Stockfotografie – Teil II

Nachdem der erste Teil zum Thema Stockfotografie ein wenig unstrukturiert war, möchte ich das in diesem Artikel gerne versuchen zu ändern. Aus didaktischen Gründen fange ich ganz hinten in der Produktionskette an. So kann man wesentlich besser verstehen, warum man die folgenden Ratschläge beachten und wo die Prioritäten liegen sollten.

Wer kauft die Bilder der Microstock-Agenturen?

Junge Geschäftsfrau mit Einkaufswagen und Sparschwein

Benjamin Thorn / pixelio.de

Zunächst ist es wichtig zu wissen, wer denn überhaupt die Zielgruppen der Stock-Agenturen bildet. Die Zielgruppe ist so vielfältig, dass ich hier nicht annähend alle nennen kann. Typische Kunden sind beispielsweise Redaktionen die Microstock-Bilder für Magazine verwenden, Blogger, Gestalter von Werbebroschüren für Unternehmen, Webdesigner und weitere Menschen aus der Marketing- und Designszene. Wichtig ist, dass alle diese Kunden wenig für ein Foto zahlen möchten und keinen besonderen Wert auf Alleinstellungsmerkmale der verwendeten Bilder legen.

Wie werden die meisten Bilder der Stockagenturen verkauft?

Gehen wir mal davon aus, dass der Blogger „Bernd“ ein Bild für seinen Artikel über Fotografinnen braucht. Nachdem er bei Google nachgeschaut hat, wo man als Blogger günstig Fotos kaufen kann, landet Bernd schnell auf den Seiten der üblichen Verdächtigen Stockagenturen. Anstatt sich durch komplizierte Kategorien zu wurschteln, nutzt Bernd gleich das Suchfeld der Agentur. Dort gibt er das Wort „Fotografin“ ein. Er findet z.B. bei Fotolia 1.014 Ergebnisse. Bernd steht auf blonde Frauen die lachen und jung sind. Bernd und ich scheinen viele Gemeinsamkeiten zu haben. Er erweitert die Suche um die Begriffe „blond, lacht und jung“. Und nun findet Bernd noch 8 Bilder die alle von einem Fotografen sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bernd nun eines dieser Bilder kauft, ist sehr hoch.

Mal im Ernst, hättest du jemals ein Foto auf dem eine Frau mit Kamera zu sehen ist mit den Schlagworten „Fotografin, blond, lacht, jung“ verschlagwortet? Und genau so suchen unglaublich viele Kunden ihre Bilder. Deshalb ist es von gravierender Bedeutung die hochgeladenen Bilder mit dem Hintergedanken zu verschlagworten, was ein Kunde genau suchen könnte. Anfänger tun sich mit 10 Schlagworten pro Bild schwer. Profis müssen sich genau überlegen welche Suchwörter sie nicht verwenden, damit sie unter der häufig verwendeten Obergrenze von 50 Wörtern bleiben. Auch das schönste Foto lässt sich nicht verkaufen, wenn es nicht gefunden wird. Neben den offensichtlichen Schlagworten, lassen sich auch sogenannte konzeptionelle Begriffe verwenden. So könnte ein Foto mit einem Sportwagen auch mit den Begriffen „Geld verdienen, Reichtum, Traum erfüllen“ versehen werden. Jemand der also nach Bildern rund ums reich werden sucht, könnte so schnell unseren Sportwagen finden, der durchaus ein Symbol für Reichtum ist. Es gibt auch Dienstleister die eine Verschlagwortung für wenige Cent pro Bild machen, jedoch wird selten die gerade genannte Komplexität der Suchworte berücksichtigt. Deswegen ist es eines der wichtigsten und persönlichen Aufgaben des Stockfotografen, sein Know-how zu nutzen und die Verschlagwortung selbst vorzunehmen. Auf diese Art der Suche werden die meisten Bilder verkauft.

Bei Motiven die sehr häufig nachgefragt werden, ist eher das Ranking entscheidend. Es kommt also darauf an, wie weit oben ein Bild in der Suche erscheint, wenn man ein sehr übliches Wort eingegeben hat, wie z.B. „Euro“. Auf dieses Ranking hat der Fotograf in der Regel keinen Einfluss. Durch unterschiedliche Algorithmen der Stockagenturen werden die Bilder weiter oben oder unten im Suchergebnis aufgeführt. Faktoren die in differenzierter Priorität das Ranking beeinflussen sind meistens die Aufrufe, die Downloads bzw. Käufe, der Erfolg des Fotografen in der Stockagentur und die Aktualität der Bildes. Aber durch das Ranking alleine lassen sich natürlich keine Bilder verkaufen. Es müssen schon Stockfotos sein, die der Kunde für passend und hochwertig genug empfindet.

Kann ich alle Bilder in jeder Stockfoto-Agentur verkaufen?

Grundsätzlich schon, aber nicht jede Agentur lässt auch jedes Bild zu. Ganz im Gegenteil. Nachdem der Markt an Stockfotos sehr gesättigt ist, wählen die Bildagenturen häufig nur die besten Bilder aus. Da hat es der Amateur schon sehr schwierig, ein gutes Foto von einem Teller Spaghetti überhaupt an eine Agentur auszuliefern. Jedes Foto wird in jeder Fotostockagentur manuell geprüft. Neben dem Motiv, der Bildschärfe/ Schärfentiefe, der Bildkomposition, der Überschrift und den Schlagworten, wird auch immer bewertet, ob das Bild überhaupt einen Käufer finden könnte. Nicht selten werden technisch perfekte Bilder abgelehnt. So nimmt z.B. Fotolia fast nie Landschaftsbilder an, obwohl diese dem Portfolio gut stehen würden. Die Bildannahme der Stockagenturen ist recht subjektiv. Bilder die heute abgelehnt wurden, können morgen angenommen werden. Meine Erfahrung in Worte zu fassen, würde den Rahmen eines Blogartikels sprengen. Aber am besten man testet mit wenigen Bildern an, ob bestimmte Bilder bei bestimmten Agenturen angenommen werden.

Wie übergebe ich die Bilder an die Fotoagenturen?

Grundsätzlich erfolgt der Upload der Bilder per Webseite oder FTP. Es gibt aber auch Dienste wie lightburner, die eine Art Sammelbecken für Bilder darstellen und über die man Bilder durch wenige Klicks auf eine Vielzahl von Stockphoto-Agenturen hochladen kann. Gerade bei langsameren Internetverbindungen und vielen Bildern macht das Sinn. Viel wichtiger und arbeiterleichternd ist aber nicht das hochladen, sondern das Sammeln von Metadaten. Man sollte also nicht die Bilder erst hochladen und dann betiteln und Verschlagworten, sondern dies vorab lokal machen. So gehen die einmal eingetragenen Daten nicht verloren. Es gibt diverse spezielle Anwendungen für Stockfotografen. Ich nutze für den Bildtitel, der Bildbeschreibung und den Schlagworten Adobe’s Lightroom. Letztendlich ist es aber egal welche Software man nutzt. Wichtig ist die Übergabe der Metadaten bzw. IPTC-Daten in eine JPEG-Datei. So kann ich ein einmal in Lightroom verschlagwortetes Bild auf Fotolia, iStockphoto, Dreamstime usw. hochladen und es werde gleich die wichtigsten Daten übernommen. Probleme gibt es nur manchmal mit Umlauten.

Leider muss trotzdem noch viel manuell angepasst werden, bevor das Bild endlich zur Prüfung übergeben werden kann. Jede Stockfotoagentur hat Kategorien, in denen mindestens eine ausgewählt werden muss. Bei Fotolia läuft die Bildübergabe vorbildlich ab. Es gibt selten Fehler und der Workflow ist relativ flüssig. Bei iStockphoto oder Shutterstock sind die Kategorien etwas unklarer und oft gibt es Probleme bei den Schlagworten. Diese werde nämlich auch mir ihrer Bedeutung ins Englische übersetzt. So gibt es immer wieder bei mehrdeutigen Begriffen nachfragen wie z.B. „Schloss“ oder „Welle“. Das nervt und kostet viel Zeit.

Nachdem dieser Prozess beendet ist und die Stockfoto-Agentur das Bild überprüft, darf man warten. Die Wartezeiten unterscheiden sich enorm. Von Agentur zu Agentur und von dem aktuellen Platz auf der Warteliste ist diese abhängig. Eine Bildprüfung kann wenige Stunden, aber auch einige Wochen dauern. Bevor man eine ganze Bildserie bearbeitet und diese evtl. abgelehnt wird, reichen viele Fotografen zunächst ein Bild ein, um zu sehen, ob dieses so akzeptiert wird. So kann man sich unter Umständen viel Arbeit ersparen. Wird ein Bild nicht genommen, macht es oft auch keinen Sinn, eine ganze Serie einzureichen.

Wie gehe ich mit abgelehnten Bildern um?

Das schlimmste was dem Stockfotografen zunächst passieren kann, ist die Ablehnung seiner Bilder. Hierfür gibt es – wie bereits geschrieben – vielerlei Gründe. Die meisten Stockagenturen erlauben es nicht ein Bild unverändert nochmals einzureichen. Es gibt aber kaum einen Fotografen, der das noch nie gemacht hat. Nach einer Ablehnung sollte man sich zunächst Fragen, ob das Bild überhaupt Verkäufe erzielen könnte. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man den eine Annahme auch nicht „erzwingen“. Bei technischen Problemen bemängeln die Agenturen oft die Schärfe und auch die Schärfentiefe. Die Bilder sollten auch in der 100% Ansicht scharf sein. Oft werden auch Bilder wegen einem geringen Schärfetiefenbereich abgelehnt. Das macht insbesondere Fotolia sehr gern. Viele interessante Bilder fallen so aus diesem Raster.

Manchmal scheint es so, als ob der Redakteur einfach die Bilder nicht mag. Und das ist in der Tat nicht unüblich oder selten. Ein kleiner Hinweis und geringe Veränderungen können hier evtl. Abhilfe schaffen, sodass das Bild angenommen wird. Reine Willkür ist keine Seltenheit. Manchmal wird aus einer Serie ein Bild abgelehnt, aus Gründen, die eigentlich auf alle Bilder der Serie zutreffen. Hier sehe ich auch einer der größten Kritikpunkte. Es nervt einfach, wenn die sehr gute Arbeit im Review stecken bleibt. Dazu aber aber später mehr.

Regeln

Einige grundsätzliche Regeln lassen sich hierdurch aufstellen:
– Bilder die nicht gefunden werden, werden nicht verkauft.
– Bilder die gefunden und verkauft werden, werden in der folge häufiger gekauft.
– Verschlagwortung ist der Weg um Bilder zu finden.
– Neuer Bilder verkaufen sich besser.
– Vorab Gedanken über den Kunden/ Käufer, das Bild und die Schlagworte machen.
– Ablehnungen nicht persönlich nehmen, sondern sachlich und objektiv aufarbeiten.
– Wenn die Motivation fehlt, einen drei Blogartikel schreiben.

Im nächsten Teil wird es ganz viele Erfahrungswerte von mir geben und ich werde über die eine oder andere Stockagentur nicht nur Positives berichten. Weiterhin gibt es noch etwas interessantes zu den „Aufnahmeritualen“ der Stockagenturen. Hier geht es bald zum dritten Teil.

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4 Gedanken zu „Stockfotografie – Teil II

  1. Pingback: Stockfotografie - Teil I | Fotografie Blog - web-done.deFotografie Blog – web-done.de

  2. Hallo,
    der Tipp mit Lightroom zum Verschlagworten ist nicht so glücklich. Gerade weil hier viel über Fotolia geschrieben wurde – Fotolia ist eine der Agenturen, die es dem Fotografen besonders schwer macht, weil hier die Reihenfolge der Schlagwörter entscheidend ist – Schlagwörter also nach Prioritäten geordnet werden sollten. Ich benutze auch Lightroom und habe leider viel zu spät bemerkt, dass LR alle Stichwörter alphabetisch ordnet und sie auch so exportiert, was dann bei Fotolia zu sehr wenig Käufen führt. Inzwischen habe ich mir einen komplizierten und nervigen Workflow aufgebaut, wo ich das Problem bei Fotolia und iStockphoto umgehen kann.

    Ich habe mal einen Thread bei Adobe aufgemacht, aber leider mit wenig Resonanz. Vielleicht sollte ich ja Werbung für den machen:
    http://feedback.photoshop.com/photoshop_family/topics/lightroom_keyword_re_ordering_is_a_huge_problem

    Viele Grüße aus Berlin

  3. Pingback: Stockfotografie - Teil I - Fotoblog web-done.de

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