Die Canon EOS 7D Mark II* ist die Nachfolgerin der EOS 7D, die laut Canon im Oktober 2009 auf den Markt kam. Die EOS 7D Mark II folgte im November 2014, also gut fünf Jahre später. Entsprechend groß war die Spannung bei vielen Interessenten: Einige haben in der Zwischenzeit resigniert, andere haben sich auf die schon fast totgeglaubte 7D2 sehr gefreut. Ob sich das Warten gelohnt hat und wie die EOS 7D Mark II in meinem Erfahrungsbericht abschneidet, beschreibe ich im Folgenden.
Außerdem verweise ich auf die beiden Artikel, in denen ich die 7D Mark II bereits sehr ausführlich mit der Canon EOS 70D verglichen habe: Teil I mit Bildsensor und Rauschen und Teil II mit Autofokus und Body. Meiner Meinung nach sind diese Artikel mindestens genauso relevant wie dieser Test.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- APS-C-CMOS mit 20,2 MP, Dual Pixel CMOS AF, ISO 100–16.000, erweiterbar auf 51.200.
- 65 Kreuzsensoren, die Mitte als Doppelkreuzsensor (bei f/2,8) und bis −3 EV.
- Bis ca. 10 Bilder/s, Verschluss laut Canon für bis zu 200.000 Auslösungen ausgelegt.
- Robustes Magnesiumgehäuse mit Staub- und Spritzwasserschutz, 100-%-Sucher, CF- und SD-Slot, GPS mit Kompass.
- Kein Klappdisplay, kein Touchscreen, kein integriertes WLAN.
- Bildqualität gut und der 70D sehr ähnlich: bis ISO 3.200 gut benutzbar, ISO 12.800 nur im Notfall.
Technische Daten der Canon EOS 7D Mark II
Wie immer zuerst einige technische Details, vor allem die Unterschiede zur 7D und zur 70D. Alle Angaben stammen aus dem Canon Camera Museum.
| Merkmal | EOS 7D Mark II | EOS 7D (zum Vergleich) |
|---|---|---|
| Markteinführung | November 2014 | Oktober 2009 |
| Sensor | APS-C-CMOS, ca. 22,4 × 15,0 mm, 20,2 MP | APS-C-CMOS, 22,3 × 14,9 mm, 18,0 MP |
| Prozessor | Dual DIGIC 6 | Dual DIGIC 4 |
| ISO | 100–16.000, erweiterbar auf H1 25.600 und H2 51.200 | 100–6.400, erweiterbar auf 12.800 |
| Autofokus (Sucher) | 65 Kreuzsensoren, Mitte Doppelkreuz bei f/2,8, bis −3 EV | 19 Kreuzsensoren, Mitte Doppelkreuz, bis −0,5 EV |
| Serienbilder | max. ca. 10 B/s (ca. 9,5 B/s mit EOS iTR AF) | ca. 8 B/s |
| Pufferspeicher | RAW ca. 24 (mit UDMA-7-CF ca. 31), JPEG L/Fine ca. 130 (ca. 1.090) | bis zu 94 JPEG |
| Verschluss-Lebensdauer | bis zu 200.000 Auslösungen | ca. 150.000 Auslösungen |
| Sucher | ca. 100 %, 1,0-fach, Intelligent Viewfinder II | ca. 100 %, 1,0-fach |
| Display | 3,0 Zoll, ca. 1,04 Mio. Punkte, fest | 3,0 Zoll |
| Speicherkarten | CF (UDMA 7) und SD/SDHC/SDXC (UHS-I) | CF |
| GPS | integriert (GPS, GLONASS, QZSS), digitaler Kompass | – |
| Video | Full HD bis 59,94p, MP4 | Full HD 30/25/24p |
| Akku | LP-E6N/LP-E6, ca. 670 Aufnahmen (Sucher, CIPA) | k. A. |
| Gewicht | ca. 910 g (CIPA), 820 g nur Gehäuse | k. A. |
Haptik und Bedienung
Ganz klar grenzt sich die EOS 7D Mark II von den meisten Canon-Amateurmodellen ab. Zwar liegt zwischen der 7D und der 5D noch die Vollformat-6D*, doch die wird eher dem ambitionierten Amateur zugeordnet, zumindest was das Gehäuse betrifft. Die 7D orientiert sich dagegen an der Canon EOS 5D Mark III* und richtet sich damit, wenn man so will, an den professionellen Markt. Das Gehäuse ist größer als das der 6D oder der 70D. Mit ca. 910 g ist es nicht das leichteste, aber laut Canon aus einer Magnesiumlegierung gefertigt und sehr gut gegen Staub und Spritzwasser geschützt.






Wer etwas größere Hände hat, wie ich, wird vom 7D2-Gehäuse nicht enttäuscht. Der Body ist hervorragend verarbeitet, lässt sich sehr gut greifen, und jede Taste und jedes Rad vermittelt ohne Zweifel den Eindruck, etwas Wertvolles in der Hand zu halten. Alle Finger haben ausreichend Platz, sodass man die Kamera sehr stabil halten kann. Alle Tasten haben einen perfekten Druckpunkt, und der Auslöser lässt sich so sanft drücken, dass man kaum verwackelt. Auch im Vergleich zur 70D gibt es einige nicht ganz unwichtige Unterschiede, die ich im Vergleich zur Canon 70D beschrieben habe.
Canon setzt bei der 7D Mk II auf Zweihandbedienung: Auf der linken Gehäuseseite sitzen sieben Tasten. Der Joystick ist gut, und das Wahlrad ist sogar noch besser als bei den Vorgängern, denn es ist wesentlich leiser und angenehmer zu bedienen. Das Modus-Wahlrad hat eine Sperrtaste bekommen und bietet neben den üblichen PASM-Modi drei Custom-Speicher (C1 bis C3).
Der Sucher ist fantastisch: Er zeigt ca. 100 % des Bildes und verkleinert nicht. Über die LCD-Einblendung des Intelligent Viewfinder II siehst du AF-Felder und viele Aufnahmeeinstellungen direkt im Sucher, sodass du Einstellungen ändern kannst, ohne das Auge vom Sucher zu nehmen.
Neu ist eine Wippe rund um den Joystick. Hältst du sie mit dem Daumen gedrückt und drehst gleichzeitig am Rad auf der Oberseite, veränderst du eine vordefinierte Funktion, zum Beispiel die ISO. Das ist recht praktisch. Ich finde an der 7D kein Bedienelement, das ich verbessern würde. Unter einer großen Klappe finden eine CF- und eine SD-Karte Platz. Ein Klappdisplay gibt es leider nicht, ebenso fehlen einige andere Features, dazu später mehr.
Bildqualität
Im Kapitel „Bildsensor“ habe ich schon einen Vergleich zur 70D angestellt. Das Ergebnis: Der APS-C-CMOS-Sensor ist zwar gut, bietet aber kaum Verbesserungen. Wer von der 7D ein ISO-Monster oder die perfekte, höchstauflösende Bildqualität erwartet, ist hier nicht ganz richtig. Deshalb halte ich dieses Kapitel ungewohnt kurz.
Zunächst einige unbearbeitete RAW-Bilder, die ich in Lightroom* konvertiert habe:







Und hier noch einige unbearbeitete und bearbeitete RAWs, die ich durch Lightroom gejagt habe:














Der Dynamikumfang ist schon ganz ordentlich. Bei fast allen Bildern habe ich die Lichter fast vollständig abgedunkelt, die Tiefen stark aufgehellt und danach die Belichtung etwas angepasst. Die Ergebnisse sind wirklich sehr gut.
💡 Tipp: RAW lohnt sich
Wer den Dynamikumfang ausreizen will, fotografiert in RAW. Die 7D Mark II speichert laut Canon 14-Bit-RAWs und bietet zusätzlich M-RAW und S-RAW mit geringerer Auflösung.
Bildrauschen
Auch das Bildrauschen hat sich seit der 70D kaum verändert. Ein „Wundersensor“ ist in der 7D also nicht verbaut, trotzdem sind die Ergebnisse passabel. Die folgenden Bilder habe ich etwas aufgehellt und beschnitten, damit man den Unterschied bei den höheren ISO-Werten besser erkennt. Im unbeschnittenen, nicht aufgehellten Originalbild sieht man das Rauschen in der Praxis natürlich nicht so stark. Zuerst kommt das Ausgangsbild, danach die Crops von ISO 100 bis ISO 51.200:











Um es kurz zu machen: Bilder bis ISO 3.200 sind noch gut benutzbar. Ab ISO 6.400 wird das Rauschen sichtbarer, und kleine Details gehen verloren. ISO 12.800 würde ich nur im Notfall benutzen, und ISO 51.200 ist Marketing 😉. Ansonsten ist die Bildqualität der 7D Mk II gut und ähnelt den Ergebnissen der 70D sehr.
💡 Tipp: Auto-ISO begrenzen
Laut Canon lassen sich ISO-Bereich, Auto-ISO-Bereich und die minimale Verschlusszeit für Auto-ISO festlegen. Begrenze Auto-ISO zum Beispiel auf 3.200 oder 6.400, dann bleibst du automatisch im gut nutzbaren Bereich.
Autofokus
Das AF-System der ersten EOS 7D war schon sehr gut. Ihre 19 Kreuzsensoren ließen sich gut kombinieren und waren schnell. Dann kam die EOS 70D, die ebenfalls auf 19 Kreuzsensoren setzt. Die 7D2 bietet hier deutlich mehr als ihr Vorgänger und die 70D: 65 Kreuzsensoren übernehmen die Scharfstellung, und der mittlere Sensor ist ein sogenannter Doppelkreuzsensor, der laut Canon bei f/2,8 bis −3 EV scharfstellt. Ähnlich gut kenne ich das von der Mitte der Canon EOS 6D. Gerade mit Telekonvertern ist das sehr sinnvoll.
Etwas seltsam: Nicht alle Canon-Objektive können alle 65 AF-Felder als Kreuzsensoren nutzen. Laut Canon hängt die Zahl der verfügbaren AF-Felder, Kreuz- und Doppelkreuzsensoren vom Objektiv ab. Welche Objektive welche AF-Felder nutzen, findest du in diesem Canon-Dokument.
Canon bietet mit der 7D Mk II wohl das beste derzeit erschwingliche AF-System. Ob man stets 65 Kreuzsensoren braucht, wage ich zu bezweifeln, ich brauche diese Anzahl eigentlich nie. Trotzdem machen sie die Kamera nicht schlechter: Wenn man sie braucht, hat man sie. Vom −3-EV-Sensor der 6D bin ich sehr begeistert, und die 7D II hat einen ähnlich lichtempfindlichen mittleren Sensor. Gerade bei schlechtem Licht ist das ein unglaublicher Vorteil. Selbst Sterne oder Bäume bei Mondlicht habe ich damit schon fokussiert. In der Praxis bedeutet das: Zumindest der Autofokus schränkt mich bei meinen Vorhaben nicht ein. Die anderen Felder arbeiten bei guten Lichtverhältnissen ähnlich gut. Es ist allerdings nicht immer einfach und schnell, das passende der 65 Felder auszuwählen.
Für die kontinuierliche Nachführung nutzt die 7D Mark II laut Canon AI Servo AF III und EOS iTR AF, das Gesichter oder Zielfarben verfolgt. Das ist in der Sport- und Konzertfotografie sehr sinnvoll. Auch wenn der AF der 70D nicht schlecht ist, ist die 7D2 in quasi allen Belangen besser. Den Dual Pixel CMOS AF hat Canon aus der 70D übernommen. Im Live View fokussiert die 7D II damit ähnlich gut, nach meinem Eindruck sogar etwas sanfter und exakter. Als AF-Methoden gibt es Gesichtserkennung mit Verfolgung, FlexiZone – Multi und FlexiZone – Single.
Serienbildgeschwindigkeit
Schon die erste EOS 7D schaffte laut Canon ca. 8 Bilder pro Sekunde. Die 7D Mark II legt noch einen drauf: Laut Canon sind es maximal ca. 10 Bilder pro Sekunde, mit EOS iTR AF ca. 9,5. Der Verschluss klappert dabei angenehm und ist laut Canon für bis zu 200.000 Auslösungen ausgelegt, rund 50.000 mehr als bei der alten 7D mit ca. 150.000.
In RAW schafft die Kamera laut Canon ca. 24 Bilder am Stück, mit einer schnellen UDMA-7-CF-Karte ca. 31. In JPEG (L/Fine) sind es ca. 130 Bilder, mit UDMA-7-Karte ca. 1.090, praktisch also fast ohne Pause. Damit ist die EOS 7D Mark II eine außergewöhnlich schnelle Kamera, und Sport-, Tier- und Actionfotografen freuen sich natürlich über diese Leistung.
💡 Tipp: Schnelle CF-Karte nutzen
Der große Unterschied beim Puffer gilt laut Canon nur mit UDMA-7-CF-Karten. Für lange Serien gehört eine schnelle CF-Karte in den CF-Slot. Die SD-Karte kannst du zum Beispiel als Backup nutzen.
Ausstattung: Hier schwächelt die 7D Mark II
Bislang hast du von mir kaum Kritik an der EOS 7D II gehört, das ändert sich jetzt. Leider, und das wird wohl einige enttäuschen, gibt es kein Klappdisplay und keinen Touchscreen. An der Canon EOS 70D* nutze ich beides sehr oft. Ich finde es wirklich schade, dass Canon diese beiden Elemente hier nicht verbaut hat. Auch wenn der „Profi“ sie für Spielerei halten mag: Ein schwenkbares Display und eine Touchfunktion sind unglaublich praktisch, und wenn man sie gerade nicht braucht, stören sie eben nicht.
Dass die 7D auch als Outdoor-Kamera gedacht ist, zeigt der eingebaute GPS-Empfänger. Laut Canon nutzt er GPS, GLONASS und QZSS, schreibt Breite, Länge, Höhe und Richtung in die Bilder und hat einen digitalen Kompass. Wie bei der 6D funktioniert das Geotagging bei mir problemlos und sehr genau.
Warum Canon auf einen kleinen WLAN-Chip verzichtet hat, ist mir ein Rätsel. Laut Canon gibt es nur die Anbindung an den externen Wireless File Transmitter WFT-E7 und Unterstützung für Eye-Fi-Karten. Klar, Funkwellen kommen schlecht durch ein Metallgehäuse, aber dasselbe gilt für den GPS-Empfänger. Ich denke, technisch hätte es geklappt. In der heutigen Zeit finde ich die Ausstattung der 7D II etwas mager, zumal der Body ja sehr groß ist. Auch Profis können einen Touchscreen sinnvoll nutzen. Außerdem ergibt der Dual Pixel AF erst mit Klappdisplay und Touchscreen so richtig Sinn. Schade, Canon.
⚠️ Achtung beim Kauf
Brauchst du Klappdisplay, Touchscreen oder WLAN für Fernsteuerung und Bildübertragung per Smartphone, ist die 7D Mark II nicht die richtige Kamera.
Fazit
Die letzten Punkte zur Ausstattung trüben das Bild der Canon EOS 7D Mark II etwas. Man muss aber bedenken, dass sie eine Sucherkamera ist, und das kann sie hervorragend. Warum man dann noch den Dual-Pixel-Sensor verbauen musste, erschließt sich mir nicht ganz. Damit bin ich mit den negativen Aspekten aber auch schon durch.
Brauchst du kein WLAN, bist viel unterwegs und arbeitest mit Geotags, fotografierst zu 90 % durch den Sucher, nutzt einen Touchscreen nicht wirklich und brauchst Speed, Speed, Speed? Dann ist die Canon EOS 7D Mark 2* sehr verführerisch. Wer die genannten Features dagegen unbedingt braucht, auf GPS verzichten kann und nicht so viel Tempo benötigt, sollte auf jeden Fall einen Blick auf die Canon EOS 70D* werfen.
FAQ
Wann kam die EOS 7D Mark II auf den Markt?
Laut Canon im November 2014, gut fünf Jahre nach der ersten EOS 7D (Oktober 2009).
Wie viele Bilder pro Sekunde schafft die EOS 7D Mark II?
Maximal ca. 10 Bilder pro Sekunde, mit EOS iTR AF ca. 9,5. In RAW puffert sie ca. 24 Bilder, mit UDMA-7-CF-Karte ca. 31.
Hat die EOS 7D Mark II WLAN oder einen Touchscreen?
Nein. Es gibt weder integriertes WLAN noch einen Touchscreen oder ein Klappdisplay. GPS ist dagegen eingebaut.
Bis zu welcher ISO ist die 7D Mark II gut nutzbar?
Bis ISO 3.200 gut, ab ISO 6.400 gehen kleine Details verloren. ISO 12.800 nutze ich nur im Notfall.
Lohnt sich der Umstieg von der 70D auf die EOS 7D Mark II?
Wenn du Tempo, einen besseren Sucher-AF, GPS und ein robustes Gehäuse brauchst, ja. Die Bildqualität ist dagegen sehr ähnlich, und die 70D hat Klappdisplay, Touchscreen und WLAN.
Wie viel wiegt die EOS 7D Mark II?
Laut Canon ca. 910 g nach CIPA, das Gehäuse allein ca. 820 g.
