GPS-Tracks mit der Canon EOS 6D aufzeichnen – Ein Vergleich

Canon EOS 6D GPS VergleichNach einigem Hin und Her habe ich mich dann doch dazu entschlossen, mit der Canon EOS 6D auf das Vollformat umzusteigen – nicht zuletzt aufgrund der GPS-Funktion. Damit kann die EOS 6D nicht nur die Fotos mit GPS-Positionsdaten versehen, sondern auch die zurück gelegte Strecke aufzeichnen. Für diese Aufzeichnung gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Namen, die z.B. wären: Geo-Tracking, Geo-Logging, GPS-Log, GPS-Strecke, GPS-Route oder auch Abwandlungen dieser Begriffe. Wie man das Kind auch nennen mag, inhaltlich passiert immer das gleiche, es wird die zurückgelegte Strecke und ggf. weitere Daten durch Aufzeichnung von Wegpunkten abgespeichert. Jedoch gibt es genau hier gravierende Unterschiede in der Qualität des Trackings. Genau diese Daten habe ich bei einem kleinen Fotoausflug zwischen der Canon 6D, meinem iPhone und einer GPS-Tracker-Sportuhr vergleichen. Das Ergebnis ist spannend, wenn aber auch zugunsten von Einstellungsmöglichkeiten auf dem Smartphone oder auch der 6D bei weitem nicht abschließend.

Canon EOS 6D

Canon EOS 6D GPSZunächst aber einige Infos zum GPS-Tracking der 6D. Wie schon oben erwähnt, kann man auch Fotos direkt mit GPS-Informationen versorgen. Die Kamera benötigt dazu wenige Sekunden, manchmal auch Minuten, bis die Position exakt abgespeichert werden kann. Ab dann läuft GPS immer im Hintergrund mit und versucht die aktuelle Position zu finden und bei Bedarf wird diese in den EXIF-Daten der Bilder abgespeichert, also mit sogenannten Geo-Tags versehen. In der Folge werden aber zunächst keine Routen aufgezeichnet, sondern nur einzelne Positionen. Werden gar keine Fotos gemacht, speichert die 6D grundsätzlich auch keine GPS-Daten.

Zusätzlich gibt es in dem Menü „GPS“ das Menü „Set up“, das einige weitere Funktionen zulässt. So kann man hier die Zeit der EOS über GPS automatisch einstellen lassen, dass passende Menü dazu heißt „Auto-Zeiteinstell.“. Sofern die aktuelle GPS-Position verfügbar ist, kann man in dem Menü „GPS-Informationsanzeige“ die gegenwärtigen Koordinaten, Höhe, UTC-Zeit und die Empfangsqualität ablesen. Das Menü „TimingPositionsaktualisierung“ bringt uns unserem Ziel schon etwas näher. Hier kann man einstellen, in welchen Zeitabständen jeweils die Position abgespeichert werden soll. Dies dient der späteren Route als Grundlage und beeinflusst maßgeblich die Genauigkeit der Route. Jedoch ist bei schlechtem GPS-Empfang eine hohe Aktualisierungsrate auch nicht empfehlenswert, da hier noch mehr ungenaue Punkte der Route hinzugefügt werden, die man jedoch nicht zurückgelegt hat. Läuft man z.B. bei starker Bewölkung durch einen Wald, so kann die Position fast sekündlich um viele Meter springen, obwohl man derzeit einen Pilz fotografiert. Da werden aus tatsächlich zurückgelegten 2 km auch mal schnell 2,5 km oder mehr. Das will man schließlich auch nicht. Deshalb ist die Werkseinstellung von 15 Sekunden grundsätzlich ein gutes Mittelmaß. Man erkennt die bessere Qualität einer Route auch daran, dass keine großen zick-zack Sprünge in der Route sind. Je „ruhiger“ die Route ist, desto genauer sind die Wegpunkte.

Nun aber zum Kern der Funktion. In dem Menü „GPS-Aufzeichnung“ kann man die „GPS-Pos.aufzeich.“. Die Aufzeichnung muss man zunächst aktivieren. Sobald die 6D Empfang hat, werden dann mit den konfigurierten Zeitabständen die Positionsdaten gespeichert. Nun kann man sich solange durch die Natur oder Stadt bewegen, bis der Akku schlapp macht und das kann einige Stunden dauern. Ich empfehle trotzdem immer einen zweiten Akku dabei zu haben, sicher ist sicher. Übrigens befindet sich der GPS-Empfänger an der Oberseite des Gehäuses. Wenn also der Empfang mal schlecht sein sollte, einfach darauf achten, dass die 6D oben Richtung Himmel zeigt und keine Hand dazwischen ist. Jetzt weiß man auch, wofür der Blitz in der 6D vermutlich weichen musste. Sobald das GPS-Symbol im oberen Display nicht mehr blinkt, hat die Canon die aktuelle Position gefunden. Auch wenn die DSLR nun ausgeschaltet wird, bleibt das GPS-Modul aktiv.

Durch das Deaktivieren der GPS-Aufzeichnung werden die Daten in den Speicher der 6D abgelegt. Die Daten liegen dann in einem *.LOG Dateiformat (Format NMEA-0183) vor. Per EOS Utility oder durch vorheriges Speichern der Daten auf die Speicherkarte, können die Daten zu einem Mac oder PC übertragen werden. Warum Canon das relativ inkompatible Log-Format gewählt hat, ist mir nicht ganz klar. Aber dafür befindet sich im Lieferumfang der 6D die Software Canon Map Utility, welche die Positionsdaten visualisieren kann. Ich rate jedoch jedem dazu, der sich etwas ernsthafter mit dieser Materie auseinandersetzt, die LOG-Datei in eine GPX-Datei zu konvertieren. Dazu gibt es für Mac und Windows genügend kostenlose Anwendungen. In meinem Fall habe ich dazu die sehr coole App LoadMyTracks genutzt. Innerhalb von Sekunden habe ich so eine GPX-Datei, die ich mit Adze auslesen und visualisieren kann. Das funktioniert ganz hervorragend. Diese GPX-Datei kann ich dann wiederum auch in Lightroom importieren und ggf. weitere Fotos geo-taggen. Die Canon Software Map Utility nutze ich dazu kaum.

Alternativen

Bevor ich die Canon EOS 6D hatte, habe ich meistens mit dem Smartphone GPS-Tracks aufgezeichnet. Das Mittel meiner Wahl besteht dazu aus einem iPhone 5 und der App „GPS Tracks“, die ich auf die Einstellung „Best“ konfiguriert habe. Diese Tracks habe ich bislang immer in Lightroom importiert und dann durch ziehen der Fotos auf die Route gegeotaggt. Hört sich eigentlich einfach an, in der Praxis hingegen ist es eher umständlich und man vergisst oft den Tracker zu aktivieren oder deaktivieren.

Seit einigen Wochen besitze ich eine Nike+ SportWatch GPS, die ebenfalls GPS-Tracks aufzeichnen kann. Diese Uhr gibt es für ca. 130 € bei Amazon. Über einen kleinen Umweg lassen sich auch hier sehr simpel GPS-Tracks im GPX-Format erzeugen. Diese kleine Uhr, die nun mein ständiger Begleiter ist, ist ein Wunderwerk der Technik. Sie ist immer dabei und die Tracks lassen sich noch einfacher aufzeichnen, als es bei dem iPhone oder auch der Canon 6D der Fall ist. Auch wenn ich mal nicht auf Fototour bin, lasse ich meinen Weg aufzeichnen.

Vergleich zwischen der Canon EOS 6D, dem iPhone und der Nike+ GPS SportWatch

Wie schon angemerkt, habe ich fast jede App auf Standardeinstellungen laufen lassen. Natürlich kann man hier und da noch durch eine andere Konfiguration etwas mehr herausholen. Nichtsdestotrotz bin ich über das Ergebnis des nicht wissenschaftlichen und dilettantisch durchgeführten Kleinexperiments durchaus überrascht. Unabhängig von irgendwelchen technischen Geplänkeln und diversen GPS-Chipsätzen ist doch das Ergebnis das was zählt.

Platz 3

Canon EOS 6D GPSIch hätte nicht gedacht, dass die Canon EOS 6D ein so triviales Geologging hat. Ich war etwa 2:10 Stunden unterwegs und die Canon hat 495 Wegpunkte aufgezeichnet. Dabei soll ich 6,53 km zurück gelegt haben. Auf der Route sind einige Ausbrecher, die immer wieder hier und da 5 oder 10 Meter mehr aufzeichnen. Es war stark bewölkt und ich bin viel an Bäumen und durch den Wald gegangen. Durch eine höhere Frequenz der Aufzeichnung hätte sich vielleicht ein wenig geändert, jedoch wären auch dann noch einige Ausreißer vorhanden. Zum Geo-Taggen für Fotos reichen die Daten aus, um eine exakte Route und die gelaufenen Kilometer abzubilden, reicht die EOS leider nicht aus. Die Daten sind etwas zu ungenau. Aber dafür hält der Akku auch am längsten.

Nachtrag:
Vielleicht war meine erste Annahme nicht ganz korrekt. Ich habe nochmal einen 1:30h Track mit der Canon 6D aufgenommen, jedoch mit schnellerer Aktualisierungsrate. Der Höhenunterschied von 0 Metern passt zwar wieder nicht, aber die 5.112 Wegpunkte sehen schon wesentlich besser aus, als bei dem vorherigen Track. Ich muss aber auch noch erwähnen, dass ich letztes Mal teilweise im Wald unterwegs war und dieses Mal auf Wiesen. Hier der Track:

[sgpx gpx=“/wp-content/uploads/gpx/Canon EOS 6D Track 2.gpx“]

 

Platz 2

Iphone 5Das iPhone mit der App GPS Tracks findet sich in der Mitte wieder. 1.016 Wegpunkte und 6,13 km gibt mir Adze an. Dazu auch noch ein Höhenunterschied von 938 Meter auf der gesamten Strecke. Das gibt die Lüneburger Heide aber leider nicht her. Somit ist die Höhenangabe irrsinnig. Insgesamt ist die Route etwas besser als bei der 6D. Aber auch hier finden sich Ausbrecher. Außerdem hält der Akku des iPhones beim Tracking etwa 8-10 Stunden. Alles in allem gibt es keinen großen Unterschied zwischen der 6D und dem iPhone. Damit hat das Smartphone gerade so den zweiten Platz erreicht und ist fast gleich auf mit der 6D.

Platz 1

Nike+ SportWatch GPS…and the winner is…meine kleine Armbanduhr 😉
Es ist fast unglaublich, was dieses kleine Ding kann. Man muss aber auch berücksichtigen, das die Uhr hard- und softwareseitig als GPS-Tracker konstruiert worden ist. Unglaubliche 7.542 Wegpunkte und eine wohl sehr genaue Distanz von 5,58 km, fast ohne Ausreißer. Die zurückgelegte Höhe von 138 Metern könnte passen. Die Strecke sieht wirklich sehr exakt und genau aus. Ich bin echt begeistert von diesem kleinen Ding. Damit läuft meine Uhr auf jeder längeren Tour parallel mit. Damit werde ich dann wohl keine Fotos taggen, bzw. nur die, die ich nicht mit der 6D aufgenommen habe, sondern vielmehr als Fitness- und Routen-Tracker mitlaufen lassen. Zudem hält der Akku der Nike+ etwa 8-10 Stunden, wie der des iPhones auch.

Vor- und Nachteile

Natürlich werde ich keine mit der Canon EOS erstellten Bilder mit dem Track der Uhr taggen. Deswegen sollte man zwischen dem Tracking der Route und dem taggen der Bilder deutlich unterscheiden. Zum eigentlichen taggen nutze ich natürlich die GPS-Sensoren der 6D bzw. bei Fotos mit dem iPhone den dortigen GPS-Empfänger. Die Uhr macht halt keine Fotos.

Insofern ich aber primär einen sehr genauen und exakten GPS-Track aufzeichnen möchte, greife ich nun noch häufiger zur Nike+ SportWatch GPS. Einen Knopf 3 Sekunden lang drücken, kurz auf GPS-Empfang warten – was sehr schnell geht – und dann noch mal den Knopf drücken, das Tracking läuft. Viel mehr kann die Uhr dann aber auch nicht.

Die Canon 6D hat durch den großen und wechselbaren Akku in Sachen Ausdauer die Nase vorn. Besonders genau sind die Tracks leider nicht. Zum groben aufzeichnen reicht es aber. Jedoch sind die Distanz-Daten mit Vorsicht zu genießen und eher 10 – 15 % mehr, als man tatsächlich gelaufen ist.

Das iPhone ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Aber man hat es immer dabei und bietet technisch sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten. Wer hier bessere Apps nutzt und sich mit dem Tracking auskennt, kann hier wohl noch einiges raus holen. Nervig ist aber das technische Know-How, was der Nutzer wissen muss, um wirklich gute Ergebnisse zu erhalten, bei begrenzter Akkulaufzeit.

Fazit

Ich werde wohl weiterhin meine Uhr zum genauen tracken nutzen, und die Kamera taggen lassen. Trotzdem bin ich von meiner Uhr sehr begeistert und von der Canon EOS 6D etwas enttäuscht, was das Aufzeichnen von Routen betrifft. Ich werde demnächst noch einen Track aufzeichnen, der jede Sekunde eine Positionsaktualisierung enthält. Mal sehen, ob ich hier bessere Ergebnisse erzielen kann und was der Akku davon hält.

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2 Gedanken zu „GPS-Tracks mit der Canon EOS 6D aufzeichnen – Ein Vergleich

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