Shure MV6 Test

Shure MV6 im Test – Vorschaubild des Videos
7,7
UrteilGutNote 7,7 von 10

Kompaktes dynamisches USB-Mikrofon mit starkem DSP und solider Metallverarbeitung. Für Gaming und Streaming eine gute Wahl, ein Mikrofonarm ist aber fast Pflicht.

  • TypDynamisch
  • Richt­charakteristikNiere
  • AnschlussUSB-C
  • Max. SPL128 dB
  • Frequenz50 Hz – 15 kHz

Auf einen Blick

Vorteile

  • Massives Metallgehäuse inkl. Metallkorb, hochwertige Haptik
  • Sehr guter integrierter DSP (Denoiser, Auto Level) entlastet den Rechner
  • Blendet Hintergrund- und Raumgeräusche gut aus
  • Lautlose Mute-Taste mit Tastensperre

Nachteile

  • Mitgeliefertes Tischstativ ist zu niedrig
  • Kapsel kaum entkoppelt – empfindlich für Tisch- und Handhabungsgeräusche
  • Nur USB-C, kein XLR-Ausgang

Technische Daten

Technische Daten: Shure MV6
HerstellerShure
Preisklasseniedrig
TypDynamisch
RichtcharakteristikNiere
AnschlussUSB-C
Frequenzbereich50 Hz – 15 kHz
Empfindlichkeit1,78 mV/Pa
Max. Schalldruckpegel128 dB SPL
Gewicht532 g
Abmessungen51 × 51 × 169 mm

Das Video zum Test

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Das Shure MV6 (Werbelink) ist ein kompaktes dynamisches USB-C-Mikrofon, das sich vor allem an Gamer und Streamer richtet. Mich hat interessiert, ob es tatsächlich eine Art kleiner Bruder des SM7B ist. Ich habe es am iPhone und am Mac mit der MOTIV-Mix-App getestet, die DSP-Funktionen ausprobiert und es mit dem SM7B und dem SM58 (Werbelink) verglichen. Hier liest du, was das MV6 gut macht, wo es Schwächen hat und warum du beim Zubehör nicht sparen solltest.

Anschlüsse und Bedienung

Das MV6 ist ein dynamisches USB-C-Mikrofon. Preislich liegt es im Mittelfeld der USB-Mikrofone: nicht besonders günstig, aber auch nicht teuer. Im Test hing es per USB-C über einen Adapter direkt an meinem iPhone, und die App hat dort auch aufgenommen. Sonst nutze ich meist XLR-Mikrofone mit einem separaten Rekorder.

Shure MV6 auf dem Tischstativ
Shure MV6 auf dem Tischstativ Bild: Shure (Herstellerbild)

Neben USB-C gibt es einen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Mit den Beyerdynamic DT 770 Pro (Werbelink) in der 80-Ohm-Variante konnte ich mich sehr laut hören und musste sogar leiser drehen. Mit der 250-Ohm-Variante wird es langsam etwas leise. Die meisten anderen Kopfhörer sollten aber gut funktionieren.

Oben sitzt eine Tap-to-Mute-Taste als Touchfeld. Drückst du vorsichtig, ist sie lautlos. Beim Verstellen des Mikrofons berührst du sie aber leicht aus Versehen, und bei festerem Druck ist die Berührung auch auf der Spur zu hören. Dafür gibt es eine Tastensperre: Berührst du die Taste trotzdem, blinkt die Anzeige orange. Wer nicht ständig muten muss, wird diese Sperre vermutlich nutzen.

Shure MV6 von hinten mit Logo
Shure MV6 auf dem Tischstativ beim Aufbau
USB-C-Kabel des Shure MV6 in der Hand
Shure MV6 mit Tischstativ und USB-C-Kabel

Technische Daten und DSP

Das MV6 nimmt mit bis zu 24 Bit und 48 kHz auf, und das reicht für die meisten Anwendungen aus. Die Richtcharakteristik ist eine Niere. Das Mikrofon nimmt hauptsächlich von vorn auf, schräg von vorn noch recht kräftig, seitlich und von hinten deutlich leiser. Der Frequenzgang wird mit 50 bis 15.000 Hz angegeben. Im Diagramm sieht man aber, dass Frequenzen unter 50 Hz und über 15.000 Hz nicht fehlen, sondern nur leiser aufgezeichnet werden. Ab etwa einem Kilohertz bis zu einem Peak um 6.000 bis 7.000 Hz sind die Höhen angehoben, was der Sprachverständlichkeit hilft. Ansonsten verläuft der Frequenzgang recht neutral.

Shure MV6 in Weiß
Shure MV6 in Weiß Bild: Shure (Herstellerbild)

Die Gain-Range beträgt 0 bis +36 dB und ist regelbar. Dazu kommt ein Onboard-DSP mit vier Funktionen. Der Auto-Level-Modus stellt die Lautstärke automatisch ein, ein digitaler Popper Stopper dämpft Plosivlaute, ein Echtzeit-Denoiser filtert Hintergrundrauschen, und ein Klangregler verschiebt den Ton zwischen dunkel und hell. Weil die Signale im Mikrofon selbst verarbeitet werden, belastet das deinen Computer oder dein Smartphone während der Aufnahme nicht, etwa beim Spielen.

Als Software gibt es für den Desktop die MOTIV-Mix-App und für Mobilgeräte die Apps ShurePlus MOTIV Audio und MOTIV Video. Mitgeliefert werden ein kleines Tischstativ mit 1,3 kg und ein 1 m langes USB-C-auf-USB-C-Kabel.

Die MOTIV-Mix-App am Mac

Am Mac habe ich MOTIV Mix in einer frühen Beta-Version getestet. Du kannst direkt in der App aufnehmen, während der Aufnahme aber keine Einstellungen mehr ändern. Den Gain regelst du manuell oder per Auto-Pegel. Mit Auto-Pegel gehe ich auf 2 cm heran und dann auf 15 cm zurück, und die Lautstärke passt sich an. Komme ich näher, wird es zunächst lauter, dann regelt die Automatik wieder herunter. Das funktioniert gut.

Rückseite des MV6 mit Bedienelementen
Rückseite des MV6 mit Bedienelementen Bild: Shure (Herstellerbild)

Beim Klang wird es mit der dunklen Einstellung bassiger, mit der hellen werden vor allem die Höhen angehoben. Die Stimme wird dadurch klarer, kann aber schnell harsch klingen. Bei meiner Stimme und etwas größerem Abstand von 15 bis 20 cm würde ich leicht ins Dunkle gehen.

Den Denoiser habe ich mit meinem Luftfilter auf Stufe 4 getestet. Er arbeitet sehr wirkungsvoll, das Rauschen ist weg. Meine Stimme klingt dann aber teilweise nach Artefakten, also leicht künstlich. Sind kaum Hintergrundgeräusche da, verschwinden auch die Artefakte. Den Denoiser würde ich deshalb nur bei Bedarf einschalten. Der Popper Stopper klingt dagegen gut. Ohne ihn sind Plosivlaute leicht zu hören, mit ihm kaum noch, nur noch kräftiges Hineinpusten kommt durch. Er kann dauerhaft aktiviert bleiben. Dazu kommt ein Hochpassfilter bei 75 oder 150 Hz, wobei 150 Hz schon etwas Bass aus der Stimme nimmt. Die Funktionen sind in der App gut erklärt. Im Mixer pegelst du mehrere Audioquellen, legst deinen Kopfhörermix fest und nimmst alle Quellen einzeln als WAV mit bis zu 48 kHz auf.

Windschutz, Sprechabstand und Plosivlaute

Für die Audiotests habe ich das MV6 aus 10 bis 15 cm von vorn besprochen und im Kreis gedreht. Ohne den aufgesetzten Windschutz, aber mit aktiviertem Popper Stopper, sind die ganz tiefen Anteile der Plosivlaute verschwunden, den Wind hörst du aber noch. Setze ich den Windschutz wieder auf den massiven Metallkorb, nehmen die Windgeräusche deutlich ab. Selbst ganz nah dran sind die Plosivlaute dann nahezu weg, nur etwas Wind kommt noch an.

Schaumstoff-Windschutz des MV6
Schaumstoff-Windschutz des MV6 Bild: Shure (Herstellerbild)

Der Sprechabstand sollte idealerweise zwischen 5 und 20 cm liegen, 30 cm gehen auch noch. Den Sweet Spot sehe ich bei 15 bis 20 cm, eventuell etwas näher. Ich habe außerdem 50 cm und einen Meter ausprobiert. Die Auto-Gain-Funktion hat die Lautstärke dabei jeweils nachgeregelt.

Direkte Windstöße solltest du grundsätzlich vermeiden. Am besten stellst du das Mikrofon seitlich auf, etwa im 45-Grad-Winkel zu deinem Mund, und sprichst leicht daran vorbei statt frontal hinein. Dann kommt kein Wind mehr an. Wichtig ist außerdem, dass du dich über Kopfhörer selbst abhörst. Gerade wenn du sonst keine Mikrofone benutzt, merkst du so, ob es Störgeräusche gibt oder das Mikrofon falsch steht.

Körperschall und richtige Aufstellung

Ein zentrales Thema beim MV6 ist die Entkopplung. Die Kapsel ist kaum entkoppelt. Klopfe ich darauf oder hantiere auf dem Schreibtisch oder dem Bücherstapel, auf dem das Mikrofon steht, wird das sehr laut übertragen. Gegenüber Handling-Geräuschen und Geräuschen auf dem Schreibtisch ist das Mikrofon vergleichsweise empfindlich. Du solltest es also möglichst entkoppelt nutzen.

Sprachtest mit dem Shure MV6
Sprachtest mit dem MV6 Bild: web-done / eigenes Video

Lärmquellen wie eine Tastatur oder einen lauten Lüfter stellst du am besten hinter das Mikrofon, denn dort nimmt es am wenigsten auf. Liegt die Tastatur direkt davor, ist sie deutlich zu hören. Du kannst das Mikrofon auch etwas höher stellen, damit die Tastatur aus dem vorderen Aufnahmewinkel herausfällt.

Davon abgesehen blendet das MV6 Hintergrundgeräusche sehr gut aus, und zwar nicht nur durch die Software, sondern auch durch die Bauweise. Was auf der Rückseite passiert, nimmt es kaum noch auf. Auch Raumhall landet je nach Sprechabstand nur leise auf der Spur. Je näher du dran bist, desto weniger Raum ist zu hören. Rauschen von Klimaanlagen, Luftfiltern oder Computerlüftern filtert der DSP sehr gut heraus.

Zubehör, Vergleich und Verarbeitung

Das mitgelieferte Tischstativ ist gut verarbeitet und unten leicht gummiert. Das ist besser als gar keins, für die meisten aber viel zu kurz. Ich musste ein paar Bücher unterlegen. Gerade bei diesem Mikrofon ist passendes Zubehör deshalb wichtig. Ein höhenverstellbares Tischstativ wie das K&M 23325 mit 2,5 kg und einer Höhe von knapp 22 bis knapp 35 cm passt meiner Meinung nach sehr gut. Noch lieber nutze ich Mikrofonarme wie den Røde PSA1 (Werbelink) oder den neueren PSA1+, der etwas besser entkoppelt. Beim MV6 kann genau das den Unterschied machen. Ein günstiges Mikrofon an einem guten Arm ist im Alltag oft praktischer als ein teures Mikrofon an einem billigen Tischstativ.

Für den Vergleich habe ich alle Filter deaktiviert und das MV6 seitlich aus etwa 10 cm komplett unverändert gegen die anderen Mikrofone gestellt, damit du den Rohklang hörst. Das SM7B ist technisch ähnlich, aber ein XLR-Mikrofon. Es ist wesentlich teurer und sehr leise, und seine Kapsel ist besser, also schwingend gelagert. Das SM58 ist ein günstiges dynamisches Handmikrofon mit XLR-Anschluss und ein weltberühmtes Bühnenmikrofon. Für beide brauchst du ein Audio-Interface, für das MV6 nicht.

Preis und Leistung passen zusammen. Das MV6 fühlt sich hochwertig an, Gehäuse und Korb bestehen aus massivem Metall. Die Aufhängung ist gut und lockert sich nicht, auch wenn du sie oft bewegst. Die äußere Bauweise ist schlicht, und die grünen Akzente in Shure-Farbe gefallen mir.

Bewertung im Detail

Verarbeitung8,5/10

Gehäuse und Korb aus massivem Metall, die Aufhängung bleibt fest. Die Kapsel ist kaum entkoppelt.

Bedienung7,5/10

Lautlose Touch-Mute-Taste mit Tastensperre und Kopfhöreranschluss. Die Taste berührt man leicht aus Versehen, und das Stativ ist zu kurz.

Klang7,5/10

Ordentlicher, klarer Klang mit leichter Höhenanhebung. Der Denoiser erzeugt teils Artefakte.

Ausstattung8,0/10

Starker DSP mit Auto-Level, Popper Stopper, Denoiser und Klangregler, dazu eine umfangreiche App. Das mitgelieferte Stativ ist zu klein.

Vielseitigkeit7,0/10

Gut geeignet für Gaming und Streaming direkt an Computer oder Smartphone. Ohne XLR lässt es sich nicht an Interfaces oder Rekordern nutzen.

Preis-Leistung7,5/10

Solide Leistung mit gutem DSP und Metallgehäuse, aber ohne XLR-Ausgang und für ein USB-Mikrofon in der mittleren Preisklasse.

Gesamtnote7,7/10

Fazit: Shure MV6

Gut
7,7

Das Shure MV6 ist ein kompaktes dynamisches USB-C-Mikrofon mit sehr guter, praxisnaher DSP-Verarbeitung und solider Metallverarbeitung. Hintergrundgeräusche blendet es durch Bauweise und Software sehr gut aus, und der Popper Stopper kann dauerhaft eingeschaltet bleiben. Den Denoiser würde ich nur bei Bedarf nutzen, weil er die Stimme teils künstlich klingen lässt. Die größten Schwächen sind die kaum entkoppelte Kapsel und das viel zu kurze Tischstativ. Plane deshalb ein höhenverstellbares Stativ oder besser einen Mikrofonarm ein. Für Gaming und Streaming direkt am Computer oder Smartphone ist das MV6 eine gute Wahl.

Kaufen, wenn …

  • du ein USB-C-Mikrofon ohne Interface für Gaming oder Streaming suchst
  • du DSP-Funktionen wie Auto-Level und Popper Stopper direkt im Mikrofon willst
  • du einen Mikrofonarm oder ein höhenverstellbares Stativ nutzt
  • du dich direkt am Mikrofon über Kopfhörer hören möchtest

Lieber eine Alternative, wenn …

  • du mehr XLR-Flexibilität und den Klang eines Studio-Klassikers willst und ein Interface hast Shure SM7B
  • du ebenfalls USB-C willst, aber eine Spinne und einen Poppfilter direkt im Lieferumfang haben möchtest Røde X XDM-100

Preise prüfen

Alternativen zum Shure MV6

Røde X XDM-100

7,6Gut
Note 7,6 von 10

Dynamisches USB-C-Mikrofon mit Kopfhörerausgang, internem DSP, Spinne und Poppfilter im Lieferumfang. Die Unify-Software war zum Testzeitpunkt nur für Windows verfügbar, und die LED blendet.

Shure SM7B

8,5Sehr gut
Note 8,5 von 10

Der große Studio-Klassiker mit XLR, schwingend gelagerter Kapsel und warmem Klang. Er ist wesentlich teurer, sehr leise und braucht ein Interface mit viel Gain.

Shure SM58

8,4Sehr gut
Note 8,4 von 10

Günstiges, sehr robustes dynamisches XLR-Mikrofon, auch als Handmikrofon nutzbar. Es braucht ein Audio-Interface und hat keinen DSP.

Im Vergleich mit 22 anderen Mikrofonen

Häufige Fragen zum Shure MV6

Brauche ich ein Audio-Interface?

Nein, das MV6 läuft per USB-C direkt am Computer oder Smartphone. Einen XLR-Ausgang gibt es nicht.

Kann ich mich selbst hören?

Ja, über den 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Kopfhörer mit 80 Ohm konnte ich sehr laut betreiben, bei 250 Ohm wird es langsam leise.

Lohnt sich der Denoiser?

Er filtert Rauschen sehr wirkungsvoll, kann die Stimme aber leicht künstlich klingen lassen. Ich würde ihn nur bei Bedarf einschalten.

Welcher Sprechabstand ist ideal?

5 bis 20 cm, 30 cm gehen noch. Am besten stellst du es seitlich im 45-Grad-Winkel auf und sprichst leicht daran vorbei.

Reicht das mitgelieferte Stativ?

Für die meisten ist es zu kurz. Besser ist ein höhenverstellbares Tischstativ oder ein Mikrofonarm wie der Røde PSA1 oder PSA1+.

Ist das MV6 ein kleines SM7B?

Technisch ist es ebenfalls dynamisch, läuft aber per USB-C, ist deutlich günstiger und hat eine kaum entkoppelte Kapsel. Das SM7B ist besser gelagert und braucht ein Interface.

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