Das Shure SM7B ist vermutlich das bekannteste dynamische Mikrofon für Podcaster, Streamer und YouTuber, und in meinen Videos taucht es praktisch ständig auf. Ich habe es ausführlich getestet und mit dem Røde Procaster und dem Røde PodMic verglichen. Seitdem musste es an fast jedem Interface, Rekorder und Mixer zeigen, wie viel Gain es wirklich braucht. Hier erfährst du, warum es für mich trotz seines Preises der Gewinner ist und worauf du beim Zubehör achten musst.
Ein Mikrofon mit Geschichte
Das SM7B ist ein dynamisches Großmembranmikrofon und gehört damit in die Klasse der typischen Podcast-Mikrofone. Es hat einen XLR-Anschluss, der etwas unüblich unten sitzt, und braucht keine Phantomspeisung. Dynamische Mikrofone brauchen die nie. Du brauchst also nur ein Gerät zum Aufzeichnen, das ordentlich Gain hat. Prädestiniert ist es für Podcaster, aber auch viele Sänger nutzen es, gerade in Homestudios.
Die Geschichte ist beeindruckend. Mit der Urversion SM7 von 1973 wurden Alben wie Thriller von Michael Jackson aufgenommen. Das SM7A kam 1999 mit besserem Schutz gegen Brummen und einer leicht verbesserten Halterung. Das SM7B gibt es seit 2001, es bringt zusätzlich einen zweiten, dickeren Poppschutz mit. Die Grundstruktur und die Kapsel sind seitdem im Grunde gleich geblieben. Verbaut ist eine Kapsel aus der Unidyne-III-Familie, die es seit etwa 1960 gibt und die auch im SM58 und SM57 steckt.
Ich gebe offen zu: Ein bisschen ist das SM7B auch ein Prestige-Objekt. Ich war nie ein Fan und lasse mich von solchen Dingen eigentlich nicht anstecken. Vor dem SM7B hatte ich das PodMic, davor den Procaster. Das SM7B hat diese Mikrofone bei mir aber abgelöst. Preislich liegt es in der Mittelklasse, etwa doppelt so teuer wie ein komplett ausgestatteter Procaster.
Klang und Richtcharakteristik
Das SM7B überträgt 50 bis 20.000 Hz und hat eine Nierencharakteristik. Spreche ich leicht von der Seite hinein, höre ich mich immer noch sehr gut. Direkt von der Seite oder von hinten wird es drastisch leiser. Ich finde es sehr praktisch, dass ich mich nicht immer exakt vor dem Mikrofon positionieren muss.
Der Klang ist das Besondere an diesem Mikrofon. Er ist relativ sanft, nicht zu spitz und nicht zu hart. Die Tiefen kommen sehr gut rüber, die Höhen sind mittel, die Mitten etwas gedämpft. Zischlaute, für die du sonst in der Nachbearbeitung einen De-Esser brauchst, nimmt es von Natur aus gar nicht so stark auf. Der Klang ist also nicht komplett ausgewogen und linear, und es ist auch nicht das neutralste dynamische Mikrofon. Aber genau diesen historisch gewachsenen Klang finde ich richtig gut.
Im Test habe ich mit dem Zoom F6 aufgenommen und in der Nachbearbeitung nur einen Limiter und einen ganz leichten Kompressor verwendet, keinen Equalizer. So wie du es hörst, klingt das Mikrofon also tatsächlich. Den Raumhall nimmt es als dynamisches Mikrofon nur wenig auf. Außerdem ist es gut gegen Handystrahlung und WLAN abgeschirmt. Selbst mit dem Smartphone direkt daneben habe ich keine Störgeräusche gehört.
Schalter, Poppschutz und Sprechabstand
Hinten sitzen unter einer verschraubten Abdeckung zwei Schalter: ein Mid-Boost, der die oberen Mitten anhebt und die Stimme etwas verständlicher macht, und ein Bass-Roll-off, der Rumpelgeräusche wie Straßenlärm oder Trittschall abschwächt. Ich selbst nutze beide nie, denn gerade der originale Frequenzgang mit den Tiefen ist der Sound, den man an diesem Mikrofon mag. Deshalb habe ich die Abdeckung normalerweise immer drauf.
Den einfachen Poppschutz finde ich völlig ausreichend, der dickere zweite liegt zusätzlich bei. Ohne Poppschutz ist der Klang sogar etwas klarer und deutlicher. Wenn du gut sprechen kannst und seitlich vorbeisprichst, geht das ohne Windgeräusche. Ich lasse ihn trotzdem drauf.
Der einzige Fehler, den du mit dem SM7B machen kannst, ist zu weit wegzugehen. Bei etwa 10 cm klingt es super, bei 20 cm geht es noch, bei 50 cm oder einem Meter solltest du es niemals nutzen. Am besten sprichst du direkt von vorn oder noch besser leicht seitlich, mit etwa 5 cm Abstand. Als Toleranz würde ich dem Mikrofon 3 bis 15 cm geben. Weil man dabei kaum etwas falsch machen kann, ist es für mich auch das beste Anfängermikrofon.
Bauweise, Halterung und Kabelführung
Richtig besonders ist die Körperschall-Dämpfung. Klopfe ich auf den Fuß oder auf den Schreibtisch, kommt davon kaum etwas an, weil die Kapsel schwingend gelagert ist. Du brauchst also keine Spinne. Auch wenn ich das Mikrofon während der Aufnahme im Winkel verstelle, taucht das bei vorsichtiger Bewegung nicht mehr auf der Tonspur auf. Da ist die Konkurrenz meiner Meinung nach noch nicht ganz aufgeschlossen.
Die legendäre Bügelhalterung hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert. Mit zwei seitlichen Schrauben stellst du ein, wie leicht sich das Mikrofon bewegen lässt, unten gibt es ein normales Stativgewinde. Was Positionierung, Drehen, den XLR-Anschluss unten und die Haptik angeht, kenne ich kein praktischer gestaltetes Mikrofon. Der Körper ist wie ein Griff, und keines meiner anderen Mikrofone hat diese einmalige Haptik. Mit 766 g ist es für seine Größe relativ leicht.
Einen Kritikpunkt habe ich: Das Kabel vom XLR-Anschluss zur Kapsel läuft außen in einem relativ starken Bogen. Weil ich das SM7B am Røde PSA1 seitlich hängen habe, habe ich es immer im Blickfeld. Deshalb habe ich ein Klettband angebracht, das den Bogen etwas auffängt. Das könnte man heute sicher eleganter in der Halterung verlegen.
Wie viel Gain braucht das SM7B?
Das größte Problemchen ist die Empfindlichkeit. Mit −59 dB bzw. 1,12 mV/Pa ist das SM7B sehr leise, du musst das Signal also stark verstärken. Hat dein Interface oder Rekorder wenig Gain und rauscht relativ stark, hast du am Ende auch Rauschen auf der Spur. Inzwischen habe ich das SM7B an vielen Geräten ausprobiert. Mein Erfahrungswert liegt bei etwa 60 dB Gain für eine gute Lautstärke im normalen Sprechabstand.
Am RØDECaster Pro II stellt das Preset 55 dB ein, ich habe auf 60 dB erhöht. Am Mackie DLZ Creator hat der Assistent 58 dB gewählt. Am Mackie MainStream mit maximal 60 dB reicht es dagegen oft nicht. Dort musst du sehr nah herangehen oder einen FetHead dazwischenschalten, und ich würde mir mindestens 65 dB wünschen. Und im Vergleich günstiger Einsteiger-Interfaces liefen Focusrite Scarlett Solo, Audient iD4 und Røde AI-1 alle ohne Vorverstärker, das AI-1 habe ich so sogar für Voice-overs genutzt. Beim Scarlett Solo war allerdings der Kopfhörerverstärker zu schwach, um mich gut selbst zu hören.
Ein Inline-Vorverstärker wie der FetHead oder Cloudlifter verstärkt das Signal um weitere 15 bis 20 dB. Das kann bei einem schwächeren Rekorder oder Interface sinnvoll sein, mit einem guten Gerät brauchst du ihn meist nicht. Im Interface-Vergleich habe ich mit und ohne FetHead kaum Unterschiede gehört, und der FetHead hat bei manchen Kombinationen sogar ein leises Brummen verursacht. Er braucht außerdem Phantomspeisung.
Im Vergleich mit Procaster und PodMic
Der Røde Procaster ist ebenfalls ein dynamisches Großmembranmikrofon und kostet komplett mit Spinne und Windschutz etwa die Hälfte. Er ist noch unempfindlicher gegenüber Umgebungsgeräuschen, braucht dafür aber eine Spinne, weil er Klopfgeräusche relativ stark überträgt. Seinen Klang finde ich hammer: sehr linear, mit enorm hoher Deutlichkeit, manchmal fast zu deutlich. Er braucht weniger Gain als das SM7B. Preis-leistungsmäßig ist er mein Sieger, Schmatzgeräusche hört man bei ihm aber wesentlich deutlicher.
Das Røde PodMic ist das günstigste der drei. Es ist ähnlich gebaut, das XLR-Kabel kommt aber direkt von außen. Es ist auf Sprache optimiert, mit einer Art eingebautem Mid-Boost, filtert Umgebungsgeräusche nicht so gut heraus, nimmt mehr Raumhall auf und überträgt Klopfgeräusche deutlich stärker. Ich finde es gar nicht so schlecht und einfach zu besprechen, bei meiner Stimme gefällt mir der Klang aber nicht so sehr.
Das SM7B ist das teuerste der drei. Wegen der Natürlichkeit und Tiefe der Stimme, diesem Broadcast- und Radio-Sound und wegen des Gesamtpakets, das man gerne anfasst und in das man gerne hineinspricht, ist es für mich persönlich trotzdem der Gewinner. Die anderen beiden haben aber absolut ihre Berechtigung und ihre Fans.
Verarbeitung
Robust, mit legendärer Bügelhalterung und einmaliger Haptik. Das außen geführte Kabel läuft in einem unschönen Bogen.
Bedienung
Sehr gutmütig zu besprechen, Körperschall wird ohne Spinne gedämpft, und Schalter für Bass-Roll-off und Mid-Boost sind vorhanden.
Klang
Warmer, sanfter Broadcast-Klang mit kräftigen Tiefen und wenig Zischlauten. Er ist nicht neutral, aber sehr angenehm.
Ausstattung
Zwei Poppschutze und die Halterung sind dabei. Interface oder Rekorder müssen viel Gain liefern.
Vielseitigkeit
Ideal für Podcast, Stream, Voice-over und Gesang im Homestudio, auch in nicht perfekten Räumen. Für größere Sprechabstände ist es ungeeignet.
Preis-Leistung
Etwa doppelt so teuer wie ein Procaster, bietet dafür aber Klang, Haptik und ein langlebiges Gesamtpaket.
Das Shure SM7B ist ein legendäres Broadcast- und Gesangsmikrofon mit warmem, sanftem Klang, hervorragender Unterdrückung von Körperschall und Umgebungsgeräuschen und einer Haptik, die ich bei keinem anderen Mikrofon kenne. Man kann beim Besprechen kaum etwas falsch machen, solange man nah genug dran bleibt. Der Haken ist der hohe Gain-Bedarf: Plane ein Interface oder einen Rekorder mit reichlich sauberem Gain ein, eher mehr als 60 dB, oder einen FetHead. Wenn du ein Mikrofon für Podcast, Stream oder Voice-over suchst, das dich jahrelang begleitet, ist es eine sehr gute Wahl.
du einen warmen Broadcast-Sound für Podcast, Stream oder Voice-over suchst
du in einem nicht optimal behandelten Raum aufnimmst
du ein Interface oder einen Rekorder mit reichlich sauberem Gain hast
du ein unkompliziertes Mikrofon willst, bei dem du kaum etwas falsch machen kannst
du etwa die Hälfte ausgeben willst und einen sehr linearen, deutlichen Klang bevorzugst
dein Budget noch kleiner ist und dir ein einfaches Podcast-Mikrofon reicht
Dynamisches Großmembranmikrofon für etwa die Hälfte, noch unempfindlicher gegenüber Umgebungsgeräuschen und mit weniger Gain-Bedarf. Es braucht aber eine Spinne, und Schmatzgeräusche sind deutlicher zu hören. Preis-leistungsmäßig mein Sieger im Vergleich.
Günstigstes Mikrofon im Vergleich, ähnlich gebaut und auf Sprache abgestimmt. Es nimmt mehr Raum und Klopfgeräusche auf und gefiel mir klanglich bei meiner Stimme nicht so sehr.
Der Bühnenklassiker mit derselben Kapsel-Familie zu einem Bruchteil des Preises. Er ist unverwüstlich und auch für Sprache gut, etwas empfindlicher beim Abstand und ohne die SM7B-Halterung.
Braucht das SM7B Phantomspeisung?
Nein, es ist ein dynamisches Mikrofon. Nur ein Inline-Vorverstärker wie der FetHead braucht Phantomspeisung.
Brauche ich einen FetHead oder Cloudlifter?
Mit einem guten Interface oder Rekorder mit genug sauberem Gain meist nicht. Bei Geräten, die bei 60 dB Schluss machen, wie dem Mackie MainStream, plane ich ihn ein. Er bringt etwa 15 bis 20 dB mehr.
Welcher Sprechabstand ist ideal?
Etwa 5 cm, am besten leicht seitlich. Als Toleranz würde ich 3 bis 15 cm geben. Weiter weg solltest du nicht gehen.
Brauche ich eine Spinne?
Nein. Die Kapsel ist schwingend gelagert, Klopf- und Tischgeräusche kommen kaum auf der Spur an.
Sollte ich Mid-Boost und Bass-Roll-off nutzen?
Ich selbst nutze beide nie, weil mir der originale Frequenzgang am besten gefällt. Bei Rumpelgeräuschen kann der Bass-Roll-off aber helfen.
Welchen Arm nutzt du für das SM7B?
Ich habe es am Røde PSA1 seitlich hängen. Das funktioniert sehr gut, die meisten nutzen das Mikrofon mit einem solchen Arm.