Canon EOS 6D oder 70D? – Teil I

Canon EOS 70D Body… oder auch Crop versus Vollformat-Kamera. Ich selbst besaß lange Jahre eine Canon EOS 60D und war sehr zufrieden mit dieser DSLR. Die Canon EOS 70D hat zwar in Sachen Features gegenüber der 60D etwas zugelegt, jedoch bleibt der Cropsensor und auch die Bildleistung hat sich nur unwesentlich verbessert. Darüber habe ich bereits HIER und HIER ausführlich geschrieben. Deshalb gilt vieles, was nicht die neuen Features der 70D betrifft, auch für die Canon 60D oder anderen Canon Crop-Kameras. Auch möchte ich zunächst die unterschiedlichen technischen Leistungsdaten der Canon EOS 6D und 70D etwas zurückstellen. Vielmehr werde ich über die Unterschiede zwischen modernen Vollformat- und Crop-DSLRs schreiben. Neben einigen bekannten Fakten und grundsätzlichen Unterschieden, werde ich auf meine persönlichen und subjektiven Erfahrungen eingehen.

Sensorgröße

By Хрюша, via Wikimedia Commons

Die Canon EOS 6D besitzt einen digitalen Vollformat-Bildsensor. Diese Größe ist aus analogen Zeiten als Kleinbildformat bekannt und hat die Maße 36 x 24 mm, was eine Diagonale von 43,3 mm und eine Fläche von 864 mm² ergibt. Das war zu analogen Zeiten noch klein, heute hingegen ist dies eines der größeren digitalen Sensorformate. Denn die Canon EOS 70D besitzt einen Bildsensor, der um den Faktor 1,6 kleiner ist. Dieser Cropfaktor ist nicht immer einheitlich. Bei Nikon beträgt dieser 1,5 und bei einer Canon EOS 1D Mark IV, welche eine Ausnahme im Canon Sortiment darstellt, 1,3. Da wir hier die Canon 6D und 70D vergleichen, nehme ich den Cropfaktor von 1,6 als Basis für weitere Berechnungen. Der Bildsensor der EOS 70D hat die Maße 22,2 x 14,8 mm, woraus sich eine Diagonale von 27,1 mm und eine Fläche von 329 mm² ableiten lässt. Wenn ich nun die Diagonale der 6D durch die der 70D teile, erhalte ich den Faktor 1,6. Interessanterweise ist jedoch der Unterschied der gesamten Sensorfläche höher. Dieser Faktor beträgt etwa 2,6, was in etwa 39 % der Fläche des 6D-Sensors entspricht. So gerechnet ist der Größenunterschied der Sensoren mehr als zunächst vermutet. Jedoch ist zur Berechnung der Brennweitenverlängerung der Unterschied der Bild-, bzw. Sensordiagonalen ausschlaggebend, also der Faktor 1,6 oder auch APS-C Format genannt.

Größer ist besser

Canon EOS 6D GPSBeide DSLRs haben etwa eine Auflösung von 20 Millionen Bildpunkten. Jedoch hat die Canon 6D etwa 2,6 Mal so viel Platz für die gleiche Anzahl der Pixel. Dadurch kann Canon größere und lichtempfindlichere Dioden im Bildsensor verbauen, was einen Vorteil in der Qualität der Pixel zur Folge hat. Dies ist durch eine höhere Schärfe und weniger Bildrauschen erkennbar. Außerdem trifft auf einem Cropsensor weniger Licht, da er schlicht eine kleinere Fläche besitzt – eigentlich einfache Physik. Deshalb haben Vollformatsensoren regelmäßig eine bessere qualitative Bildleistung.

Kleiner ist schlechter

Die Vorteile der 6D sind natürlich die Nachteile der 70D. In der reinen technischen Betrachtungsweise, haben die großen Bildsensoren immer den Vorteil. Jedoch gibt es auch mehr als nur die reine unzensierte Technik.

Der Preis spielt hier eine entscheidende Rolle. Kameras mit einem APS-C Sensor sind aus vielerlei gründen günstiger zu produzieren. Der Sensor als solches ist schon viel günstiger in der Herstellung. Der gesamte Spiegelkasten, der Spiegel selbst, der Vorhang und der Sucher mit seinen teuren Prismen kann in Cropkameras kleiner und somit günstiger produziert werden. Nicht zuletzt spielt auch die Gehäusegröße für den Kunden eine wichtige Rolle, wie Canon unlängst mit seiner erfolgreichen EOS 100D bewiesen hat. Das alles sind Faktoren, die die meisten Konsumenten zu einer günstigeren und kleineren APS-C DSLR greifen lassen. Und wenn man sich am Ende die hervorragenden Bilder aus einer APS-C-Kamera anschaut und noch genug Geld auf dem Girokonto hat, dann ist kleiner eben nicht immer schlechter.

Brennweitenverlängerung

Neben der Abbildungsleistung der Bildsensoren hat der Cropfaktor auch noch eine wesentliche Auswirkung auf die Brennweite. Die meisten Objektive werden mit der Brennweite beschriftet, die für Vollformatsensoren bestimmt ist. Das gilt “leider” auch für EF-S Objektive, die ohnehin grundsätzlich nur an Crop-Kameras verwendet werden können. Demnach entsteht hier die größte Verwirrung, zumindest für die, die sich noch mit Brennweiten zu analogen Zeiten auseinander gesetzt haben. Denn ein 50 mm Normalobjektiv mutiert an einer 70D zu einem 80 mm Teleobjektiv. Das ganze ist mit dem oben genannten Faktor leicht zu errechnen:
50 mm x 1,6 Crop = 80 mm am APS-C-Sensor

Die Canon EOS 70D zeichnet einfach nur einen kleineren “Bildkreis” (der eigentlich eckig ist) auf, dadurch verlängert sich dann die Brennweite. Wenn man mal von der Auflösung absieht, erhält man mit der 6D das gleiche Bild bei gleicher Brennweite, z.B. 50 mm an beiden Kameras, wenn man es an den Seiten gleichmäßig auf den Bildausschnitt beschneidet, der das Bild der 70D haben würde. Deshalb nennt man diesen Unterschied der kleineren Bildsensoren auch Ausschnittsvergrößerung.

Vollformat = mehr Weitwinkel?

Grundsätzlich stimmt diese Aussage. Das gleiche 40 mm Objektiv an einer 6D ist ein ganz leichtes Weitwinkel und an einer 70D ein leichtes Tele mit etwa 64mm. Das ist schon ein gravierender Unterschied. Allgemeingültig möchte ich die Aussage – dass man Vollformat primär im Weitwinkelbereich nutzt – nicht unterschreiben. Oft ist dies der Fall, aber mittlerweile gibt es für APS-C-Kameras ein größeres Objektivangebot als für Kleinbildkameras. Das liegt daran, dass an einer 70D EF und EF-S Objektive, an einer 6D jedoch nur EF Objektive genutzt werden können. Die Hersteller haben sich mittlerweile so stark auf dem Markt der Crop-DSLRs konzentriert, dass es mehr Weitwinkelobjektive für eine 70D, als für eine 6D gibt, bei adäquater Brennweitenumrechnung. Oberflächlich mag demnach diese Aussage stimmen, dass einem das Vollformat mehr Weitwinkel bietet, jedoch kann man auch mit der 70D bei 8 mm (ca. 13 mm KB) Brennweite hervorragende Weitwinkelaufnahmen produzieren. Darum meine ich, dass heute für die Weitwinkelfotografie eine Vollformat DSLR – wie die Canon 6D – nicht mehr zwingend ist.

Crop-Bildsensor = mehr Tele?

Durch die Brennweitenverlängerung der Canon EOS 70D verhält es sich in der logischen Konsequenz exakt umgekehrt, wie im vorherigem Absatz beschrieben. Hier verlängert sich ein 200 mm Objektiv an der 6D, auf ein beachtliches 320 mm Objektiv an der 70D. Da gute Teleobjektive recht teuer sind und die Crop-DSLRs durch den kleineren Bildausschnitt nur den mittleren Teil der EF-Objektive nutzen, zeigen die Bilder oft weniger Vignettierungen und Bildverzerrungen. Wer häufig eine höhere Brennweite benötigt, was z.B. in der Tier-, Sport- und Makrofotografie von Vorteil sein kann, sollte durchaus eher zu einer guten Cropkamera, wie der Canon 70D greifen. Denn genau hier punktet der kleine Bildsensor. Ein gutes 300 mm Objektiv an der 70D ist meist günstiger als ein gutes 500 mm Objektiv an der 6D – mal ganz abgesehen vom höheren Gewicht der längeren Brennweiten.

Meiner Ansicht nach macht es eher Sinn sich eine 70D für die Telefotografie zu kaufen, als eine 6D für die Weitwinkelfotografie. Zu erwähnen ist auch noch, dass die Lichtstärke des Objektivs grundsätzlich unverändert auch an einer Canon 70D erhalten bleibt. Dazu aber später mehr.

Weiterhin gibt es noch Unterschiede im Bildwinkel. Diesen will ich an dieser Stelle nicht erklären und ich verweise freundlichst auf Wikipedia, viel Spaß!

In diesem Augenblick fällt mir auf, dass ich schon wieder viel geschrieben habe, aber noch viel mehr schreiben möchte. Deshalb habe ich diesen Artikel in zwei Parts aufgeteilt. Mit der Schärfentiefe, der Bildqualität und dem Fazit sowie weiteren Hinweisen geht es dann im nächsten Teil weiter.

Außerdem habe ich den Dynamikumfang der Canon EOS 6D und 70D ausführlich mit vielen Testbilder verglichen.

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11 Gedanken zu „Canon EOS 6D oder 70D? – Teil I

  1. Moin, dieser Satz

    „Die meisten Objektive werden mit der Brennweite beschriftet, die für Vollformatsensoren bestimmt ist. Das gilt “leider” auch für EF-S Objektive, “

    impliziert das die Brennweite irgendwas mit der Sensorgröße zu tun hat. Das ist falsch! Die Brennweite ist eine physikalische Eigenschaft des Linsen-System innerhalb des Objektivs und ist immer gleich. Da wird nichts auf das Aufnahmemedium bezogen. Insofern ist es vollkommen richtig das EF-S Objektive mit der Brennweite beschriftet sind die sie nun mal haben.

    Ansonsten guter Übersichtsartikel.

    Viele Grüße!

    • Danke 😉

      Grundsätzlich hat natürlich die Brennweite nichts mit der Sensorgröße zu tun, das stimmt. Jedoch ergibt sich bei kleinerem Bildsensor ein vollkommen anderes Bild. Danach wird das Bild mehr oder weniger stark beschnitten, anstatt den ggf. vermuteten Bildwinkel abzubilden. Ich würde es besser finden, wenn es auch physikalisch falsch wäre, ein Canon 15-85 mm Objektiv mit 24-156 mm zu beschriften. Das würde vieles vereinfachen, meiner Meinung zumindest nach. Man müsste es dann ja auch nicht Brennweite nennen, sondern einen neuen Begriff erfinden. So muss ich immer umrechnen, egal ob APS-C oder Micro-Four-Thirds.

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