
Solides, sehr gut verarbeitetes Großmembran-Kondensatormikrofon mit offenem Klang. Ein zuverlässiger Allrounder für Home-Studio, Gesang und Instrumente.
- TypGroßmembran-Kondensator
- RichtcharakteristikNiere
- AnschlussXLR
- Max. SPL137 dB
- Eigenrauschen9 dB(A)
Auf einen Blick
Vorteile
- Hochwertige Verarbeitung, robustes Ganzmetallgehäuse
- Niedriges Eigenrauschen (9 dB(A)) und hoher Max-SPL
- Ausgewogener, offener Klang mit gutem Attack
- Pad- und Low-Cut-Schalter, Koffer und Spinne inklusive
Nachteile
- Nur Nierencharakteristik (kein Multi-Pattern)
- Kein Windschutz im Lieferumfang – Plosive können stören
- Titan-Vorteil in der Praxis nur subtil hörbar
Technische Daten
| Hersteller | sE Electronics |
|---|---|
| Preisklasse | mittel |
| Typ | Großmembran-Kondensator |
| Richtcharakteristik | Niere |
| Anschluss | XLR |
| Frequenzbereich | 20 Hz – 20 kHz |
| Empfindlichkeit | 25 mV/Pa |
| Eigenrauschen | 9 dB(A) |
| Max. Schalldruckpegel | 137 dB SPL |
| 32-Bit-Float | ✗ |
| Gewicht | 290 g |
| Abmessungen | 58 × 29 × 146 mm |
Das Video zum Test
Das sE Electronics T1 ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit einer Besonderheit: Seine Kapsel ist nicht wie üblich mit Gold, sondern mit Titan beschichtet. Das soll ein schnelleres Einschwingverhalten und einen klaren, offenen Klang bringen. Ich habe das T1 am Zoom F6 getestet und mit dem Røde NT1, dem Lewitt LCT 440 Pure und dem Shure SM7B verglichen. Hier erfährst du, was die Titan-Kapsel in der Praxis bringt, wie das Mikrofon verarbeitet ist und für wen es sich lohnt.
Die Titan-Kapsel
Das T1 ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit XLR-Anschluss und braucht daher 48 Volt Phantomspeisung. Ausgestattet ist es mit einer handgefertigten 1-Zoll-Echtkondensator-Kapsel. Das ist noch nicht so ungewöhnlich, aber diese Kapsel ist mit Titan beschichtet. Üblicherweise werden andere Metalle verwendet, vor allem Gold.
Titan ist 33 % steifer und mehr als 300 % leichter als Gold, was zu einem schnelleren Einschwingverhalten führen soll. Gerade die Vorteile, die Kleinmembran-Kondensatormikrofone haben, nämlich bestimmte Geräusche und Instrumente etwas realer wiederzugeben als Großmembranmikrofone, könnten damit auch hier zum Tragen kommen. Interessant ist das vor allem für Percussion, Drums und Instrumente mit klarem Attack.
Wie groß ist der Unterschied in der Praxis? Zwischen Titan und Gold kann man bei der Stimme akustisch keine großen Unterschiede feststellen. Er ist eher subtil und zeigt sich, wenn überhaupt, eher bei Instrumenten oder später in der Nachbearbeitung. Nicht für jeden ist dieser Vorteil hörbar.
Technische Daten und die sE-Familie
Die Richtcharakteristik ist eine feste Niere. Das Mikrofon nimmt hauptsächlich von vorn auf, bewege ich mich ein wenig, bleibt die Lautstärke ungefähr gleich, und zur Seite wird es deutlich leiser. Der Frequenzgang reicht von 20 bis 20.000 Hz und ist ziemlich linear. Nur bei den Höhen ab etwa 6.000 bis 7.000 Hz und mit Peaks zwischen etwa 10.000 und 14.000 Hz ist er leicht angehoben, aber nichts Anstrengendes.
Das Eigenrauschen beträgt 9 dB(A). Das T1 ist nicht das leiseste Großmembranmikrofon, liegt aber absolut im Bereich dessen, was auch wesentlich teurere Mikrofone leisten. Die Empfindlichkeit liegt bei 25 mV/Pa. Der maximale Schalldruckpegel liegt bei 137 dB, mit dem Pad-Schalter für −10 oder −20 dB kommst du auf 147 oder 157 dB. Dazu gibt es einen schaltbaren Low-Cut bei 80 und 160 Hz. Das Mikrofon selbst wiegt 290 g, mit Spinne sind es 515 g. Das ist der Wert, der für Mikrofonarme ausschlaggebend ist. Die Maße betragen 146 × 58 × 29 mm.
Das T1 ist die Nieren-Version des T2. Das T2 ist fast baugleich, bietet neben der Niere aber auch Kugel, Hyperniere und Acht. Das sE4100 entspricht dem T1, hat aber eine vergoldete Kapsel. Das sE4400 ist entsprechend das Gegenstück zum T2 mit Goldkapsel und umschaltbaren Richtcharakteristiken. Alle Varianten gibt es auch als aufeinander abgestimmte Stereo-Paare.
Verarbeitung, Spinne und Lieferumfang
Im Lieferumfang sind die Spinne SH21 mit Adapter und ein Metallkoffer, in dem du Mikrofon und Spinne verstauen kannst. Das Mikrofon ist robust verarbeitet und komplett aus Metall gefertigt. Wenn man draufdrückt, gibt nichts nach, alles wirkt sehr stabil und hochwertig. Die Schalter für Pad und Low-Cut sitzen gut erreichbar und fühlen sich wertig an.
Die Spinne finde ich relativ interessant. Sie erlaubt, sehr nah von vorn ans Mikrofon heranzukommen, was gerade für Gitarrenverstärker und Instrumente spannend ist. Außerdem nimmt das Mikrofon mit Spinne in der Tiefe wenig Platz weg. Die Breite ist eher normal, aber im Profil sieht man, wie kompakt das Ganze ist. Neben dem NT1 mit seiner Spinne und dem großen Popschutz ist das T1 wesentlich kompakter.
Was mir nicht so gefällt: Die Spinne wird in Schwarz geliefert, während das Mikrofon in dieser metallischen, fast schon titanfarbenen Optik daherkommt. Da hätte die Spinne gern auch metallisch sein können. Und statt des Koffers würde ich mir im Lieferumfang lieber einen Windschutz oder Popfilter wünschen. Der Koffer mag für viele schön sein, aber wenn du viele Mikrofone hast und überall Koffer herumstehen, finde ich das nicht so praktisch.
Körperschall, Richtwirkung und Plosivlaute
Aufgenommen habe ich die ganze Zeit direkt am Zoom F6 mit 48 kHz und 32-Bit-Float. Die Tonspur ist unverändert, ich habe nur die Lautstärke angepasst und einen Limiter darübergelegt. Gesprochen habe ich meist von der Seite aus etwa 8 cm.
Klopfe ich auf das Mikrofon, ist das am Körper nicht ganz so laut, oben auf dem Gitter aber wirklich sehr laut. In der Spinne hängend werden Klopfgeräusche auf Tischstativ und Schreibtisch abgemildert, aber wie bei Kondensatormikrofonen üblich trotzdem relativ stark übertragen. Beim Drehtest ist das Mikrofon direkt von hinten am leisesten. Spreche ich nicht ganz frontal hinein, gibt die Niere etwas mehr nach, als man vielleicht erwartet.
Einen Windschutz habe ich zunächst nicht benutzt, sondern seitlich hineingesprochen. Dann gehen die Luftströme vorbei. Spreche ich direkt hinein, sind Plosivlaute extrem hörbar, und das Mikrofon übersteuert schnell. Ein vorgeklemmter Nylon-Popschutz reicht aus etwa 10 cm Abstand schon aus. Ein Schaumstoff-Windschutz von einem anderen Mikrofon, den ich darübergestülpt habe, half nur ein bisschen. Zwischen Kapsel und Windschutz sollte etwas Abstand sein, damit wirklich kein Wind mehr auf der Kapsel ankommt.
Sprechabstand, Pad und Low-Cut im Test
Direkt am Mikrofon, aus 1 bis 2 cm, wird es sehr laut. Aus etwa 8 bis 10 cm finde ich den Abstand relativ gut. Ich habe außerdem 30 cm, 50 cm und einen Meter ausprobiert. Viel größer als 50 cm sollte der Abstand bei Stimmen nicht sein. Weiter weg bleibt es brauchbar, verliert aber an Nähe und Detail. Bei vielen Mittelklasse-Kondensatormikrofonen ist übrigens die Umgebung lauter als das Eigenrauschen des Mikrofons selbst. Den Rauschtest habe ich trotzdem gemacht.
Das Pad schaltet −10 und −20 dB dazu, das klingt dann einfach leiser und ist für sehr laute Quellen gedacht. Spannender ist der Low-Cut. Die schwächere und die stärkere Stufe nehmen die Tiefen relativ sanft zurück, über meine Kopfhörer hört man das gar nicht so extrem. Schalte ich zurück auf Null, merke ich aber doch, wie die Tiefen wiederkommen. Sinnvoll ist das bei tiefen Umgebungsgeräuschen, bei Instrumenten oder wenn Bewegungen des Mikrofons Rumpeln erzeugen. Auch wenn der Nahbesprechungseffekt zu viel Bass mitbringt, hilft die 160-Hz-Stufe. So minderst du solche Störgeräusche schon an der Hardware.
Klang und Vergleich mit NT1, Lewitt und SM7B
Das Klangbild finde ich ausgewogen und relativ neutral, mit leicht angehobenen Höhen. Das haben viele aktuelle Mikrofone, aber hier gefällt es mir, weil die S-Laute nicht so stark mit angehoben werden. Die Höhenanhebung beginnt erst etwas darüber. Kein Frequenzbereich klingt harsch oder überbetont, eher natürlich und sanft. Das gilt auch für Sprachanwendungen.
Im Vergleich, jeweils seitlich aus etwa 10 cm besprochen, ist das Røde NT1 ebenfalls ein Großmembran-Kondensatormikrofon. Beide sind ein wenig flacher und neutraler abgestimmt als das Lewitt LCT 440 Pure, das relativ hell klingt und die Höhen stärker anhebt. Gegenüber dem NT1 hat das T1 für mich etwas mehr Präsenz und Charakter. Das Shure SM7B habe ich als Referenz dazugenommen. Technisch ist es als sehr leises dynamisches Mikrofon völlig anders, braucht deutlich mehr Gain und nimmt weniger Raum auf, aber viele kennen seinen Ton.
Das T1 ist extrem vielseitig einsetzbar, für Stimme, für Instrumente und gerade durch die Titan-Kapsel auch für Schlagzeug. Wer aber vor allem Sprache in einem unbehandelten Raum aufnimmt, ist mit einem dynamischen Mikrofon wie dem SM7B oft besser bedient, denn als Großmembran-Kondensatormikrofon reagiert das T1 empfindlich auf Raumreflexionen.
Fazit: sE Electronics T1
Sehr gutDas sE Electronics T1 ist ein solides, sehr gut verarbeitetes Großmembran-Kondensatormikrofon mit ausgewogenem, offenem Klang und dezent angehobenen Höhen, die nie harsch werden. Die Titan-Kapsel ist technisch interessant, ihr Vorteil gegenüber Gold ist bei der Stimme aber eher subtil. Pad, Low-Cut und die kompakte Spinne sind echte Pluspunkte, gerade bei Instrumenten. Ein Popfilter fehlt leider im Lieferumfang, und wer mehrere Richtcharakteristiken braucht, greift besser zum T2. Wenn du einen vielseitigen Allrounder für Home-Studio, Gesang und Instrumente suchst und mit der Niere auskommst, machst du mit dem T1 eine gute Wahl.
Kaufen, wenn …
- du ein vielseitiges Kondensatormikrofon für Stimme und Instrumente suchst
- du Pad und Low-Cut direkt am Mikrofon haben willst
- du Wert auf eine robuste Ganzmetall-Bauweise legst
- du in einem halbwegs behandelten Raum aufnimmst
Lieber eine Alternative, wenn …
- du für weniger Geld noch rauschärmer aufnehmen und auch USB-C nutzen willst Røde NT1 5th Generation
- du vor allem Sprache in einem unbehandelten Raum aufnimmst Shure SM7B
Preise prüfen
Alternativen zum sE Electronics T1
Røde NT1 5th Generation
Note 8,8 von 10
Großmembran-Kondensatormikrofon mit nur 4 dB(A) Eigenrauschen, Popschutz und Kabeln im Lieferumfang, zusätzlich mit USB-C und 32-Bit-Float. Es ist etwas flacher abgestimmt und günstiger, hat aber kein Pad und keinen Low-Cut-Schalter.
Shure SM7B
Note 8,9 von 10
Dynamisches Broadcast-Mikrofon, das deutlich weniger Raum aufnimmt und für Sprache in unbehandelten Räumen oft praktischer ist. Es braucht aber viel Gain.
Sennheiser MKH 8050
Note 9,4 von 10
Kleinmembran-Kondensatormikrofon mit Superniere, sehr detailreich und für Stimme wie Instrumente geeignet, in einer deutlich höheren Preisklasse. Es ist sehr empfindlich gegenüber Wind und Körperschall.
Häufige Fragen zum sE Electronics T1
Was bringt die Titan-Kapsel?
Sie soll schneller einschwingen. Bei der Stimme ist der Unterschied zu Gold aber eher subtil, eher merkt man ihn bei Instrumenten mit klarem Attack.
Was ist der Unterschied zum T2?
Das T2 ist fast baugleich, bietet aber zusätzlich Kugel, Hyperniere und Acht. Das T1 hat nur die Niere.
Ist ein Popfilter dabei?
Nein, nur Spinne und Koffer. Für Sprache aus der Nähe solltest du einen Nylon-Popschutz dazukaufen.
Welche Schalter hat das T1?
Ein Pad mit −10 und −20 dB und einen Low-Cut bei 80 und 160 Hz.
Braucht es Phantomspeisung?
Ja, 48 Volt über XLR, wie jedes Kondensatormikrofon.
Wie schwer ist es?
Das Mikrofon wiegt 290 g, mit Spinne sind es 515 g. Das ist für die Wahl eines Mikrofonarms wichtig.
Quellen (3)
Eigene Tests und Beiträge
- YouTube-Video „SE Electronics T1 im Test 🎙️ Was bringt die Titan-Kapsel?“, Kanal Alexan Der, 15.09.2024 (Transkript über automatische Untertitel)
- Blogbeitrag vom 12.10.2026 mit Datentabelle (Low-Cut 80/160 Hz, 290 g, Lieferumfang), Vergleich und Vor-/Nachteilen; hat bei Widersprüchen Vorrang vor dem Video
Hersteller, Shops und Fremdtests


