Die Sony Cyber-shot DSC-HX400V* – Nachfolgerin der HX300 – gehört zur Gattung der Bridge-Kameras und fällt durch eine üppige Ausstattung auf. Zumindest auf dem Datenblatt wird kaum jemand etwas vermissen. Nur bei der Bedienung hat Sony noch nicht zu anderen Herstellern aufgeschlossen, die schon länger Touchscreens verbauen. Ob das der HX400V zum Verhängnis wird und was die 50-fach-Zoom-Kamera in der Praxis wirklich leistet, liest du in diesem Sony DSC-HX400V Test. Vorweg: Die HX400V leistet in einigen Bereichen mehr, als man vermuten könnte – einige Features kommen aber auch überraschend schlecht weg.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- Bridge-Kamera mit Zeiss-Zoom 24–1200 mm (KB-äquivalent), 1/2,3-Zoll-Sensor mit 20,4 Megapixeln.
- GPS, WLAN und NFC an Bord – bei mir funktionierte alles, wie es soll.
- Sehr gutes, kippbares 3-Zoll-Display, aber kein Touchscreen und ein schwacher elektronischer Sucher.
- Nur JPEG, keine RAW-Dateien. Ab ISO 1.600 wird es kritisch.
- Full-HD-Video mit 50 Vollbildern und sehr gutem Bildstabilisator.
- Die 10 Bilder/s gelten nur für eine kurze Serie, danach wartest du.













Technische Daten der Sony HX400V
| Markteinführung / UVP | März 2014 / 479 € |
| Sensor | Exmor R CMOS, Typ 1/2,3 (7,82 mm Diagonale), 20,4 Megapixel effektiv |
| Bildprozessor | BIONZ X |
| Bildformat | nur JPEG |
| Objektiv | ZEISS Vario-Sonnar T*, 4,3–215 mm (24–1200 mm KB-äquivalent), 50-fach optisch |
| Lichtstärke | F2,8 (Weitwinkel) bis F6,3 (Tele) |
| Fokusbereich | ab 1 cm (Weitwinkel), ab 2,4 m (Tele) |
| Filtergewinde | 55 mm |
| ISO | 80–3.200 (Automatik), bis 12.800 manuell; ISO 6.400 und 12.800 nur mit Multiframe-Rauschunterdrückung |
| Belichtungszeiten | 30 s bis 1/4.000 s (manuell) |
| Serienbilder | max. 10 Bilder/s, max. 10 Fotos pro Serie |
| Bildstabilisator | optisch (SteadyShot) |
| Monitor | 3,0 Zoll TFT-LCD, 921.600 Bildpunkte, kippbar 90° nach oben, 60° nach unten, kein Touchscreen |
| Sucher | elektronisch, 0,2 Zoll, 201.600 Bildpunkte, Augensensor |
| Video | Full HD 1.920 × 1.080 mit 50p, AVCHD und MP4 |
| Konnektivität | WLAN, NFC, GPS intern |
| Blitz | eingebaut (aufklappbar), Multi-Interface-Schuh |
| Akku | NP-BX1 |
| Maße / Gewicht | 129,6 × 93,2 × 103,2 mm; 633 g (Gehäuse), 660 g mit Akku und Speicherkarte |
Auf dem Papier liest man kaum Optimierungsbedarf, bis auf das fehlende Touchdisplay. Einige Werte relativieren sich in der Praxis aber, und auch die Lichtstärke von 2.8 ist bei diesem Sensor kaum erwähnenswert. Zunächst aber zu den Äußerlichkeiten.
Haptik und Bedienung
Ich gebe zu: Ich fotografiere lieber mit einer Spiegelreflexkamera in der Hand. Sie lässt sich einfach besser bedienen und besser umfassen. Eine Bridgekamera wie die Sony Cyber-shot versucht, sich zwischen Spiegelreflex- und Kompaktkamera zu positionieren. Einer Kompaktkamera ähnelt sie dabei eindeutig weniger. Die Canon EOS 100D ist zum Beispiel sogar eher noch kleiner als die HX400. Insgesamt wirkt die DSC-HX400V wie eine DSLR, nicht zuletzt wegen des großen Objektivs.
Die betriebsbereit 660 Gramm schwere Sony lässt sich ganz vorzüglich halten. Ich habe lange Finger, und trotzdem fühlen sie sich auf dem Handgriff, in dem Akku und SD-Karte sitzen, sehr wohl. Der Griff ist etwas gewölbt und durch die gummierte Oberfläche sehr griffig. Alle Knöpfe sitzen wohlsortiert auf der rechten Gehäuseseite und lassen sich wirklich gut bedienen. Nach einem Tag konnte ich die HX400 in absoluter Dunkelheit „blind“ bedienen. Die wichtigsten Knöpfe sind deutlich fühlbar und gut zu erreichen. Die Druckpunkte sind gut, auch der Auslöser macht einen sehr guten Eindruck.
Das Gehäuse ist etwas rau, was der Haptik sehr guttut. Das Design ist ausgewogen, es könnten aber ruhig weniger Aufschriften sein – ich weiß, dass meine Kamera GPS, HD, WiFi und einen 20-MP-Sensor hat. Die Verarbeitung ist gut und robust. Durchdacht ist der kleine Nippel unten am Objektiv: Dadurch steht die Kamera auf ebenen Flächen gerade und kippelt nicht nach vorne.
Das Display lässt sich laut Datenblatt um 90° nach oben und 60° nach unten neigen. Dabei ragt es auch im eingeklappten Zustand etwas heraus. Darüber ragt der Sucher noch weiter aus dem Gehäuse – den werde ich später noch verfluchen.
Den elektronisch gesteuerten optischen 50-fach-Zoom bedienst du entweder mit der wackeligen Wippe um den Auslöser oder mit dem Ring am Objektiv, dessen Funktion sich konfigurieren lässt. Der Ring ist haptisch großartig, ich mag es aber nicht, wenn man ihn schnell und deutlich dreht und sich der Zoom kaum bewegt. Das geht mit der Wippe genauso schnell. Insgesamt ist der Eindruck aber gut. Warum Sony bei einem solchen Technikboliden noch immer keinen Touchscreen verbaut, ist mir ein Rätsel. Er würde die Bedienung um einiges erleichtern. Wirklich schade.
Technik: GPS, WLAN, Display und Sucher
Meine Canon EOS 6D hat zwar auch WiFi und GPS, kostet aber auch etwas mehr. Dass Sony in dieser Kategorie und Preisklasse neben der übrigen Ausstattung auch WLAN, NFC und GPS verbaut, ist lobenswert. Um es kurz zu machen: Alles funktioniert, wie es soll. Selbstverständlich lassen sich mit der HX400V auch GPS-Tracks aufzeichnen.
Das Display ist sehr gut. Es hat eine gute Farbwiedergabe und lässt sich gut ablesen. Mit 921.600 Bildpunkten auf 3 Zoll ist es zudem schön scharf.
⚠️ Mein größter Kritikpunkt: der elektronische Sucher
Einen so schlechten Sucher habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Laut Datenblatt hat er 201.600 Bildpunkte – das Display bietet also mehr als die vierfache Auflösung und ist trotzdem schlechter als ein optischer Sucher. Wozu sollte man diesen Sucher dann benutzen? Ich habe ihn nicht benutzt, und ich glaube, kaum jemand wird es tun 😉 Ein kleiner Tipp an Sony: Sucher (–), Touchscreen (+)!
Die von Sony angegebenen 10 Bilder/s halte ich für Marketing. Laut Datenblatt gelten sie für maximal 10 gespeicherte Fotos. Danach musst du richtig lange warten, bis du die Serie fortsetzen kannst. Kameras, die kontinuierlich 3 Bilder/s schaffen, sind in der Praxis um einiges schneller. Das schränkt die Sony in der Sportfotografie schon etwas ein – niemand will 10 Bilder machen und dann ewig warten. Datenblätter liest man aber gern 😉
Das Objektiv: 24 bis 1200 mm
Das Objektiv zoomt etwas zu langsam, im Videomodus noch langsamer. Das Zeiss-Objektiv leistet an der Bridgekamera gute Dienste, zum Rand hin wird es aber etwas unschärfer. Die Lichtstärke von 2.8 kannst du wegen des kleinen Bildsensors ignorieren – abgesehen davon, dass sie bei 1200 mm ohnehin auf Blende 6.3 abfällt.
Apropos: 24 mm × 50 = 1200 mm. Eigentlich mag ich diese x-fach-Angaben nicht, weil sie im Grunde nichts über die Brennweite aussagen. Die HX400V besitzt aber einen sehr praxistauglichen Brennweitenbereich. 24 mm sind als Weitwinkel gut zu gebrauchen. Viele andere Kameras starten erst bei etwa 28 mm, was oft nicht genug ist. Zur maximalen Brennweite muss ich nicht viel sagen: 1200 mm sind viel, sehr viel. Mehr braucht kaum jemand. Wichtig: Diese Angaben sind aufs Kleinbildformat umgerechnet, tatsächlich hat die Sony HX400V eine Brennweite von 4,3–215 mm.
Der Makromodus ist gemischt. Bei 24 mm kannst du Motive ab etwa 1 cm Entfernung fokussieren. Sobald du zoomst, werden daraus aber schnell einige Meter – bei voller Telebrennweite laut Sony 2,4 m. Das ist schade. Käme man bei 1200 mm näher an das Motiv, wäre die HX400 noch spannender. Bei Gegenlicht sind übrigens deutliche, mitunter sogar störende Lens Flares zu sehen.
Damit du eine Vorstellung vom gigantischen Zoombereich bekommst, habe ich zwei Bildserien von 24 bis 1200 mm zusammengestellt.










💡 Tipp für die lange Brennweite
Bei 1200 mm wirkt jede kleine Bewegung riesig. Lass den Bildstabilisator an, stütz dich irgendwo ab und nutze den S-Modus mit einer kurzen Belichtungszeit. Für Nahaufnahmen gehst du lieber in den Weitwinkel und nah ran, statt aus der Distanz heranzuzoomen.
Bildqualität
Die Bildqualität und Abbildungsleistung der Sony DSC-HX400 ist gut, an einigen Stellen gibt es aber Kritikpunkte. Zunächst das Lob: Die Bilder der HX400V sind ausgewogen und passend belichtet, der Weißabgleich sitzt meist, und die Bilder sind scharf und richtig fokussiert.
Der Dynamikumfang ist okay, aber nicht besonders hoch. In der Bildbearbeitung kannst du noch etwas aufhellen und abdunkeln, aber leider nicht sonderlich viel. Da die Kamera nur JPEGs und keine RAW-Dateien aufnimmt, bist du in der Nachbearbeitung eingeschränkt. Mehr zum Thema findest du in meinem Vergleich zum Dynamikumfang.
Eigentlich sind die Fotos der Sony detailreich und gut. Du darfst sie nur nicht in der 100-%-Ansicht anschauen, denn dann wirken sie verwaschen und matschig. Beeindruckend sind dagegen Bildausschnitte bei 1200 mm. 20 MP bei 1200 mm zu vergrößern macht viel Spaß. Besonders gut sieht man das am Beispielbild eines Full-HD-Fernsehers, den ich aus etwa 3 Metern Entfernung fotografiert habe: Die Pixel sind deutlich sichtbar. Einen Panoramamodus hat die Sony natürlich auch.































Bildrauschen
Rauscharmut ist nicht die Königsdisziplin der HX400V. Immerhin reicht die ISO-Automatik nur bis ISO 3.200. Höhere Werte bis ISO 12.800 gibt es laut Datenblatt nur manuell, ISO 6.400 und 12.800 nur mit Multiframe-Rauschunterdrückung. Bei einem so kleinen Sensor finde ich diese Zurückhaltung gut.
In meinem Test ist ab ISO 400 ein leichtes Bildrauschen sichtbar, ab ISO 1.600 gehen Details verloren, und bei ISO 3.200 sind dunkle Bildinhalte etwas lila gefärbt. Ich würde deshalb maximal ISO 1.600 nutzen.






Zusätzlich habe ich bei schlechtem Licht freihand den normalen Modus mit dem Nachtmodus verglichen. Beide Ergebnisse gefallen mir leider gar nicht.


Praxisbetrieb und HDR-Automatik
Insgesamt reagiert die Sony etwas träge. Sie fokussiert zwar schnell und exakt, aber oft musst du warten, bis das Bild gespeichert oder ein HDR berechnet ist. Wegen des kleinen Sensors musst du auch als erfahrener Fotograf nicht in den A-Modus wechseln: Die Blende ist hier quasi kein Stilmittel mehr. Geringe Schärfentiefe erreichst du nur mit hoher Brennweite. Deshalb ergeben hier grundsätzlich nur der P- oder der S-Modus Sinn.
Begeistert bin ich dagegen von der „überlegenen Automatik“ der HX400V. Ist der Unterschied zwischen hellen und dunklen Bildbereichen zu groß, erstellt sie automatisch ein HDR, das auch gut wirkt. Nachteil: Es dauert einige Sekunden, bis das HDR fertig ist, und so lange ist die Kamera blockiert.


💡 Meine Einstellungsempfehlung
Für Alltag und Reise die überlegene Automatik, für Tiere und Bewegung den S-Modus. Die ISO-Obergrenze setzt du auf 1.600, und wo es auf Tempo ankommt, schaltest du die HDR-Automatik ab.
Videomodus
Die Sony Cybershot nimmt Full-HD-Videos mit bis zu 50 Vollbildern pro Sekunde auf. Die Videos sind gut und scharf genug, auch wenn es bessere Kameras gibt. Sehr gut arbeitet der Bildstabilisator: Selbst ohne Stativ sind bei 24 mm sehr gute Kameraschwenks möglich, sofern man nicht zu viel Kaffee getrunken hat. Auch der Zoom funktioniert im Video sehr gut und sanft. Die Sony hat zwar ein integriertes Stereomikrofon, wer aber eine wirklich gute Audioqualität will, nimmt extern auf.
Fazit zur Sony HX400V
Wer keine Spiegelreflexkamera haben und nicht viel Geld für Objektive ausgeben will, auf RAW verzichten kann und keinen Sucher nutzt, kann mit der Sony Cyber-shot DSC-HX400V* sehr glücklich werden. Vor allem Landschaften, Städte und Porträts mit langer Brennweite gelingen mit der Sony gut. Wegen der mäßigen Serienbildgeschwindigkeit sollten sich Sportfotografen etwas zurückhalten. Insgesamt ist die Sony aber gelungen und macht wirklich Spaß, ohne dass man ständig viel einstellen muss.
Wer sich alternativ eine DSLR anschauen möchte, ist vielleicht mit der Canon 100D gut bedient. Wer es kompakter will, auf Brennweite verzichten kann und von einer guten Bildqualität profitieren will, ist mit der Sony RX100 II sehr gut bedient.
| Pro | Contra |
|---|---|
| Riesiger Zoombereich 24–1200 mm | Kein Touchscreen |
| Sehr gute Haptik, blind bedienbar | Schwacher elektronischer Sucher |
| GPS, WLAN und NFC funktionieren | Nur JPEG, kein RAW |
| Gutes, kippbares Display | Serienbilder nur kurz, dann Wartezeit |
| Sehr guter Stabilisator im Video | Rauschen ab ISO 1.600, Lens Flares |
FAQ zur HX400V
Ist die HX400V eine gute Reisekamera?
Ja, wenn du einen großen Zoombereich in einem Gerät willst und mit JPEG zufrieden bist. Mit betriebsbereit 660 g ist sie aber keine Hosentaschenkamera.
Kann die Sony DSC-HX400V RAW aufnehmen?
Nein, laut Datenblatt nur JPEG.
Hat die HX400V GPS und WLAN?
Ja, GPS ist eingebaut, dazu kommen WLAN und NFC. Bei mir hat alles funktioniert, auch GPS-Tracks.
Welche ISO-Werte sind bei der Sony HX400V sinnvoll?
Nach meinem Test höchstens ISO 1.600. Bei ISO 3.200 färben sich dunkle Bereiche lila.
Wie nah kann die HX400V fokussieren?
Im Weitwinkel ab 1 cm, bei voller Telebrennweite erst ab 2,4 m.
Was ist das Fazit dieses Sony DSC-HX400V Tests?
Eine gelungene Bridge-Kamera für Landschaft, Stadt und Tele-Porträts. Schwächen sind der Sucher, das fehlende RAW und die kurze Serienbildfunktion.