Canon Powershot G5X im Test

Canon G5X Gehaeuse BodyDie Canon G5X ist eine Kompaktkamera mit Sucher, einem 1 Zoll “großen” Bildsensor und einem bis zu Blende 1.8 lichtstarkem Objektiv. Ich denke, dass genau diese drei Daten die Kamera für Fotografen sehr interessant erscheinen lassen. Sie ist leicht und relativ kompakt und umgerechnet auf das Kleinbildformat hat sie eine Brennweite von 24–100mm, was meistens genug ist, zumindest für meine Zwecke. Zu einem Preis von etwa 680 € sollte man auch einiges erwarten können. Auf dem Datenblatt hört sich die Kamera wirklich sehr gut an. Jedoch gibt es leider auch einige Kritikpunkte, die den Spaß an der kleinen G5X etwas vermiesen. Vielleicht liest jedoch Canon hier mit und wird irgendwann eine G5X Mark II rausbringen. Welche Erfahrungen ich mit der Canon G5X im Detail gesammelt habe, kannst du in diesem Erfahrungsbericht lesen.

Zunächst aber die wichtigsten technischen Daten:
– 1 Zoll großer CMOS-Bildsensor mit 20,2 Megapixeln
– maximal ISO 12.800
– 14-Bit-RAW Dateien die wirklich brauchbar sind 🙂
– 24–100mm Brennweite (KB) und bei F1.8–2.8
– Sucher mit 2,36 Megapixeln
– gutes Klappdisplay mit Touchfunktion und einem MP
– WLAN, NFC
– per USB aufladbar
– 113x77x45mm bei 377 Gramm

Haptik

Die Haptik der Canon G5X muss ich in zwei wichtige Punkt unterteilen: Die Verarbeitung und das Handling.

Canon G5X Gehaeuse Body

Verarbeitung

Von ersterem bin ich sehr überzeugt. Die Kamera fühlt sich bei den oben genannten Maßen sehr wertig an, wirkt dadurch aber auch schon relativ schwer. Unter 400 Gramm sind okay, aber auch kein Leichtgewicht. Dafür bietet das Gehäuse eine fast perfekte Fertigungsqualität. Hier kann ich lange suchen und finde nichts, was ich anders machen würde. Hier scheint eine ausgezeichnete Qualitätssicherung am Werk zu sein, was meine ganz persönlich Einschätzung ist.

Canon G5X Gehaeuse Body

Handling

Umso mehr trübt das eher mäßig Handling den bislang sehr guten Eindruck. Hier wurde meiner Ansicht nach relativ viel falsch gemacht. Dass das Modus-Wahlrad schwergängig ist, ist wunderbar. Umso mehr frage ich mich, warum dies beim Wahlrad für die Belichtungskorrektur nicht der Fall ist. Jedes dritte mal, wenn ich die Kamera aus der Tasche hole, ist die Belichtungskorrektur verdreht. Das Rad ist viel zu leicht zu verstellen. Der Auslöser ist hingegen gut gelungen und hat gute Druckpunkte, könnte aber etwas größer sein. Der Ein-/Ausknopf sollte ein Schalter sein, ist aber meine persönliche Ansicht.

Canon G5X Gehaeuse Body

Das Objektiv wird von einem der drei Wahlräder umgeben. Dieses lässt sich sehr gut mit einem leichten Klicken als Feedback drehen. Trotzdem ist es mit meinen etwas breiteren Fingern eher schwer zu erreichen und wird auch durch den Blitzschuh in seiner Bedienbarkeit eingeschränkt. Ein zweites Wahlrad befindet perfekt für den Zeigefinger auch auf der Vorderseite der G5X angebracht. Leider ist dieses Wahlrad meiner Meinung nach zu leichtgängig, sodass man sich schon etwas konzentrieren muss, wenn man hier nur einen Klick einstellen will. Das dritte Wahlrad auf der Rückseite ist zu klein und zu weit im Gehäuse versenkt. Ich kann es nur schwer um 360° drehen, da mein Daumen immer wieder vom eingeklappten Display blockiert wird. Die drei Wahlräder sind gut und sehr sinnvoll in der Bedienung, insbesondere aus dem Grund, da sie alle frei konfigurierbar sind. Jedoch finde ich in der Praxis ist es nicht zu Ende gedacht und im Detail nicht optimal. Aber wie schon gesagt, das ist nur meine Meinung.

Canon G5X Gehaeuse Body

Klar, ich komme von der Canon 6D, aber auch bei einer 100D ist das Handling irgendwie viel harmonischer. Man muss der G5X auch zugute halten, das sie eben kompakt ist und die Wahlräder eben kaum größer sein können. Nichtsdestotrotz trüben diese Details meinen Eindruck – auch wenn diese eben zum Teil systembedingt sind.

Die weiteren Knöpfe sind gut zu erreichen und haben gute Druckpunkte.

Auf der Rückseite befindet sich eine gummiert Mulde für den Daumen. Auf der Vorderseite ist ein nach außen gewölbter Griff. Für größere Hände ist eine solche Kamera immer ein Kompromiss, trotzdem ist diese kompakte Canon ganz gut gelungen. Lediglich auf der Rückseite wünscht sich mein Daumen etwas mehr Platz, was technisch aber auch nur schwer umsetzbar ist.

Insgesamt finde ich gibt es bei diesem sehr wichtigen Punkt Handling zu viele kleinere Kritikpunkte, welche das Handling etwas abwerten. Insbesondere die Belichtungskorrektur stört mich hier.

Display und Sucher

Das Klappdisplay ist super. Es kann in alle Richtungen geklappt werden, sodass man sogar die Kamera sehr gut als Selfie-Cam nutzen kann.

Canon und der elektronische Sucher – eine Geschichte für sich. Trotzdem ist der etwa 2 Megapixel Sucher der G5X nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Er ist groß, hell und scharf, wobei er genau hier situationsbedingt auch schnell an seine Grenzen stößt. Hier muss Canon noch etwas an der Qualität feilen und an Erfahrungen sammeln. Nutzbar ist der Sucher auf jeden Fall, er besitzt einen Augensensor, der bei Annäherung das Display ausschaltet und den Sucher aktiviert. Leider funktioniert das oft etwas zu langsam. Bei zu starken Kontrasten, wie z.B. bei Sonnenuntergängen ist der Sucher aber zu undifferenziert. Bei Sonnenlicht oft zu dunkel. Und wenn man vom optischen Sucher kommt, wirkt das Bild oft pixelig. Trotzdem muss man diese Punkte auch relativieren mit Hinblick auf die Konkurrenz. Was mit aber sehr gefällt ist die Geschwindigkeit des Suchers. Hier bemerkt man quasi keine Verzögerungen im Sucherbild.

Bildqualität

Eigentlich könnte ich diesen Punkt kurz machen. Bereicht vor Jahren habe ich die Canon PowerShot G7X getestet, welche einen ganz ähnlichen Bildsensor besitzt. Auch wenn ich weiter oben Canon oft kritisiert habe, so kann ich an der Bildqualität und auch am Objektiv suchen, suchen und suchen… Hier hat Canon meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Der 1 Zoll große Bildsensor liefert bis ISO 3.200 gute Bilder, dass sollte meistens reichen. Der Dynamikumfang ist gut bis sehr gut.

Nun folgen Bilder mit ISO 200 bis 12.800. Alle Fotos wurden in RAW geschossen, etwas aufgehellt und nicht entrauscht.

Weißabgleich und Farben sind okay, wobei die interpretierten Jpegs schon sehr gut aussehen und oft genau so benutzt werden können.

Einige Jpegs, unbearbeitet:

Mit unterschiedlichen Blenden:

Das RAW-Format offenbart in Lightroom für den ambitionierten Fotografen eine weitere Dimension. Hier lassen sich die Bilder auf DSLR-Niveau nachbearbeiten.

Die folgenden Bilder wurden in RAW aufgenommen und ohne viel Bearbeitung in Lightroom exportiert.

Und nun noch einige bearbeitete RAW-Dateien:

Das 24–100mm (KB) Objektiv ist sehr gut. Hat bei Offenblende im Weitwinkel aber etwas Schwierigkeiten die Randbereich scharf abzubilden, was aber auch als üblich bezeichnet werden kann. Meiner Meinung nach leistet das Objektiv wirklich gute Dienste und die 24mm Weitwinkel an der kleinen Canon G5X machen einfach Spaß, aber bitte etwas abblenden 🙂

Der Bildstabilisator hat einen eigenen Absatz verdient. Es ist der Beste den ich bislang in einer Kamera gesehen habe. Im Fotomodus durchaus hilfreich – im Videomodus der Hammer! Mit etwas Konzentration und Übung bekommt man perfekte Video-Schwenks direkt aus der Hand hin. Der sanfte und langsame Zoom hat durchaus cinematische Tendenzen. Leider nicht in der 4K Auflösung, was aber nicht wirklich schlimm ist.

Für Fotos ist der elektrische Zoom oft etwas lahm. Zumindest wenn man von manuellen Zoom-Objektiven kommt 😉

Ausgebremst

Bislang macht die G5X einen guten Eindruck, auch wenn es in der Haptik Kleinigkeiten zu verbessern gibt. Was jedoch meine Freude an der kleinen Canon am meisten trübt, ist einfach die Geschwindigkeit. Hier meine ich nicht die Serienbildgeschwindigkeit – welche bei RAWs zwar sehr langsam ist, dafür aber bei Jpegs immerhin sehr gute 6,7 Bilder pro Sekunde schafft – sondern die Reaktionsgeschwindigkeit der Kamera. Wer von einer DSLR oder einer anderen schnellen Kamera kommt, hält es mit der G5X kaum aus. Selbst bei Landschaften muss ich mich in Geduld üben.

Die Einschaltzeit bis zum ersten Bild beträgt etwa 2,5 Sekunden, wenn man den Sucher benutzt wird es noch etwas länger. Und die Verzögerung liegt nicht daran, dass erst noch das Objektiv ausgefahren werden muss, denn dies geht relativ schnell. Das ist einfach zu viel Zeit.

Ebenso ist es unfassbar nervig, dass man zwischen zwei Bildern im Einzelbildmodus wiederum fast zwei Sekunden warten muss. Das ist einfach zu langsam.

Selbst das umschalten vom Kamerabetrieb in den Galerie-Modus, in welchem man die bereits geschossenen Bilder betrachten kann, dauert mit etwa 1,5 Sekunden viel zu lang.

Unterm Strich kommt die Canon G5X einfach viel zu langsam rüber. Auch wenn man hier nur was von wenigen Sekunden liest, ist das in der Praxis doch sehr enorm.

Autofokus

Solange es hell genug ist, ist der Autofokus der kleinen G5X ganz ausgezeichnet schnell und genau, jedoch nicht makrotauglich. Sobald das Licht aber abnimmt wird der Fokus schnell zum Glücksspiel – wenn er denn überhaupt funktioniert. Selbst eine einfache DSLR mit einem Kreuzsensor ist hier bei schlechterem Licht der G5X um Welten überlegen.

Manuell fokussieren kann man auch. Unterstützt wird diese durchaus sinnvolle Möglichkeit genau scharf zu stellen durch Fokus-Peaking. Dies gleicht den oben genannten Nachteil teilweise wieder aus.

Akkulaufzeit

Wenn man die G5X wirklich nutzt, dann ist die Kamera an. Meistens auch mit kontinuierlichem AF. Der Bildsensor und das Display oder der elektronische Sucher liefern dazu permanent aktuelle Bilder und auch das Histogramm und die Wasserwaage wollen noch etwas Strom haben. Der kleine 1250mAh Akku hat da so sein Mühe. Klar, man kann sich Ersatzakkus kaufen. Aber das wird eigentlich zum zwang, denn die Akkuanzeige geht schnell mal von 3/3 Strichen auf einen kleinen roten blinkenden Balken zurück und dann sind es nur noch Sekunden bis es zappenduster wird. Besonders im Videomodus bleiben einem nur noch wenige Minuten bis zum leeren Akku, sobald ein Strich in der Anzeige fehlt. Das darf einfach nicht sein. Jedes Handy und viele andere Kameras können das einfach besser.

Außerdem sollte Canon bei dieser Kamera und dem Preis ruhig einen zweiten Akku dazu packen. Für den Hersteller sollte das kein großer finanzieller Aufwand sein, seine Kunden aber glücklich zufriedener machen.

eingebauter Graufilter

Der eingebaute Graufilter ist einfach…unfassbar praktisch. Man kann zwar keine anderen Filter vor der Linse der G5X schrauben, dafür ist aber ein interner Graufilter nutzbar der 3 Blendenstufen schluckt. Das ist in einigen Fällen ein absolutes Killer-Feature. Wobei drei Blenden manchmal eben auch zu wenig sind.

Fazit

Eigentlich ist die Canon Powershot G5X eine ganz hervorragende Kamera. Sie macht sehr gute RAW Bilder und noch bessere Videos. Das Objektiv hat eine sehr passable Brennweite mit guter Lichtstärke und guter Schärfe. Ein scheinbar rundes Paket, für einen etwas zu hohen Preis.

Kleinigkeiten trüben aber meinen Eindruck. Besonders das Belichtungskorrekturwahlrad und die langsame Reaktion der G5X nehmen einiges an Spaß weg. Dafür hat man aber auch eine sehr gute kompakte Kamera in der Jackentasche, die bei mir zu 80% eine DSLR ersetzen kann. In der Hosentasche passt sie bei mir jedoch nicht, dazu ist sie etwas zu dick und zu schwer. Besonders der gummiert Sucher, welcher etwa 1cm aus dem Gehäuse ragt, fällt hier störend auf.

Neben der mittlerweile überteuerten Alternativ von Sony, sind natürlich noch die G7X, G7X II und die G9X zu nennen, welche sich beide preislich unterhalb der G5X ansiedeln und gute Alternativen sind.

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5 Gedanken zu „Canon Powershot G5X im Test

  1. Nachdem ich mir die Kamera vor 2 Monaten gekauft habe, komme ich zu folgendem Fazit:

    Gut:
    – WLAN
    – Hohe Lichtstärke
    – Sucher (dass er existiert:-))
    – Haptik
    – Alle wichtigen Programme vorhanden: M, Av, Tv, …

    Schlecht:
    – Kein GPS
    – Teilweise undurchsichtige Belegung der Tasten, je nach Programmwahl
    – Min ISO: 125

    Ganz schlecht:
    – Keine Timerfunktion. (wenn es ein Feature Sternenspurenaufnahme gibt, wäre das sicher auch drin gewesen)
    – Keine kürzere Belichtung als 1/2000s
    – Schwache Akku Laufzeit
    – Teurer Akku
    – Seriengeschwindigkeit bei RAW Aufnahmen
    – Kein Firmware Update möglich (warum eigentlich?)

    Gruß
    Hans-Peter Dorn

    • Hallo Hans-Peter,

      das mit der Tastenbelegung kann ich nachvollziehen. Mich persönlich stört es weniger, da ich diese in den für mich wichtigsten Modi konfigurieren kann und konfiguriert habe.

      Auch bei der Timerfunktion muss ich dir zustimmen, zum Glück habe ich genug externe kompatible Time hier rumfliegen 🙂

      Das mit der Firmware habe ich auch gelesen. Sollen auch die G7X und G9X haben. Wobei Canon ohnehin selten per Firmware nachgebessert hat.

      Warum ist ISO 125 für dich ein Nachteil?

      Reicht dir eine 1/2000s plus ND-Filter nicht?

      Ansonsten kann ich deine Erfahrungen durchweg bestätigen.

      Gruß
      Alex

  2. DANKE für die ausführliche und ehrliche Begutachtung dieser Kamera! – Mich irritiert etwas die chromatische Aberration, die im Weitwinkel-Bereich recht hoch ausfällt, gemäß den Beispielbildern allerorts im Internet … Nun – hoffentlich – gibt es eine adäquate Nachfolger-Kamera?! – Weiß oder ahnt man da bereits etwas? –
    Herzlich – MM

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