Graufilter-Vergleich: Haida Slim vs. B&W F-Pro vs. NiSi ND1000

Jetty 3Bis vor einigen Jahren waren Filter noch unverzichtbare Werkzeuge für den Fotografen. Heutzutage benutzt man eher selten Filter. Zu viel lässt sich in Lightroom & Co. später hinzufügen. Neben einem Polarisationsfilter, um Spiegelungen zu reduzieren, verwende ich nur noch einen ND-Filter. Der Neutraldichtefilter oder auch Graufilter soll das Bild grundsätzlich nicht beeinflussen. Seine Aufgabe besteht lediglich darin Licht zu schlucken, wie eine Sonnenbrille. Er soll das Bild nicht verändern, nicht bläulicher oder rötliche machen. Er soll lediglich die Belichtungszeit verlängern. Ganz einfache Graufilter beginnen preislich bei etwa 20 – 30 €. Wenn man mehr ausgeben will, ist man auch schnell bei 200 €. Die Frage die diesem Artikel zugrunde liegt ist: lohnen sich teure Graufilter wirklich oder reicht ein 30 € ND-Filter vollkommen aus und wo sind ggf. die Unterschiede?

Zwischenzeitlich habe ich ebenso HIER einen Vergleich zwischen mehreren Polfiltern erstellt.

Haida Slim Graufilter, ND-FilterIn diesem Test habe ich drei Graufilter gegeneinander antreten lassen, von billig bis teuer. Wobei ich pro Filter nicht mehr als 140 € ausgeben wollte. Dabei habe ich Filter unterschiedlicher Hersteller eingekauft, damit wir eine bessere Übersicht erhalten. Der Preisrahmen hielt sich zwischen 30 € und 140 €, sodass wohl für viele Interessierte zumindest ein Produkt interessant sein dürfte. Zudem gibt es diese Filter mit unterschiedlichen Durchmessern. 77mm ist wohl das gebräuchlichste Format, deshalb habe ich diese auch ausprobiert. Wer Objektive mit kleinerem Filterdurchmesser hat, sollte sich unter Umständen ein Filteradapter-Set kaufen, dass es sehr günstig bei Amazon gibt. Dadurch musst du beim Objektivwechsel keine neuen Filter mehr kaufen. Außerdem sind die ND-Filter auf Objektiven aller Hersteller nutzbar, egal ob Canon, Nikon, Sony usw.

Alle benutzten ND-Filter korrigieren die Belichtung um 10 Blendenstufen nach unten und lassen nur noch 1/1000 an Licht durch. Da dass 1000-fache an Licht gefiltert wird, werden diese Filter auch als ND1000 oder ND3.0 (10³=1000) Filter bezeichnet. Der ND1000 Filter ist wohl der gebräuchlichste und empfehlenswerteste Filter, wenn es um Landschaften, bzw. Wasser und Wolken geht. Ziel sind meistens solche oder ähnliche Bilder:

Es gibt auch günstige variable Graufilter, die sehr verlockend klingen, aber nicht empfehlenswert sind. Neben der miserablen Bildqualität ist auch eine Helligkeitsberechnung kaum möglich, denn man kann die meisten Filter nicht exakt so einstellen, wie man es möchte. Bei einem fixen ND1000 Filter muss man einfach nur die Belichtungszeit mal 10 (Blendenstufen) nehmen. Würde man also ohne Filter 1/50 Sekunde belichten, muss man mit Filter (1/50 x 1000 =) 20 Sekunden belichten. Man könnte auch (1/50 x 2)^10 rechnen, das macht die Sache aber nicht einfacher. Eine App hingegen kann schnelle Hilfe verschaffen. Ich nutze entweder die App LongTime Exposure Calculator oder den Taschenrechner meines iPhones.
Merken: ND1000 → Belichtungszeit x 1000!

Nun will ich es aber nicht zu spannend machen und stelle erstmal die Testkandidaten vor:

Uebericht Graufilter, ND-Filter

 

Uebericht Graufilter, ND-Filter

Haida Slim Graufilter ND1000

Der günstigste Filter in diesem Test überzeugt zunächst durch Schlichtheit – aber im positiven Sinne. Er ist klein, leicht und gut verarbeitet, slim halt. Das mitgelieferte Cover ist ebenso kompakt und gut zu öffnen, auch der Filter lässt sich gut entnehmen. Und ja, er ist slim, also dünn. Das muss aber kein Vorteil sein, denn es erleichtert nicht das montieren. Das Gewinde ist gut verarbeitet und er lässt sich gut aufschrauben. Wenn er einmal am Objektiv hängt, fällt er kaum auf. Die Verarbeitung macht insgesamt einen sehr guten Eindruck, das Preis-/ Leistungsverhältnis passt.

Ich habe mit jedem Filter zwei ausgewählte Testaufnahmen gemacht, Outdoor und Indoor. Der Haida ND-Filter leistet für den Preis unglaublich viel. Das Bild ist scharf, bis in die Randbereiche. Eine Vignettierung ist vorhanden, aber erträglich. Was mir nicht so gefällt, ist das die Randbereiche eine etwas andere Farbtemperatur haben als die Mitte. Zusätzlich dunkelt er etwas mehr als 10 Blendenstufen ab, was aber absolut erträglich ist. Übrigens habe ich zum testen den automatischen Weißabgleich aktiviert, wobei ich diesen nachträglich im RAW-Bild natürlich noch ändern kann. Trotzdem passt der Weißabgleich schon sehr gut. Für die Aufnahmen wurde das Canon EF 24-105mm IS L Objektiv an der Canon EOS 6D genutzt.

Die Innenbilder haben nur einen korrigierten Weißabgleich. Die Außenbilder sind unbearbeitet.

B&W Graufilter F-Pro MRC ND1000

Der B&W ND-Filter ist in einem ganz ähnlichem Case untergebracht, wie der Haida Filter. Natürlich ist der B+W Filter etwas dicker und schwerer als die anderen Filter. Dafür ist er aber gut aufzuschrauben und macht einen stabilen Eindruck. Die Größe finde ich vollkommen okay und er bietet ein besseres Handling.

Wie schon gesagt, ist die Haptik gut. Leider gibt es aber bei dem Bildergebnis für mich eine kleine Enttäuschung. Die Schärfe und die Vignettierung ist ganz okay, aber nicht sichtbar besser als beim Haida Filter. Der Filter ist außerdem nicht ganz neutral, sondern eher rötlich, was zwar durch den nachträglichen Weißabgleich kein Problem ist, aber der Bildqualität nicht gerade zuträglich ist. Problematischer finde ich aber, dass der B&W Filter fast eine Blende dunkler als seine Kontrahenten ist. Das ist dumm. So kann man die oben genannte Berechnung schnell wieder korrigieren und es wird komplizierter. Deshalb ist mein Eindruck hier eher gemischt.

NiSi Slim Graufilter ND1000

Bei dem Preis muss der nicht wirklich sonderlich bekannte ND-Filter von NiSi die beiden anderen Filter schlagen. Und, um es kurz zu machen, er erledigt seine Aufgabe doch merklich besser als der B+W Filter und etwas besser als der Haida Filter. Alles wirkt beim NiSi Filter hochwertiger. Selbst die Kunststoffschachtel ist ein Genuss. Sie ist zwar etwas größer als die beiden anderen, sieht dafür cooler aus und hat eine gelbe Gummidichtung. Diese soll wohl eher vor Staub als vor Wasser schützen. Der Graufilter es etwas rauer und lässt sich dadurch besser greifen. Auch das Aufschrauben fällt etwas leichter durch diese Oberfläche. Er ist von außen so geriffelt, das er perfekt zu fühlen ist. Man merkt den Preisunterschied zu den beiden anderen Filtern deutlich.

Dieser Eindruck setzt sich auch in der Bildqualität fort. Er Vignettiert kaum, zumindest weniger als die anderen beiden Kandidaten und ist scharf, sehr scharf. Der Weißabgleich passt und er gibt dem Wort „Neutraldichte“ eine passende Bedeutung. Belichtungszeit mal 1000 und das Bild passt. Nicht nur so ungefähr, sondern fast haargenau. Das Beste Ergebnis der drei Filter. Da fällt die RAW-Nachbearbeitung leicht. Wie man unschwer lesen kann, bin ich von diesem Graufilter etwas begeistert.

Direkter Vergleich

Ich habe die einzelnen bereits gezeigten Bilder nochmals aneinander gereiht, sodass man die Unterschiede zwischen den Filtern besser erkennen kann. Mitunter ist der Unterschied nach der Nachbearbeitung wirklich marginal. Trotzdem ist es natürlich sinnvoller einen ND-Filter zu benutzen, der eine möglichst gute Bildqualität hinterlässt.

Die Bilder von den Innenaufnahmen sind jeweils in der Folgenden Reihenfolge angeordnet:
Ohne Filter, Haida, B&W, NiSi

Crop aus der Bildmitte:

Crop vom Bildrand:

Die Bilder der Außenaufnahme haben die gleiche Reihenfolge. Die erste Serie ist unbearbeitet, die Zweite wurde vollständig bearbeitet, wobei sogar die Helligkeit angepasst würde. Die dritte und vierte Serie sind jeweils Crops der bearbeiteten Bilder.

Bearbeitet:

Crop aus der Bildmitte:

Crop vom Bildrand:

Fazit

Zwei Gewinner, ein Verlierer – so lautet zumindest mein Fazit. Obwohl der B&W Filter haptisch gut und „Made in Germany“ ist, so macht er doch für den Preis keine besonders gute Figur. Mit dem günstigen Haida Filter kann ich ohne weiteres den B&W Filter ersetzen. Ohnehin ist für den Gelegenheits-Graufilter-Fotografen der Haida meine Empfehlung. Im Zusammenspiel mit den Filteradapterringen bekommt man für unter 50 € für fast jedes Objektiv einen guten ND-Filter.

Wie man aber bereits gemerkt hat, habe ich mich etwas in den NiSi Graufilter verguckt. Qualität hat seinen Preis und genau die bekommt man hier. Wenn man den Graufilter häufiger benutzen will und diesen über viele Jahre benötigt, sollte man vielleicht etwas mehr Geld in die Hand nehmen und einen – wie ich finde – grandiosen ND-Filter von NiSi kaufen.

Und ich möchte noch gerne erwähnen, dass ich weder von NiSi, noch von den anderen beiden Herstellern auch nur einen Euro für diesen Bericht bekommen habe, sondern diesen lediglich aufgrund meiner Erfahrungen geschrieben habe 😉

Welchen Graufilter nutzt du oder willst du dir einen der drei Test-Kandidaten kaufen?

Wenn dir der Artikel "Graufilter-Vergleich: Haida Slim vs. B&W F-Pro vs. NiSi ND1000" gefallen hat und du mich und meine Unabhängigkeit etwas unterstützen möchtest, würde ich mich über deinen Kommentar freuen und wenn du eine Kamera, ein Objektiv oder auch ein beliebiges anderes Produkt bei Amazon kaufen möchtest, kannst du dies zum unveränderten Kaufpreis HIER* bestellen. Vielen Dank!



17 Gedanken zu „Graufilter-Vergleich: Haida Slim vs. B&W F-Pro vs. NiSi ND1000

  1. Hallo,
    Habe ich es überlesen oder hast Du uns nicht mitgeteilt, an welcher Kamera Du getestet hast? In den Daten der Bilder findet sie die Information – 6D bei 24mm, vielleicht nimmst Du das in den Text mit auf?.
    Problematisch ist vor allem immer der Randbereich und wenn Du Dein fürs Vollformat gerechnete Objektiv an einem Drop benutzt dann sind die Schwächen des Objektivs schon mal nicht so schwerwiegend und ein zusätzliches Glas vorne drauf stört nicht gar so.
    Geht man aber bei einem Vollformat und 24mm daher und packt dann noch eine Glasscheibe also zwei Grenzflächen an denen das Licht gebrochen wird dazu so kommt es sicher zu chromatischen Aberrationen am Rand und da spiegeln sich dann gute und schlechte ND Filter wieder.
    Evtl. Farbverschiebungen oder Ungleichmäßigkeiten was die tatsächliche Lichtdurchlässigkeit angeht lässt sich, wie Du ja erwähnt hast in der Nachbearbeitung schließlich recht gut korrigieren.
    Danke für den Test
    Gruß
    Siggi

    • Ich habe es verschwiegen, es wurde nun aber hinzugefügt 😉
      Ich habe die 6D für die Aufnahmen benutzt. Also, Vollformat bei maximalem Weitwinkel wurde benutzt, zumindest bei den Außenaufnahmen.

    • Habe ich, bzw. ähnliche Filter. Mir gefallen die kleinen Gewindefilter besser. Schlecht sind die Lee Filter nicht, aber teurer und meiner Meinung nach auch komplizierter.

      • Es gibt eine erheblichen Unterschied innerhalb der Lee BigStopper, ob man den alten im Plastikcase oder den neuen im Metallcase. Ich hatte gleichzeitig den neuen BigStopper und den Haida 100×100 und beide im Lee-Filterhalter verwendet. Der BigStopper hatte einen enormen Blaustich (nix neues und im Internet bekannt), daher den Lee verkauft.

  2. Der Vergleich ist von diesem Jahr. Warum wurde er mit einem veralteten Haida slim und nicht mit dem höherwertigen Haida slim Pro-II gemacht? Wenn der B&W schon kaum besser ist als der Haida slim, müsste der neuere Haida slim Pro-II ja noch besser sein. Ich habe die Pro-II im Einsatz, sowohl zum Schrauben, als auch dass ich sie mit dem Lee-Filterhalter nutze (nach einem direkten Test hatte ich den BigStopper wegen seinem Blaustich verkauft (es werden aber weiterhin Lee-Verlaufsfilter genutzt))

  3. Pingback: Graufilter - Bilderforum.de

  4. Pingback: Polfilter-Vergleich: Hoya HD vs. Haida Pro II vs. Praktica Schneider vs. NoName-Billigfilter | Fotografie Blog web-done.de

  5. Ich habe in Zeiten der digitalen Fotografie nun immer noch nicht versanden, wieso man überhaupt noch ND-Filter einsetzt… Erzielt man nicht den gleichen Effekt, wenn man die Belichtungskorrektur der DSLR z.B. -2/3 Stufen reduziert?
    Ich freue mich auf Antwort – Gruß, Sebastian

    • Gemeine Gegenfrage:
      Konnte man die Belichtung in Analogen Zeit nicht um z.B. ⅔ Blenden reduzieren?

      Um es kurz zu machen, den Graufilter benötigt man dann, wenn man längere Verschlusszeiten braucht. Z.B. wenn man bei Sonnenlicht und langsamere Belichtungszeiten bei Offenblende braucht oder wenn man sehr lange Belichtungszeiten braucht, siehe auch Bilder oben im Text 😉

      Gruß
      Alex

      • Hallo Alex, danke für deine schnelle Antwort. Ich hab’s aber noch immer nicht ganz verinnerlicht, daher folgendes Beispiel:

        Ich möchte z.B. einen Wasserfall fotografieren. Die Empfindlichkeit halte ich konstant auf 100 ISO, die Blendenzahl bei 8.0, damit das Wasser im Bild weich wird, möchte ich mit t = 1,0 sec belichten.

        Nun würde das Bild ja viel zu hell werden. Daher kann ich einen ND-Filter zum Abdunkeln einsetzen. Eine Abblendung/Verdunkelung von etwa 2 Blenden würde genügen.

        Da sich meine Kamera um +/-5 Blendenstufen (Belichtungskorrektur) verstellen lässt, kann ich doch alternativ zum ND-Filter die Belichtungskorrektur meiner Kamera auf -2 Blendenstufen einstellen, oder? Müsste dies im Bild nicht den gleichen Effekt geben?

        Gruß, Sebastian

        • Hast du schon mal beobachtet was die Kamera bei einer Belichtungskorrektur macht? Du wirst auch bei Blende 8, ISO 100 und 1 Sek. keine Belichtungskorrektur anwenden können, ohne eben diese Parameter zu verändern 😉

          Probier es mal bitte aus.

          Gruß
          Alex

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