
Aktuelle Version des SSL 2 mit besseren Wandlern, zwei Kopfhörerausgängen und Loopback. Ein sehr rundes 2-Kanal-Interface für Musik und Podcast.
- Eingänge2 × XLR
- Auflösung32 Bit
- Sampleratebis 192 kHz
- Rauschen (EIN)−130,5 dBu
- Gewicht860 g
Auf einen Blick
Vorteile
- 32-Bit/192-kHz-Wandler, 64 dB Gain
- Zwei Kopfhörerausgänge
- Legacy-„4K“-Schalter und Hochpassfilter pro Kanal
- Stereo-Loopback
Nachteile
- Relativ großes Gehäuse (234 × 157 mm)
- 64 dB Gain für sehr leise dynamische Mikros knapp
- Teurer als viele 2-Kanal-Einsteigerinterfaces
Technische Daten
| Hersteller | Solid State Logic |
|---|---|
| Preisklasse | mittel |
| Ein-/Ausgänge (Kanäle) | 2×2 |
| XLR-Eingänge | 2 |
| Max. Sample-Rate | 192 kHz |
| Auflösung | 32 Bit |
| Max. Gain | 64 dB |
| EIN (Eigenrauschen) | -130,5 dBu(A) |
| Dynamikumfang | 116,5 dB(A) |
| Phantomspeisung | ✓ |
| Eingänge | 2 × XLR/Klinke-Combo (Mic/Line/Instrument) |
| Ausgänge | 2 × Line (6,3 mm), 2 × Kopfhörer (6,3 mm) |
| Anschluss | USB-C (USB 2.0, bus-powered) |
| Gewicht | 860 g |
| Abmessungen | 234 × 70 × 159 mm |
Das SSL 2 MKII (Werbelink) ist die aktuelle Version des kleinen Zweikanal-Interfaces von Solid State Logic. Es richtet sich an alle, die zwei Mikrofone, Mikrofon und Gitarre oder einen Stereo-Synthesizer gleichzeitig aufnehmen wollen. Seine größte Stärke ist das geringe Rauschen: Gegenüber dem Universal Audio Volt 1 (Werbelink), dem Audient iD4 MKII und dem Zoom UAC-232 ist es das leiseste Interface. Dazu kommen ein sehr gut gelöster Loopback, eine übersichtliche Pegelanzeige und sehr griffige Drehregler. Im Folgenden geht es der Reihe nach darum, wo es Kompromisse gibt und für wen sich das Plus-Modell lohnt.
Aufbau und Anschlüsse
Das SSL 2 MKII ist ein USB-Interface mit zwei Eingängen und zwei Ausgängen. Es hat zwei Mikrofonvorverstärker mit XLR/Klinke-Combo-Buchsen von Neutrik, zwei Instrumenteneingänge, zwei symmetrische Monitorausgänge und zwei Kopfhörerausgänge. Strom bekommt es komplett über USB-C, ein Netzteil brauchst du nicht. Preislich liegt es in der Mittelklasse der kleinen Interfaces und ist damit spürbar teurer als Einkanal-Geräte wie das Focusrite Scarlett Solo oder das Universal Audio Volt 1.

Auf der Rückseite sitzen USB-C, die beiden Monitorausgänge und die beiden Combo-Eingänge für Mikrofon oder Line. Steht das Gerät auf deinem Schreibtisch, ist das angenehm, denn alle Mikrofonkabel gehen nach hinten weg. Vorn findest du die zwei Instrumenteneingänge und die zwei Kopfhörerausgänge. Steckst du dort eine Gitarre ein, schaltet der Kanal automatisch auf den Instrumentenmodus um.
Auf der Oberseite sind beide Kanäle gleich aufgebaut: Gain-Regler, 48-V-Phantomspeisung, Line, Hochpassfilter und der 4K-Schalter, dazu eine Pegelanzeige pro Kanal. Die Pegelanzeige ist sehr übersichtlich. Du siehst schnell, ob du zu leise oder schon an der Grenze bist. Rechts daneben liegen der Mix-Regler, die Stereo-Taste und der große Monitor-Level-Knopf.
Bedienung und Regler
Eine Stärke sind die Drehregler. SSL verbaut Alps-Potis, und das merkst du. Der sehr große Monitor-Level-Knopf lässt sich gleichmäßig und angenehm drehen. Auch alle anderen Potis sind sehr gut steuerbar. Mit dem Mix-Regler blendest du stufenlos zwischen dem Mikrofoneingang und dem Signal vom Computer über USB. Die Stereo-Taste legt fest, ob du dich mono oder stereo im Kopfhörer hörst. Bei einem einzelnen Mikrofon ist mono meist die bessere Wahl, sonst hörst du dich nur auf einem Ohr.

Die Taster haben Status-LEDs. Die Phantomspeisung leuchtet rot, Line, Hochpass und Stereo leuchten grün, der 4K-Schalter hat eine eigene rote LED. Du siehst also auf einen Blick, was aktiv ist, und musst nicht raten, ob ein Schalter gedrückt ist.
Schaltest du die Phantomspeisung ein, wird kurz alles stummgeschaltet. Das kennst du auch von anderen Interfaces, und es schützt Lautsprecher und Ohren vor dem Knacken beim Umschalten.
Der 4K-Schalter verändert den Klang. Er fügt laut SSL Obertöne hinzu und hebt die Höhen an, angelehnt an die Konsolen der 4000er-Serie. Für Gesang und Instrumente kann das ein schönes Werkzeug sein. Für mich ist ein veränderter Frequenzgang bei einem Interface aber kein Kaufargument, denn so etwas kannst du später auch in der Software machen.
Dazu kommt ein Hochpassfilter pro Kanal. Er setzt laut Handbuch bei 75 Hz an, mit 18 dB pro Oktave. Damit filterst du Trittschall und tieffrequentes Rumpeln heraus, bevor es in der Aufnahme landet. Gerade bei Sprache ist das praktisch.
Rauschen und Klang
Der wichtigste Punkt ist das Rauschen. Ein leichtes Grundrauschen hat auch das SSL 2 MKII, ganz ohne kommt kein Interface aus. Gegenüber dem Universal Audio Volt 1, dem Audient iD4 MKII und dem Zoom UAC-232 ist es aber das leiseste. Gerade gegenüber dem iD4 klingt die Stimme etwas besser und mit etwas weniger Rauschen, und auch das UAC-232 rauscht beim Monitoring hörbar mehr. Das ist ein subjektiver Höreindruck. Ein direkter Vergleich mit denselben Mikrofonen ist für mich aber aussagekräftiger als jedes Datenblatt.

Auch das Datenblatt passt dazu. SSL nennt für die Mikrofoneingänge 64 dB Gain, ein äquivalentes Eingangsrauschen von −130,5 dBu und 116,5 dB Dynamikumfang, jeweils A-bewertet. Das ist für ein Interface, das komplett über USB läuft, ein sehr guter Wert.
Mit einem sehr leisen dynamischen Mikrofon wie dem Shure SM7B (Werbelink) erreichst du einen guten Pegel, ohne den Gain ganz aufzudrehen und ohne zusätzlichen Vorverstärker. Gehst du sehr nah ans Mikrofon und sprichst laut, wird der Pegel schnell zu hoch. Lass also etwas Reserve nach oben.
Die Wandler arbeiten mit 32 Bit und bis zu 192 kHz. Wichtig: Das sind 32-Bit-Wandler, kein 32-Bit-Float wie beim Zoom UAC-232. Den Gain musst du also weiterhin sauber einstellen, eine übersteuerte Aufnahme lässt sich nachträglich nicht retten.
Kopfhörer und Loopback
Die zwei Kopfhörerausgänge sitzen vorn und sind parallel geschaltet. Beide bekommen denselben Mix und teilen sich einen Lautstärkeregler. SSL spricht von Hochstrom-Kopfhörerverstärkern, die jeden Kopfhörer treiben sollen, vom kleinen In-Ear bis zum großen Studiokopfhörer, und nennt 119,5 dB Dynamikumfang und maximal +13 dBu Ausgangspegel. Für einen Podcast zu zweit am Schreibtisch ist das praktisch, weil du kein zusätzliches Kopfhörer-Verteilerkabel brauchst.

Sehr gut umgesetzt ist der Loopback. Der Ton vom Computer kommt als zwei zusätzliche, eigene Kanäle in deinem Betriebssystem an. Du kannst also Mikrofon und Computerton getrennt aufnehmen und später unabhängig voneinander bearbeiten. Beim Audient iD4 bekommst du dagegen nur ein Stereo-Mischsignal, in dem Mikrofon und Computer zusammen stecken. Hier ist das SSL deutlich besser, vor allem für Streams, Podcasts mit Gästen aus dem Internet und Videos mit Bildschirmaufnahmen.
Alle Ausgänge sind DC-gekoppelt, sodass du Steuerspannungen an modulare Synthesizer schicken kannst. Für Sprachaufnahmen spielt das keine Rolle, für Musiker mit Eurorack-Systemen aber schon.
Technische Daten eingeordnet
Im Line-Modus umgeht das Signal den Mikrofon-Preamp und läuft durch eine saubere Line-Stufe mit bis zu 27 dB Verstärkung. Das ist sinnvoll, wenn du einen externen Vorverstärker oder einen Synthesizer anschließen willst. Die Line-Eingänge vertragen bis zu +24 dBu, die Instrumenteneingänge bis zu +15 dBu bei 1 MΩ Eingangsimpedanz. Die Monitorausgänge erreichen 120 dB Dynamikumfang.
Wie ich Gain-Werte einordne, habe ich in meinen Interface-Vergleichen schon öfter erklärt: Die reine Verstärkung sagt wenig darüber, wie gut ein Interface klingt oder wie stark es rauscht. Wichtiger sind das Eigenrauschen und der Dynamikumfang, und da ist das SSL 2 MKII stark.
Die Latenz beim direkten Mithören über den Mix-Regler gibt SSL mit unter 1 ms an. Die Roundtrip-Latenz bei 96 kHz liegt laut Handbuch unter Windows bei unter 3,65 ms (mit abgeschaltetem Safe Mode) und am Mac bei unter 5,8 ms. Am Mac ist das MKII class-compliant und läuft ohne Treiber, unter Windows installierst du den ASIO/WDM-Treiber von SSL.
Das Gehäuse misst laut Handbuch 234 × 159 × 70 mm inklusive Reglern und wiegt 860 g. Für ein Zweikanal-Interface ist das relativ groß. Dafür steht es stabil auf dem Tisch, und die großen Regler lassen sich gut greifen. Im Karton liegen ein 1,5 m langes USB-C-auf-USB-C-Kabel und ein Adapter auf USB-A. Nach der Registrierung bekommst du außerdem ein Softwarepaket, unter anderem mit den SSL-Plug-ins Vocalstrip 2 und Drumstrip sowie Ableton Live Lite.
SSL 2 MKII oder SSL 2+ MKII?
Es gibt auch eine Plus-Variante. Beide haben zwei Eingangskanäle, Monitor-Mix, Loopback und die 4K-Schalter. Das SSL 2+ MKII hat zusätzlich zwei weitere symmetrische Ausgänge, also vier insgesamt, und MIDI-Ein- und -Ausgang. Vor allem aber sind die beiden Kopfhörerausgänge beim Plus unabhängig: Sie haben eigene Lautstärkeregler und können unterschiedliche Mischungen aus der DAW bekommen.
Für einen Podcast zu zweit am Schreibtisch reicht das kleine MKII mit seinen zwei parallelen Kopfhörerausgängen aus. Beide hören dasselbe, allerdings mit derselben Lautstärke. Wollt ihr unterschiedlich laut hören oder nimmst du Musiker auf, die einen eigenen Kopfhörermix brauchen, ist das Plus-Modell die bessere Wahl.
Nimmst du nur ein Mikrofon auf, brauchst du das SSL 2 MKII nicht. Dann bekommst du mit einem Einkanal-Interface deutlich günstiger eine sehr gute Aufnahmequalität. Das MKII spielt seine Stärken aus, wenn du zwei Mikrofone, Mikrofon und Gitarre oder einen Stereo-Synthesizer aufnehmen willst und dabei Wert auf geringes Rauschen und einen sauberen Loopback legst.
Fazit: Solid State Logic SSL 2 MKII
Sehr gutDas SSL 2 MKII ist ein sehr rundes Zweikanal-Interface. Es rauscht gegenüber Volt 1, iD4 MKII und UAC-232 am wenigsten, hat einen sehr guten Loopback mit getrennten Kanälen, eine übersichtliche Pegelanzeige und sehr griffige Drehregler. Die Taster zeigen per LED, was aktiv ist, Kopfhörer und Instrumente stecken bequem vorn, und ein Hochpassfilter pro Kanal hält Rumpeln aus der Aufnahme. Kompromisse sind das recht große Gehäuse und die zwei Kopfhörerausgänge, die sich Mix und Lautstärke teilen. Wer nur ein Mikrofon aufnimmt, ist mit einem günstigen Einkanal-Interface besser bedient.
Kaufen, wenn …
- du zwei Mikrofone oder Mikrofon und Instrument gleichzeitig aufnehmen willst
- dir ein geringes Eigenrauschen und ein sauberer Loopback wichtig sind
- du zu zweit am Schreibtisch mit zwei Kopfhörern mithören willst
- du gern mit großen, griffigen Hardware-Reglern arbeitest
Lieber eine Alternative, wenn …
- dir ein Mikrofoneingang reicht und du einen Mix-Regler mit zwei Kopfhörerausgängen günstiger haben willst Audient iD4 MKII
- du zwei Kanäle in 32-Bit-Float aufnehmen willst, damit nichts übersteuert Zoom UAC-232
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Alternativen zum Solid State Logic SSL 2 MKII
Audient iD4 MKII
Note 8,2 von 10
Einen Mikrofoneingang plus Instrument, Monitor-Mix-Regler und zwei Kopfhörerausgänge. Im direkten Vergleich rauscht das iD4 etwas mehr, und der Loopback liefert nur ein Mischsignal.
Zoom UAC-232
Note 7,4 von 10
Zwei Kanäle mit 32-Bit-Float-Aufnahme. Beim Monitoring rauscht es mehr als das SSL, und die Bedienung über Software hat mir nicht gefallen.
Focusrite Scarlett Solo 4th Gen
Note 7,7 von 10
Deutlich günstiger und kompakter, wenn du nur ein Mikrofon und ein Instrument anschließt.
Häufige Fragen zum Solid State Logic SSL 2 MKII
Nimmt das SSL 2 MKII in 32-Bit-Float auf?
Nein, SSL nennt 32-Bit-Wandler, kein 32-Bit-Float. Den Gain musst du also wie gewohnt einstellen. Brauchst du Float, ist das Zoom UAC-232 eine Option.
Reicht der Gain für das Shure SM7B?
Ja. Mit 64 dB Gain erreichst du mit dem SM7B einen guten Pegel, ohne den Regler ganz aufzudrehen. Einen zusätzlichen Vorverstärker brauchst du nicht.
Wie rauscharm ist das SSL 2 MKII?
Sehr. Gegenüber Volt 1, iD4 MKII und UAC-232 hat es das leiseste Grundrauschen. SSL nennt −130,5 dBu EIN und 116,5 dB Dynamikumfang.
Haben beide Kopfhörerausgänge eine eigene Lautstärke?
Nein. Beim SSL 2 MKII sind sie parallel geschaltet und teilen sich Mix und Lautstärkeregler. Unabhängige Kopfhörerausgänge hat erst das SSL 2+ MKII.
Kann ich Mikrofon und Computerton getrennt aufnehmen?
Ja. Der Loopback liefert den Computerton als zwei eigene Kanäle, getrennt vom Mikrofon. Das ist besser gelöst als beim iD4 mit seinem Mischsignal.
Brauche ich am Mac einen Treiber?
Nein, am Mac ist das SSL 2 MKII class-compliant. Unter Windows installierst du den ASIO/WDM-Treiber von SSL.
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