oder Instrumente anschließen kannst, und der Kopfhörerausgang mit 6,35-mm-Klinke.

Bedienung und Verarbeitung

Auf Bildern und im Video sieht das Volt 1 gar nicht so hochwertig aus wie im echten Leben. In der Hand fühlt es sich meiner Meinung nach relativ hochwertig an. Die Knöpfe fühlen sich alle sehr hochwertig an, und die Farbgebung finde ich sehr interessant und ansehnlich gemacht.

Vorn sitzt der Gain-Regler mit LED-Kette. Daneben findest du den Vintage-Schalter. Er verändert etwas die Frequenz und lässt den Ton anders klingen. Technisch ist er eine analoge Schaltung, die sich am Röhren-Preamp des UA-Pults 610 orientiert. Dazu kommen ein Instrument-Schalter, ein Schalter für die 48-V-Phantomspeisung und eine Direct-Monitoring-Taste.

Die Phantomspeisung ist schön umgesetzt. Die Taste blinkt, bis die Spannung anliegt, denn das Gerät schaltet die Ausgänge kurz leise, aktiviert den Strom und schaltet die Ausgänge dann wieder ein. So hast du keine lauten Knackgeräusche auf den Kopfhörern, und beim Ausschalten passiert dasselbe. Ganz rechts liegen die Regler für die Monitorlautstärke und die Kopfhörerlautstärke, ergänzt durch eine kleine Pegelanzeige für die Ausgangslautstärke. Auch diese Regler fühlen sich sehr hochwertig an.

Praxistest mit dem Shure SM7B

Beim SM7B dauert es, bis man sich hört, du musst es richtig nach oben pegeln. Ich habe den Gain voll aufgedreht und den Kopfhörerausgang ebenfalls. Die Gain-Anzeige wird beim Sprechen orange. Rot, also das Zeichen für Übersteuerung, bekomme ich mit dem SM7B nicht hin. Die Anzeige finde ich trotzdem gut, und die Ausgangs-Pegelanzeige verhält sich relativ analog dazu.

Im Kopfhörer höre ich ein ganz leises Rauschen, aber wirklich nicht besonders laut. Die Kopfhörerlautstärke mit dem verstärkten Signal des SM7B ist okay. Sie ist ausreichend laut, aber nicht unfassbar laut. Ich würde sie als ausreichend bezeichnen.

Im Vergleich der vier Interfaces war das Audient iD4 MKII im Kopfhörer ein kleines bisschen lauter, dafür habe ich dort ein lauteres Hintergrundrauschen gehört als beim Volt 1. Am leisesten gerauscht hat für mich das SSL 2. Bei den Kopfhörerausgängen hat keines der vier Geräte versagt, das SSL 2 und das Zoom UAC-232 waren aber noch etwas besser als das Volt 1 und das iD4 MKII.

Denk daran, dass das SM7B ein echtes Worst-Case-Mikrofon ist. Mit dynamischen Mikrofonen, die mehr Ausgangspegel liefern, oder mit Kondensatormikrofonen spielt die Verstärkung der Preamps kaum noch eine Rolle, dann geht es vor allem um das Klangbild.

Was dem Volt 1 fehlt

Ansonsten ist das Volt 1 wirklich ziemlich gut verarbeitet. Zwei Funktionen fehlen aber, die gerade für Streamer und Podcaster wichtig sein können. Erstens gibt es keine Mix-Funktion. Es gibt also keinen Regler, mit dem du einstellst, wie viel du vom Mikrofon und wie viel vom Computer im Kopfhörer hörst. Du kannst Direct Monitoring nur ein- oder ausschalten.

Zweitens gibt es keine Loopback-Funktion. Du kannst den Ton vom Rechner also nicht zusätzlich auf einem eigenen, auch virtuellen Kanal über das Interface aufzeichnen. In dem Moment nimmst du nur den Eingang des Volt 1 auf. Willst du zum Beispiel Spielesound oder einen Gesprächspartner aus dem Rechner mit in den Stream holen, brauchst du dafür eine Software-Lösung oder ein anderes Interface.

Das SSL 2 hat im Vergleich eine sehr gute Loopback-Umsetzung mit zwei separaten Kanälen für den Computerton. Das iD4 MKII und das UAC-232 bieten zumindest einen Monitor-Mix bzw. eine gemischte Loopback-Spur. Wenn du nur ein Mikrofon oder ein Instrument aufnimmst und dir das reicht, vermisst du diese Funktionen aber nicht.

Technische Daten eingeordnet

Der Mikrofoneingang bietet 55 dB Gain, ein äquivalentes Eingangsrauschen von −127 dBu (A-bewertet) und einen Dynamikumfang von 112 dB (A-bewertet). Gewandelt wird mit 24 Bit, wahlweise mit 44,1, 48, 88,2, 96, 176,4 oder 192 kHz. Für Sprachaufnahmen brauchst du ehrlich gesagt nicht viel mehr als 24 Bit und 48 kHz. Das ist für mich der Standard, den jedes Interface heute schaffen sollte. Das iD4 MKII kommt auf 58 dB Gain, das aktuelle SSL 2 MKII auf 64 dB. Beim reinen Gain liegt das Volt 1 in diesem Feld also eher hinten.

Für mich sind Eigenrauschen und Dynamikumfang aber wichtiger als der reine Gain-Wert. Ein hoher Dynamikumfang bedeutet, dass du eine etwas leiser ausgepegelte Spur in der Nachbearbeitung anheben kannst, ohne dass das Rauschen stark mitwächst. Und genau beim Rauschen hat mich das Volt 1 im Praxistest positiv überrascht.

Der Kopfhörerausgang liefert bis zu 84 mW pro Kanal an 32 Ohm, an 300 Ohm sind es noch 22 mW. Das passt zu meinem Eindruck, dass es mit dem hochohmigen DT 770 Pro und dem leisen SM7B ausreichend, aber nicht übermäßig laut wird. Mit niederohmigen Kopfhörern hast du mehr Reserven.

Verarbeitung

Sehr hochwertige Knöpfe und Regler, ansprechende Optik, Ein-/Ausschalter auf der Rückseite.

Bedienung

Klare Bedienung mit LED-Gain-Anzeige und durchdachter Phantomspeisung. Es fehlt ein Mix-Regler zwischen Mikrofon und Computer.

Klang

Nur ein ganz leises Grundrauschen mit dem SM7B, dazu der Vintage-Modus als Klangfarbe. Mit 55 dB Gain musst du leise Mikrofone voll aufdrehen.

Ausstattung

MIDI In/Out, Vintage-Modus, bis 192 kHz und optionale 5-V-Versorgung. Es gibt kein Loopback, keinen Monitor-Mix und nur einen Kopfhörerausgang.

Akku

Kein Akku. Strom kommt per USB-C oder über die 5-V-Hohlstecker-Buchse mit dem mitgelieferten USB-Kabel.

Preis-Leistung

Viel Verarbeitungsqualität und wenig Rauschen für einen niedrigen Preis, aber weniger Funktionen als manche Konkurrenten.

Das Universal Audio Volt 1 ist ein hochwertig verarbeitetes Einkanal-Interface mit wenig Rauschen, Vintage-Modus und für diese Preisklasse ungewöhnlichen Extras wie Ein-/Ausschalter und MIDI-Anschlüssen. Mit dem SM7B kam ich bei vollem Gain auf eine ausreichende Lautstärke und hörte nur ein ganz leises Rauschen. Wer Loopback oder einen Monitor-Mix zwischen Mikrofon und Computer braucht, sollte aber zu einer Alternative greifen. Wenn du nur ein Mikrofon oder ein Instrument aufnimmst und Wert auf Haptik legst, ist es eine sehr gute Wahl.

du ein Mikrofon oder ein Instrument aufnimmst und keinen Loopback brauchst

dir eine hochwertige Haptik und ein Ein-/Ausschalter wichtig sind

du MIDI-Geräte ohne zusätzliches Interface anschließen möchtest

du den Vintage-Modus als analoge Klangfarbe ausprobieren willst

du einen Monitor-Mix-Regler und zwei Kopfhörerausgänge willst

du zwei Eingänge und einen sehr guten Loopback für Streams brauchst

du nie mehr einpegeln willst und 32-Bit-Float nutzen möchtest

Ähnlich teuer, mit Monitor-Mix-Regler, zwei Kopfhörerausgängen, ScrollControl und 58 dB Gain. Im Vergleich war es im Kopfhörer etwas lauter, hat dabei aber etwas mehr gerauscht.

Aktuelle Version des SSL 2 mit zwei Eingängen und 64 dB Gain. Den Vorgänger SSL 2 fand ich im Vergleich am rauschärmsten und mit dem besten Loopback, die Taster wirkten aber billig.

Zwei Eingänge, 32-Bit-Float und ein sehr kräftiger Kopfhörerausgang. Der Gain lässt sich nur per Software einstellen, und die Software ist schwach.

Kompaktes Einkanal-Interface aus Metall mit einem sehr starken Kopfhörerverstärker. Es geht nur bis 96 kHz und hat weder MIDI noch Vintage-Modus.

Reicht das Volt 1 für das Shure SM7B?

In meinem Test ja, aber nur mit voll aufgedrehtem Gain. Die Lautstärke im Kopfhörer war ausreichend, das Rauschen nur ganz leise.

Hat das Volt 1 eine Loopback-Funktion?

Nein. Den Ton vom Computer kannst du nicht über das Interface auf einem eigenen Kanal mitaufnehmen. Einen Mix-Regler zwischen Mikrofon und Computer gibt es ebenfalls nicht.

Was macht der Vintage-Modus?

Er verändert den Frequenzgang und lässt den Ton anders klingen. Technisch ist er eine analoge Schaltung, inspiriert vom Röhren-Preamp des UA-Pults 610.

Funktioniert das Volt 1 am iPad oder iPhone?

Ja. Falls das Gerät nicht genug Strom liefert, versorgst du das Volt 1 über die 5-V-Hohlstecker-Buchse und das mitgelieferte USB-Kabel extra mit Strom.

Eignet sich das Volt 1 zum Streamen?

Für ein Mikrofon im Stream ja. Weil Loopback und Monitor-Mix fehlen, musst du Computerton wie Spielesound oder Gesprächspartner aber per Software in den Stream holen. Brauchst du das direkt am Gerät, sind das SSL 2 MKII oder unter Windows der Mackie MainStream mit seiner Matrix-Software die bessere Wahl.

Hat das Volt 1 MIDI?

Ja, MIDI In und MIDI Out als fünfpolige DIN-Buchsen auf der Rückseite.