Canon EF 24-70mm f/4L IS USM im Test

Canon EF 24-70mm 4 L IS USM ObjektivDas Canon EF 24-70mm 4.0 L IS USM Zoomobjektiv ist eines der jüngeren Objektive aus Canon’s L Sortiment. Es ist seit Ende 2012 im Handel erhältlich. Etwa 7 Jahre älter hingegen sind die sehr bekannten und beliebten Canon EF 17-40mm 4.0 L USM und Canon EF 24-105mm 4.0 L IS USM Objektive. Alle drei Objektive liegen vor meiner Nase. Klar gibt es noch das Canon Canon EF 24-70mm 2.8 L USM und das Mk II, wobei das ältere nicht mehr produziert wird und das jüngere deutlich teurer ist. Beide sind hervorragende Linsen, die ich aber leider nicht hier habe und sie deswegen nicht konkret vergleichen kann.

24-105mm vs. 24-70mm

Vergleich Canon EF 24-70mm 4 L IS USM Objektiv 24-205mm 17-40mmDas Canon EF 17-40mm 1:4,0 L steht aufgrund der Brennweite und des fehlenden Bildstabis nicht in einer konkreten Konkurrenz zum Testkandidaten. Das Canon EF 24-105mm 1:4,0 L IS hingegen schon – könnte man zumindest meinen. 24-105mm am Vollformat sind toll und praktisch, dass ist der größte Nachteil der 24-70mm. Dafür hat das 24-105mm aber auch einige Nachteile. Der Bildstabilisator ist etwas älter und schafft wohl nur bis zu 3 Belichtungsstufen und man kann es als Makro-Zoom aufgrund der Naheinstell-Grenze von 45cm vergessen. Das 24-70 stabilisiert bis zu 4 Belichtungsstufen und besitzt einen Hybrid IS, der unglaublich intelligent ist. Der Bildstabilisator erkennt Kameraschwenks beim Filmen oder bei Mitziehern automatisch und schaltet die Stabilisierung in dieser Richtung aus. Der bessere Stabilisator erkennt im Makro-Modus Verwacklungen durch Verkippungen und Verschiebungen. Ab 38cm fängt der Makromodus überhaupt erst an. Um die Nahdistanz voll auszunutzen muss man die Streulichtblende abnehmen und man kann sich bis auf wenige Zentimeter dem Motiv nähern – was jedoch nicht immer möglich ist.

Wenn man in der Natur unterwegs ist und von Landschaften über Makros alles mit nur einem Objektiv etwas kompromissbereit abdecken will, ist das Canon EF 24-70mm 4.0 L IS USM bei mir ganz weit oben. Es kann eben sehr viele Dinge, die alle anderen Canon L Zooms so nicht können.

Beispielbilder

Bevor ich aber mehr über das 24-70mm schreibe, zunächst einige Beispielbilder in Form von Landschaftsbildern, die so ohne Bearbeitungen aus Lightroom gefallen sind. Alle Aufnahmen wurden übrigens mit der Canon EOS 6D gemacht.

Und nun noch ein paar Bilder, die ich ein wenig bearbeitet habe.

Haptik

Canon EF 24-70mm 4 L IS USM ObjektivDie Haptik Erinnert an das 24-105mm, wobei der 24-70mm Zoom aber kleiner ist. Es ist sogar noch kleiner als das 17-40mm, aber auch etwas schwerer. In Zahlen: 83,4mm x 93mm bei 600 Gramm. Damit hat es fast eine quadratische Form. Aufgrund der geringen Größe fühlt sich das 24-70mm sehr robust und kompakt an. Natürlich hat das L Objektiv wieder eine Gummilippe am Bajonett und ist staub- und spritzwassergeschütz. Der Zoomring läuft gleichmäßig sanft und leicht. Der Tubus fährt auch nicht von alleine aus, wie man es ggf. vom EF-S 15-85mm kennt. Zusätzlich kann das Objektiv noch durch einen Lock-Schalter an der rechten Seite gesperrt werden. Dieser dient zugleich um den Makromodus zu aktivieren. Auf der linken Seite gibt es die beiden Schalter für den AF/ MF und den Bildstabilisator.

Danach folgt der Fokusring der zwar leichtgängig ist, aber nicht zu leicht. Eine drittel Drehung bringt den Fokus von unendlich auf die Naheinstellgrenze. Der Ring ist breit genug und gut zu umfassen. Hierauf folgt der rote L-Ring, den man sich auch mal bei spanischen Städtereisen abkleben kann 😉 Die Frontkappe besitzt einen komfortablen Innengriff und die Sonnenblende ist eher klein, besitzt aber eine kleine Besonderheit. Um die Sonnenblende zu lösen muss man einen kleinen Stift eindrücken. Diese Sicherung ist wohl nicht ganz unnütz. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine ungesicherte Sonnenblende verloren geht.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Der große Nachteil eines Allround-Zooms ist, dass er viele Disziplinen kann, aber keine so richtig gut. So sieht es auch beim 24-70mm IS L aus. Es hat einen Weitwinkel, aber keinen extremen. Es kratzt mit 70mm an der unteren Telegrenze. Die Bildqualität – zu der ich gleich komme – ist okay, aber nicht atemberaubend. Es hat einen Makromodus, aber keinen wirklich guten. Außerdem sind 70mm am Vollformat hierfür oft zu wenig. Blende 4 ist okay, lässt aber keine extremeren Bokehs zu, außer natürlich im Makrobetrieb. Das 24-70 kann einfach zu viel, sodass fast alle Bereiche abgedeckt werden, aber nicht wirklich gut.

Meistens muss man aber auch kein Canon EF 100mm 2.8 L dabei haben, um zwischendurch ein Makro zu schießen. Ein 16-35mm L ist im Weitwinkel gut, aber oft reichen auch 24mm. 105mm oder mehr sind nicht selten bei Landschaften oder Tieren sehr nützlich, aber 70mm und ein späterer Crop sind auch möglich. Nur wenn man stark offenblendig Arbeiten will, kann das 24-70mm diese Lichtstärke einfach nicht ersetzen. Aber so oft kommt das bei mir auch nicht vor, dass ich eine Blende 2.8 anstatt 4.0 brauche. Wenn doch, habe ich immer ein 50mm 2.5 oder ein 40mm 2.8 Pancake dabei, die sind federleicht.

Um es klar zumachen, wer nicht ständig eine riesige Ausrüstung mit sich rumschleppen will und sich den Objektivwechsel ersparen möchte, bekommt mit dem 24-70mm einen sehr guten Allrounder. Meistens sind die Abstriche in Sachen Bildqualität und Ausstattung hinnehmbar und fallen kaum auf. Ein Bild muss nicht immer in der 100%-Ansicht vollkommen scharf sein.

Bei dem 24-70mm ist es ganz wichtig, dass man es vorher einordnen kann, denn sonst wird man enttäuscht werden. Wenn man das Testobjektiv etwas besser kennt, wird man dessen Vorzüge und Allroundfähigkeit sehr zu schätzen wissen.

Bildqualität

Nachdem ich das EF 24-70mm f/1:4 versucht habe einzuordnen, dürfte klar sein, dass man nicht die Abbildungsleistung eines 100mm 2.8 erwarten darf. Gerne möchte ich auch nicht die Kernprobleme des universellen 24-70mm IS verschweigen. Das wäre eine nur mittlere Auflösung, besonders an den Rändern und eine recht starke Vignettierung. Während jedoch die Vignettierung nicht weiter schlimm ist, zumindest für mich, möchte ich sie folgend gerne zeigen. Dem sind noch die beiden Worte „Lightroom“ und „Objektivkorrektur“ hinzufügen.

Die erste Serie besteht aus dem Originalbild und dem anschließendem Crop bei unterschiedlichen Blendenöffnungen. Dabei habe ich die obere linke Ecke als Crop ausgewählt. Es ist deutlich zu erkennen, dass auch noch bei Blende 22 ein deutlich dunkler Bereich vorhanden ist, der auf der rechten Seite kaum sichtbar ist. Ob dies nur bei meinem Exemplar so ist, kann ich nicht genau sagen.

Blende 4

Blende 5.6

Blende 8

Blende 11

Blende 16

Blende 22

Und nun noch ein Beispiel, was Lightroom bei Blende 4 alles per Knopfdruck beseitigen kann.

Weiterhin ist die Abbildungsqualität mit deren Details ein wichtiger Qualitätsfaktor. Ich habe hier keine sichtbare Auflösung oder Linien gemessen, sondern Bildausschnitte aus den entsprechenden Fotos erstellt. Meine Ansicht nach ist dieser Vergleich der Praxis näher als so mancher nichtsagender Labortest.

Die ersten beiden Bildausschnitte sind jeweils nahe der Mitte entnommen und die letzten beiden von unten rechts und der oberen Mitte.

Makro-Modus

Canon EF 24-70mm 4 L IS USM Objektiv Testbericht - Makro MacroIch halte den Makromodus des 24-70mm IS für sehr wichtig. Insbesondere durch den integrierten Bildstabilisator kann man so das eine oder andere „Amateurmakro“ auch aus der Hand ablichten, ohne ein Stativ benutzen zu müssen. Mir ist vollkommen klar, dass alle Makrofotografen über diese Aussage lachen werden, aber trotzdem kann das eine oder andere mittelmäßige Bild dabei herausfallen. Wobei klar sein sollte, dass wir hier nicht vom 1:1 Abbildungsmaßstab + Crop reden.

Ich habe jedem Bild ein entsprechendes Crop hinzugefügt.

Die letzten drei Bilder bestehen aus Makro-Crops unter Studiobedingungen bei Blende 4, 8 und 14 und ganz leichter Bearbeitung.

Actionbilder und der Bildstabilisator

Das der Bildstabilisator gut sein soll, habe ich bereits oben erwähnt. Wie gut er aber ist, zeigen die folgenden Bilder. Zwei Bilder mit und ohne IS aus der Hand zu machen ist natürlich unglaublich subjektiv und fehleranfällig. Trotzdem kann man anhand der beiden Bilder und deren Crops – die bei 1/15 Sekunde gemacht worden sind – erkennen, was der Bildstabilisator in meiner Hand so alles leisten kann 😉

ohne IS

mit IS

Als ich auf einer Fototour für diesen Blogartikel war, gelangen mir die folgenden Ausnahmen. Zufällig stolzierten 3 große Rehe etwa 10 Meter vor mir im Wald herum, wobei wir alle 4 uns sehr erschraken als wir uns sahen. 2 der Tiere flüchteten wieder in den Wald, aber eines schien die falschen Pilze gegessen zu haben 😉 Es lief einen wunderbaren großen Bogen um mich rum, sodass ich die Bilder auf einer freien Fläche machen konnte.

Ich hielt die Kamera in der Hand und konnte sofort reagieren. Da ich aber eher auf der Jagd nach Landschaften war, hatte ich im Av-Modus eine Blende von 13 eingestellt, wobei 1/60 Sekunde herauskam. Trotzdem gelang mir, wohl nicht zuletzt aufgrund des guten und intelligenten Bildstabilisators, ein guter Mitzieher. Danach habe ich gleich im Tv-Modus 1/2.500 Sekunde benutzt. Obwohl die Canon 6D für solche Aufnahmen nicht prädestiniert ist, finde ich die Bilder bei 70mm ganz okay. Es ist das scharf, was scharf sein soll.

Bokeh

Wer viel Geld für ein Objektiv ausgibt, will auch ein vernünftiges Bokeh haben. Das 24-70mm L hat 9 Blendenlamellen. Diese allein sagen aber noch nicht viel über die Qualität des Bokehs aus. Ich finde das Bokeh okay, manchmal aber etwas unruhig. Das ist sehr vom Hintergrund und den Entfernungen abhängig.

Damit du dir selber ein Bild davon machen kannst, habe ich eine kleine Freihandtestreihe bei unterschiedlichen Blenden erstellt. Folgende Blendenzahlen habe ich verwendet:

4, 5.6, 8, 11, 16, 22

Und nun noch drei andere Beispiele.

Weiteres

Obwohl ich einige Gegenlichtaufnahmen gemacht habe, konnte ich auch bei schräg einfallender Sonne keinen Lens Flare erkennen, sehr gut!

Der Fokus ist schnell, leise und genau, USM halt. Was aber die üblichen Geräusche macht, ist der knirschende Start des IS, aber das sollte schon bekannt sein.

Mir hätte eine Schalter von Normal- und Makromodus gereicht. Eine Lockschalter benötige ich eigentlich nicht und die Bedienung durch gleichzeitiges schieben am Schalter und drehen des Objektivs ist nicht immer praktisch.

Damit du dir einige Bilder genauer anschauen kannst, habe ich dir ein Paket aus 17 RAW-Dateien zusammengeschnürt. Du kannst dir die RAW-Bilder der Canon 6D kostenlos HIER herunterladen.

Fazit

Obwohl ich in keiner Disziplin 100%ig vom Canon EF 24-70mm 4.0 L IS USM überzeugt bin, so bin ich doch von dem Konzept überzeugt. Ich mag Objektive die alles wollen und auch vieles können, solange die Bildergebnisse brauchbar sind. Und genau hier setzt das 24-70mm an. Will ich eine hohe Bandbreite an Motiven und Szenarien abdecken und nicht ständig in den vollgepackten Rucksack greifen, ist das Makro-IS-L-Weitwinkel-Zoom sehr gut!

Auch an einer Canon EOS 6D macht das Objektiv eine sehr gute Figur. An der 5D Mark III und anderen Vollformat-DSLR’s wird das ganz ähnlich sein. Bei Cropkameras, wie z.B. einer Canon EOS 70D oder 700D wäre ich eher vorsichtiger. Bin ich in der Natur unterwegs, will ich auch immer einen schönen Weitwinkel haben. 24mm am Crop sind mir da aber nicht genug. Andererseits sind natürlich die Makros des 24-70mm am Crop-Sensor noch spannender.

Was denkst du über das Canon EF 24-70mm IS? Ist es für dich eine echte Alternative?

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15 Gedanken zu „Canon EF 24-70mm f/4L IS USM im Test

  1. Sie geben in Ihrem Beitrag folgendes an:
    „Damit du dir einige Bilder genauer anschauen kannst, habe ich dir ein Paket aus 17 RAW-Dateien zusammengeschnürt. Du kannst dir die RAW-Bilder der Canon 6D kostenlos HIER herunterladen“

    dazu muß ich Ihnen sagen einen besseren Service habe ich noch nicht erlebt. Hinter Ihrem angegebenen Link für den Download der RAW Dateien verbergen sich sehr gute und anschauliche Bilder. Sie haben mir so eben 30 Minuten meiner Zeit effektiv bereichert, danke.

    • Steht doch dort 😉

      „Bin ich in der Natur unterwegs, will ich auch immer einen schönen Weitwinkel haben. 24mm am Crop sind mir da aber nicht genug.“

  2. Vielen Dank für diesen ausführlichen Testbericht! Der erste Bericht, der Lust auf das 24-70mm f/4 macht. Eine Frage hätte ich noch: warum darf ich, abgesehen mal von dem grossen Preisunterschied, mich für das von Ihnen getestete Objektiv entscheiden, wenn doch das 24-70mm f/2.8, was die Schärfe betrifft, als großer Bruder ein wenig mehr performt? Machen Sie mir Mut 😉

  3. Wie ist der Unterschied in der Bildqualität zwischen dem 24-70/4,0 und dem 24-105/4,0 zu bewärten…? Es hat eine größere Brennweite das 24-105/4,0 aber auch einen älteren IS. Macht das etwas aus…? Ich habe die 60 D und liebe es in der Dämmerung und bei Veranstaltungen die Menschen und die Athmosphäre einzufangen. Hierfür suche ich ein Standard-Objektiv, dass einiges abdeckt, aber das 24-70/2,8 ist mir zu teuer. Meine Alternative zu den beiden Canon wäre das Tamron 24-70/2,8. Allerdings sind die Fotoläden in Stuttgart nicht begeistert von Tamron und haben teilweise Tamron nicht im Laden. Können Sie etwas zum Vergleich 24-70/4,0 und dem Tamron sagen…?
    Ansonsten sehr toller Bericht, Danke.

    • Sehr ähnlich mit kleinen Vorteilen für das 24-70mm 4.0, insofern man denn keine 105mm braucht. Der Bildstabilisator ist etwa eine Blende besser. Ansonsten sollte das 24-105mm fast immer reichen. Zum Tamron kann ich leider nichts sagen, außer das es eine große Qualitätsstreuung gibt.

      • Momentan benutze ich noch das Kit-Objektiv EF-S 18-135 und in sofern bin ich ein wenig mehr Zoom gewöhnt. Leider ist es defekt und den Nachfolger wollte ich nicht holen, weil ich mich verbessern möchte und später zum Vollformat wechseln will.
        Als Variante schweben mir vor entweder das 24-70/4,0 und das 70-300/4,0-5,6 oder das 24-105/4,0 und das 100-400/4,5-5,6.
        So ein 50er oder 40er lichtstark muss sein. Ein 10-22 habe ich schon, allerdings von Sigma.

        • Okay…warum kein 50mm 1.4 und dazu ein 15-85mm? Letzteres ist unglaublich scharf, aber leide nicht lichtstark und nicht vollformat-tauglich. Aber dafür wäre dann das 50mm ganz gut.

  4. Ein toller Bericht, den ich mit viel Interesse gelesen habe. Eine echte Alternative zu den träumenden, fliegenden Meinungen. Mir gefällt sehr gut die Mischung aus Wort, Bild und Video und ich konnte mir dabei leicht eine eigene Meinung bilden. Danke und bitte mehr davon!

  5. Pingback: Buchtipp: Naturfotografie - Der große Fotokurs von Ingo Seehafer | Fotoblog web-done.de

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