
Beim Preis-Leistungs-Verhältnis derzeit fast konkurrenzlos: vier XLR-Eingänge mit 32-Bit-Float. Für bessere Preamps muss man zur F-Serie greifen.
- Eingänge4 × XLR
- Aufnahme32-Bit-Float
- Sampleratebis 96 kHz
- Rauschen (EIN)−120 dBu
- Gewicht381 g
Auf einen Blick
Vorteile
- 4 XLR-Eingänge und 32-Bit-Float zu einem günstigen Preis
- Mixer-Funktion für eine gut abgemischte Stereospur
- Schnelle Startzeit und flotter Workflow
- Gute Haptik
Nachteile
- Preamps nicht die besten, Audioqualität wie bei H5/H6
- Kein 3,5-mm-Mic/Line-Eingang mehr
- Keine Tasche/kein Koffer, nur microSD
- Kapselsystem mit noch wenig Auswahl
Technische Daten
| Hersteller | Zoom |
|---|---|
| Preisklasse | mittel |
| XLR-Eingänge | 4 |
| Spuren | 6 |
| Max. Sample-Rate | 96 kHz |
| Auflösung | 32-bit float |
| 32-Bit-Float | ✓ |
| Eingebautes Mikrofon | ✓ |
| Max. Gain | – |
| EIN (Eigenrauschen) | -120 dBu(A) |
| Dynamikumfang | – |
| Frequenzbereich | – |
| Aufnahmeformat | WAV, MP3, BWF |
| Batterie / Stromversorgung | 4 × AA oder USB-C (Netzteil AD-17) |
| Gewicht | 381 g |
| Eingänge (Details) | 4 (XLR/Klinke-Combo) |
| Abmessungen | 160 × 78 × 43 mm |
Das Video zum Test
Vier XLR-Eingänge, ein wechselbares XY-Mikrofon und 32-Bit-Float, sodass du nie wieder einpegeln musst: Mit dem H6essential hat Zoom seinen Klassiker H6 in die Essential-Serie überführt. Ich habe ihn ausführlich ausprobiert, die Akkulaufzeit selbst gemessen und ihn mit SM7B, SM58 und NT1 getestet. Hier erfährst du, wo er glänzt, wo er spart und für wen sich der Umstieg wirklich lohnt.
Technik im Überblick
Der H6essential ist ein reiner 32-Bit-Float-Rekorder. Pro Eingang arbeiten zwei AD-Wandler, eine Gain-Einstellung gibt es nicht mehr, und deshalb findest du oben auch keine Gain-Potis. Aufgenommen wird mit 44,1, 48 oder 96 kHz, immer in 32-Bit-Float, wahlweise auch als MP3. Dazu gibt es BWF- und iXML-Metadaten.
Die Eckdaten: vier XLR/Klinke-Combo-Buchsen mit Verriegelung, 48 V Phantomspeisung pro Kanal schaltbar (zusammen maximal 32 mA), ein äquivalentes Eingangsrauschen von −120 dBu oder weniger und ein mitgeliefertes XY-Mikrofon, das bis 135 dB SPL verarbeitet. Das Rauschverhalten liegt damit ungefähr auf dem Niveau des alten H6, des H4n Pro, des H5 und vieler anderer XLR-Geräte der H-Serie. Dazu kommen ein 2-Zoll-Farbdisplay mit 360 × 240 Pixeln, ein eingebauter Lautsprecher, ein Kopfhörerausgang und ein Line-Out, beide als 3,5-mm-Klinke, sowie ein microSD-Slot für Karten bis 1 TB.
Neu in der Essential-Serie ist die Sprachführung: Menüpunkte werden über Lautsprecher oder Kopfhörer angesagt. Das richtet sich an Menschen, die schlecht oder gar nicht sehen. Bei mir funktionierte die deutsche Sprachausgabe ziemlich gut, zuverlässig und deutlich. Einen 3,5-mm-Mikrofoneingang gibt es nicht mehr. Externe Quellen laufen ausschließlich über die vier Combo-Buchsen.
Gehäuse und Kapselsystem
Mit 381 g inklusive Batterien ist der H6essential deutlich schwerer als der H4essential, und allein durch das Gewicht wirkt er in der Hand schon wertiger. Das Kunststoffgehäuse ist rau. Es fühlt sich relativ wertig an, ist aber auch recht laut, wenn du es während der Aufnahme berührst. Hinten gibt es vier Gummifüße und ein 1/4-Zoll-Metallgewinde. Die Klappe des Batteriefachs ist für Zoom-Verhältnisse ganz okay. Weil das Fach größer ist, gibt sie an den Seiten aber etwas nach und macht kleine Geräusche, das ist so mittelgut. Der microSD-Slot rechts sitzt in alter Zoom-Tradition hinter einem Gumminoppen, und das ist dem Gerät nicht wirklich würdig.
Das XY-Mikrofon oben ist aus Metall, ziemlich groß und lässt sich nach vorn abklicken. Wichtig zu wissen: Das Kapselsystem ist neu. Alte Kapseln von H5 und H6 passen nicht mehr auf den H6essential. Wenn du das Stereomikrofon nicht brauchst, setzt du einfach eine Abdeckkappe auf und nutzt das Gerät als reinen Vier-Kanal-XLR-Rekorder. Zum Zeitpunkt meines Tests gab es noch kaum neue Kapseln. Inzwischen bietet Zoom unter anderem die EXH-6e-Kapsel mit zwei weiteren XLR/Klinke-Eingängen und das Stereo-Shotgun SSH-6e an. Eine Tasche oder ein Koffer liegt nicht bei.
Bedienung und Menü
Der Rekorder startet schnell, und du kannst quasi sofort aufnehmen. Hier hat Zoom gegenüber den älteren Geräten deutlich nachgebessert, auch das Stoppen und erneute Aufnehmen geht flott. Oben gibt es blaue Tasten, mit denen du die Kapsel und die Eingänge 1 bis 4 einzeln aktivierst, dazu eine Mixer-Taste, Transporttasten und die Aufnahmetaste, die rot aufleuchtet. Gesteuert wird über ein Scrollrad mit Klickraster und eine Enter-Taste an der Seite. Ein Hold-Schalter sperrt die Tasten. Ich finde, die Oberfläche hätte man besser nutzen können: ein größeres Display und dafür etwas kleinere Tasten.
Die Hauptansicht zeigt Aufnahmezeit, Restkapazität, Akkustand und für alle sechs Spuren die Wellenformen. Das Menü ist unten dauerhaft eingeblendet, ein separates Hauptmenü gibt es nicht. Pro Eingang stellst du Hochpassfilter, Phantomspeisung (nur 48 V) und die Kopplung von 1/2 bzw. 3/4 als Stereo- oder Mitte-Seite-Paar ein. Am Ausgang lässt sich ein −20-dBFS-Testton ausgeben, und in den Aufnahmeeinstellungen findest du Vorab-Aufnahme (bei mir zwei Sekunden), Pre- oder Post-Fader-Aufnahme und iXML-Metadaten.
Sehr praktisch finde ich den Export: Eine 32-Bit-Datei kannst du direkt im Gerät als 24-Bit-Datei exportieren, wahlweise einzelne Spuren oder Bereiche, und dabei normalisieren lassen. So musst du am Rechner nicht zwingend mit 32-Bit-Dateien arbeiten.
Mixer, Interface und Timecode
Mit der Mixer-Taste stellst du die Pegel aller aktiven Kanäle für die Stereo-Mischspur ein. Das ist für schnelle Podcasts mit vier Mikrofonen richtig sinnvoll: Spricht einer lauter oder leiser, gleichst du das vorab aus und hast danach direkt eine gut abgemischte Stereospur, quick and dirty. Laut Datenblatt sind bis zu acht Spuren gleichzeitig möglich, mit der EXH-6e-Kapsel kommst du auf sechs XLR-Eingänge.
Per USB-C arbeitet der H6essential als Audio-Interface für PC, Mac, iOS und Android, als Stereo-Gerät (2-in/2-out) oder im Multitrack-Modus mit sechs Ein- und zwei Ausgängen, in 24 Bit oder 32-Bit-Float. Bis 96 kHz geht es im reinen Interface-Modus. Wenn du gleichzeitig auf die Karte aufnimmst, sind es 44,1 oder 48 kHz. Das habe ich im Test ausprobiert: Interface und Aufnahme gleichzeitig ergibt ein schönes Backup.
Timecode und Fernsteuerung gibt es über Zubehör. Mit dem optionalen Bluetooth-Adapter BTA-1 steuerst du den Rekorder per App und kannst drahtlosen Timecode empfangen. Der TCA-1-Timecode-Adapter erzeugt Timecode und gibt ihn aus. Den BTA-1 hatte ich nicht installiert und brauche ihn auch nicht.
Klang: XY-Mikrofon und externe Mikrofone
Die XY-Kapsel liefert ein deutliches Stereobild. Drehst du den Rekorder oder bewegst du dich zur Seite, hörst du das sofort. In der Monospur bleibt das Bild dagegen mittig. Weil die Kapseln nicht entkoppelt sind, hört man Griff- und Klopfgeräusche relativ laut. Besonders kritisch ist Wind: Die Kapseln sind extrem windempfindlich, schon jedes P und jedes Pusten schlägt durch. Seitlich besprochen geht es besser, und ein einfacher Schaumstoff-Windschutz hilft schon etwas. Draußen gehört aber ein Fellwindschutz wie der Zoom WSU-1 drauf. Für Stimmen würde ich einen Abstand von etwa 20 cm wählen, ganz nah dran klingt es nicht gut. Den Hochpassfilter kannst du zuschalten, um tiefes Rumpeln zu reduzieren.
Bei externen Mikrofonen zeigt sich die Grenze der Preamps. Das Shure SM7B direkt am H6essential war für mich praktisch nicht nutzbar, über meinen DT 770 Pro (80 Ohm) habe ich selbst bei voller Kopfhörerlautstärke fast nichts gehört. Mit einem Inline-Preamp wie dem Triton Audio FetHead, der etwa 27 dB Verstärkung bringt, funktioniert es dagegen ohne Probleme. Das SM58 läuft direkt, die Wellenformen bleiben aber klein, und die Kopfhörer müssen voll aufgedreht sein. Das Rode NT1 als Großmembran-Kondensator mit Phantomspeisung funktioniert ziemlich gut. Der Kopfhörerausgang liefert 20 mW pro Kanal an 32 Ohm.
Akku und Stromversorgung
Der H6essential läuft mit vier AA-Zellen oder über USB-C. Ich habe die Laufzeit selbst gemessen: interne Mikrofone aktiv, dazu ein externes XLR-Mikrofon mit Phantomspeisung, 48 kHz, NiMH-Akkus mit 2000 mAh. Ergebnis: 6 Stunden und 17 Minuten. Das ist ungefähr das Doppelte des H4essential, der nur zwei AA-Zellen hat. Mit einer Powerbank, einem Netzteil oder am Computer nimmst du über USB-C unbegrenzt auf.
Zoom nennt für zwei Spuren mit der XY-Kapsel ohne Phantomspeisung und ohne Kopfhörer etwa 18 Stunden mit Alkali- und etwa 14,5 Stunden mit NiMH-Zellen. Bei sechs Spuren mit Kopfhörer sind es etwa 3,5 bzw. 4 Stunden, jeweils ohne Phantomspeisung. Im Menü stellst du Batterietyp, Displayabdunklung und Auto-Abschaltung ein.
Für wen ist der H6essential geeignet?
Mir gefällt vor allem 32-Bit-Float. Wenn ich schräg auf das Display schaue, sehe ich den Pegel gar nicht richtig, und genau dann spielt Übersteuern einfach keine Rolle mehr. Wer sich selbst aufnimmt und nicht ständig alles kontrollieren kann, profitiert enorm. Dazu kommen die sinnvolle Mixer-Funktion, die relativ leisen Tasten und die schnelle Startzeit. Preis-Leistungs-mäßig steht der Rekorder mit vier XLR-Eingängen, sechs Spuren und 32-Bit-Float für mich derzeit relativ allein da.
Klanglich hat sich gegenüber H4n Pro, H6 und H5 dagegen wohl nichts verbessert. Für bessere Preamps musst du zur F-Serie greifen, also zum Zoom F3 oder F6, und das wird deutlich teurer. Weitere Minuspunkte für mich: microSD statt großer SD-Karten, kein 3,5-mm-Mikrofoneingang und keine Tasche im Lieferumfang.
Meine Empfehlung: Bist du neu in der Recording-Welt und nutzt keine extrem leisen dynamischen Mikrofone ohne Inline-Preamp, ist der H6essential ein sehr guter Rekorder für dich. Hast du schon einen H5 oder H6, kommst du mit dem Einpegeln klar und hast keine Probleme mit Übersteuern, dann bleib bei deinem Gerät.
Fazit: Zoom H6essential
Sehr gutDer Zoom H6essential ist eine gelungene Neuauflage des H6. Er bietet 32-Bit-Float ohne Einpegeln, vier verriegelbare Combo-Eingänge, eine praktische Mixer-Funktion, einen schnellen Start und eine Akkulaufzeit, die bei mir über sechs Stunden lag. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist er derzeit fast konkurrenzlos. Die Preamps haben sich gegenüber den Vorgängern allerdings nicht verbessert, und für leise dynamische Mikrofone wie das SM7B brauchst du einen Inline-Preamp. Für Einsteiger und alle, die nie wieder Pegel-Stress haben wollen, ist er eine sehr gute Wahl. Für besseren Klang führt der Weg zur F-Serie.
Kaufen, wenn …
- du vier XLR-Mikrofone aufnehmen und nie wieder einpegeln willst
- du einen Rekorder mit eingebautem Stereomikrofon und vier Eingängen in einem Gerät suchst
- du Podcasts mit mehreren Personen direkt als fertige Stereomischung aufnehmen möchtest
- du ihn zusätzlich als Mehrkanal-Interface am Rechner oder Tablet nutzen willst
Lieber eine Alternative, wenn …
- dir zwei Eingänge reichen und du klar bessere Preamps im Mini-Format willst Zoom F3
- du sechs XLR-Eingänge mit F-Serien-Preamps und Timecode-Buchse brauchst Zoom F6
- dir ein kleinerer Rekorder mit XY-Mikrofon und zwei Combo-Eingängen reicht Zoom H4essential
Preise prüfen
Alternativen zum Zoom H6essential
Zoom F3
Note 9,0 von 10
Zwei XLR-Eingänge mit deutlich besseren Preamps (−127 dBu EIN) und 32-Bit-Float bis 192 kHz. Er ist winzig, hat aber kein eingebautes Mikrofon.
Zoom F6
Note 9,3 von 10
Sechs XLR-Eingänge, F-Serien-Preamps und Timecode-Buchse. Er ist deutlich teurer, aber klanglich die nächste Stufe.
Zoom H4essential
Note 7,6 von 10
Der kleine Bruder mit XY-Mikrofon und zwei Combo-Eingängen. Er läuft mit nur zwei AA-Zellen, bei mir ungefähr halb so lange wie der H6essential.
Zoom H5
Note 7,0 von 10
Der Vorgänger mit klassischer Gain-Regelung und altem Kapselsystem. Zum Zeitpunkt meines Tests war er deutlich günstiger und lohnt sich für alle, die sicher einpegeln können.
Häufige Fragen zum Zoom H6essential
Muss ich beim H6essential einpegeln?
Nein. Er nimmt immer in 32-Bit-Float mit zwei AD-Wandlern pro Eingang auf, deshalb gibt es keine Gain-Regler mehr. Die Lautstärke passt du später an, oder du nutzt den Mixer für die Stereo-Mischspur.
Passen meine alten H5- oder H6-Kapseln?
Nein. Der H6essential nutzt ein neues Kapselsystem, alte Kapseln sind nicht kompatibel. Passend gibt es zum Beispiel die EXH-6e mit zwei weiteren XLR/Klinke-Eingängen und das Stereo-Shotgun SSH-6e.
Funktioniert ein Shure SM7B direkt am H6essential?
In meinem Test praktisch nicht, es war viel zu leise. Mit einem Inline-Preamp wie dem Triton Audio FetHead, der rund 27 dB bringt, funktioniert es dagegen problemlos.
Wie lange hält der Akku?
Ich habe mit vier NiMH-Akkus (2000 mAh), internen Mikrofonen und einem externen Mikrofon mit Phantomspeisung 6 Stunden und 17 Minuten gemessen. Über USB-C kannst du unbegrenzt aufnehmen.
Kann ich gleichzeitig am Rechner und auf die Karte aufnehmen?
Ja. Im Interface-Modus kannst du parallel auf die microSD-Karte aufnehmen, dann mit 44,1 oder 48 kHz. Nur im reinen Interface-Modus sind 96 kHz möglich.
Brauche ich einen Windschutz?
Draußen auf jeden Fall. Die XY-Kapseln sind extrem windempfindlich. Ein Fellwindschutz wie der Zoom WSU-1 ist dann Pflicht, drinnen hilft schon ein einfacher Schaumstoff-Windschutz.
Quellen (3)
Eigene Tests und Beiträge
- YouTube-Video „Zoom H6 essential im Test – Lohnt sich der 32-Bit Rekorder H6essential?“, Kanal Alexan Der, 01.04.2024 (Transkript über automatische Untertitel)
- Blogbeitrag vom 15.11.2024 mit Kurzfazit, Zubehör (WSU-1, Shockmount, BTA-1, FetHead) und Kapitelübersicht
Hersteller, Shops und Fremdtests



